US Palermo: Sprungbrett, Mafia-Verstrickungen und ein Schleudersitz

Von Nicolai Lehnort
Freitag, 02.03.2018 | 13:00 Uhr
Der Herrscher über die US Palermo: Präsident Maurizio Zamparini
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Die US Palermo ist ein typischer italienischer Traditionsverein und spielt aktuell in der Serie B. Etliche Auf- und Abstiege von der Serie A bis in die Tiefen des italienischen Fußballs hat der Verein hinter sich, ebenso Finanzprobleme und Neugründungen. Was fehlt, sind Titel. Was Palermo jedoch en masse besitzt: Talente, Trainer und Skandale.

"Da wurde mir gesagt, wenn du einen Spieler auswählst, der es nicht bringt, gehst du nach Hause", meinte Gennaro Gattuso über seine kurze Zeit als Trainer bei der US Palermo. Nach sechs Spieltagen ging er wieder nach Hause.

Präsident Maurizio Zamparini setzte den aktuellen Milan-Coach vor die Tür. Genau wie über 40 andere Trainerkollegen in seiner 15-jährigen Amtszeit. Im letzten Jahr entschied sich Zamparini dazu, den Weg für einen Nachfolger frei zu machen. Der hatte es in sich, wurde aber nur zum kurzen Intermezzo.

Zamparini, Baccaglini, Giammarva: Bäumchen, wechsel dich

Unter der Führung des ungeduldigen Zamparini spielte die Unione Sportiva Citta di Palermo eine gute Rolle. Zwei Jahre nach Amtsantritt gelang die Rückkehr in die Serie A - ein gewisser Luca Toni erzielte dabei 30 Tore. Zwei Mal qualifizierte man sich für den UEFA-Cup. Mit Platz sechs erreichten die Rosaneri die beste Platzierung der Vereinshistorie im Oberhaus.

Trotzdem entschied der mittlerweile 71-jährige "Trainer-Killer", der bereits zu seiner Zeit in Venedig (1986-2002) 27 Trainer beurlaubte, seinen Verein einem britisch-amerikanischen Fonds zu überlassen, der "den Klub auf ein Niveau bringt, das er verdient". Ab März 2017 ist Paul Baccaglini der neue starke Mann.

Baccaglini war TV-Satiriker und MTV-Moderator, sein Körper ist mit Tattoos übersät. Er ließ sich schon halbnackt beim Essen einer Spaghetti ablichten. Bei seiner Vorstellung als neuer Präsident knüpfte Baccaglini sich das Hemd auf und präsentierte sein neues Palermo-Tattoo auf der Brust. Heute ist der Italoamerikaner Unternehmer. Seine Verbindung zum Fußball? "Paul kennt Zamparini im Zuge von Geschäftsverhandlungen", schrieb Palermos Homepage über den Neuen.

Vier Monate später war der spektakulär angetretene Tattoo-Fan wieder weg vom Fenster - er überwies den vereinbarten Betrag für den Erwerb des Vereins nicht. Damit fiel der Klub erneut in die Hände Zamparinis. Dieser wollte jedoch nur noch als Besitzer fungieren, sodass er Giovanni Giammarva installierte. Ein Finanz-Experte, der am Gericht arbeitete.

US Palermo: Bankrott - und kriminell?

Mit dieser Vergangenheit ist Giammarva prädestiniert für die Sizilianer. Noch vor seinem Amtsantritt eröffnete die Staatsanwaltschaft von Palermo auf Anfrage der Gläubiger ein Verfahren um festzustellen, ob der Konkurs des Vereins beantragt werden kann. Der Serie A-Absteiger ist mit 120 Millionen Euro verschuldet. Giammarvas Tätigkeit am Gericht führt derweil zu einem weiteren unrühmlichen Kapitel.

Eines der größten Probleme Italiens trägt den Namen Cosa Nostra und entstand auf Sizilien. Die mächtige Mafia-Organisation ist noch heute verankert in Politik, Wirtschaft und Gastronomie. Die Entscheidungsträger sind im Würgegriff der organisierten Kriminalität - und sie macht auch vor dem Fußball nicht Halt.

Immer wieder berichten die Gazetten über Spielmanipulationen, Verbindungen zur Mafia und Geldwäsche bei den Rosaneri. Die Liste der Verdächtigungen und Ermittlungen ist ellenlang. Gattuso und Ex-Champions-League-Sieger Cristian Brocchi wurden Spielmanipulationen vorgeworfen, ein ehemaliger Manager Palermos soll Verbindungen zur Mafia unterhalten und Vereinsfunktionäre erpresst haben. Als eine Art Schutzgeld soll es für jedes Spiel Freikarten für Mafiosi gegeben haben.

Ein Ex-Mafiosi packte obendrein aus, dass Palermo Siege im Jahr 2003 gekauft hätte. Ex-Spieler und Publikumsliebling Fabrizio Miccoli wanderte aufgrund seiner Verstrickungen mit dem kriminellen Verbrechen sogar ins Gefängnis. Im vergangenen Juli ereignete sich der jüngste Fall: Razzien in den Geschäftsräumen des Vereines und bei Präsident Zamparini zuhause. Der Vorwurf: Bilanzfälschung und Geldwäsche. Dabei ist der Verein mit den rosa Trikots bei den Fußballfans dieser Welt doch vor allem für eines bekannt: Als Sprungbrett für kommende Weltstars.

Ein Auge für Potential: Die US Palermo als Sprungbrett

Vor allem in Südamerika und den Niederungen des italienischen Fußballs kauften die Palermitani jahrelang zu Schnäppchenpreisen ein. Luca Toni, für sechs Millionen Euro verpflichtet, wurde zu einem der erfolgreichsten Torschützen der Vereinsgeschichte und mit vier Millionen Plus weiterverkauft. Der Stürmer war nur einer von vielen.

Javier Pastore und Edinson Cavani, die jetzt zusammen in der Ligue 1 für PSG auf Torejagd gehen oder der begehrte Andrea Belotti vom FC Turin nutzten die US als Sprungbrett. Und auch einer, der womöglich auf dem Weg zu einem der ganz Großen ist, schnürte seine Schuhe im Stadio Renzo Barbera: Juventus-Star Paulo Dybala. Für zwölf aus der argentinischen Heimat geholt, zahlte die Alte Dame glatte 40 Millionen für den Nationalspieler. Und Dybala könnte seinen alten Präsidenten schon bald wiedersehen.

Denn die Rosaneri befinden sich im Aufstiegsrennen. Ihr aktueller Trainer trägt den Namen Bruno Tedino und ist bereits über 250 Tage im Amt. Das haben vor ihm nicht viele geschafft. Wann auch er nach Hause gehen muss, obliegt dem "Trainer-Killer".

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