Blitzlichter aus Italien

In ante e post Totti

Von Oliver Birkner
Montag, 29.05.2017 | 15:43 Uhr
Francesco Totti hat seine aktive Karriere beendet
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Während der Liga-Betrieb in den anderen Ländern langsam versiedet, wurde in der Serie A nochmal gekickt. Im Mittelpunkt: Francesco Totti und sein emotionaler Abschied. Aber auch ein Nicht-Absteiger feierte eine schöne Geschichte - mit reichlich Tränen.

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Von Oliver Birkner

Totti des Spieltags: Nun wird die Hauptstadt die Zeitrechnung also umstellen. In ante e post Totti. Früher wollte der Capitano am liebsten Tankwart werden. Nun ist die Party vorbei. Im eigenen Tank war kaum noch Sprit. Die Füße immer noch begnadeter als die meisten der Liga, doch die Physis dieser jungen Rotzlöffel kannte eben keinen Respekt mehr. Es war ja auch nicht mehr so wirklich seine Welt. Francesco und Gigi Buffon waren die letzten Relikte einer anderen Zeit. Nicht zwangsläufig besser, anders eben. Doch wenn Kameras in Pseudo-Spannung vor dem Anpfiff bedeutungsschwanger beim Stutzen-Überstreifen durch die Umkleide schwenkten oder Totti mal wieder gelangweilt einen bizarren Sponsor-Schuh präsentieren musste, fragte er sich womöglich, ob die Moderne noch ganz richtig tickte. Nun ist die Party vorbei. Die Roma qualifizierte sich in letzter Sekunde direkt für die Champions League, doch das verkam am Totti-Day zur Marginalie.

Bereits zuvor hatte ein Lkw in Gelb-Rot beschriftet mit "Totti, 8. König von Rom" zum Trainingsquartier Trigoria das 150-Meter-Spruchband transportiert: "24 Jahre, 8.828 Tage, 291 Monate, 1.261 Wochen, 211.871 Stunden, 12.712.260 Minuten, 762.735.600 Sekunden. Ich weine nicht, weil du aufhörst, ich lächele, weil es dich gab." Selbst 10.000 Kilometer entfernt zierte ein Spruchband die Margonda Bridge im indonesischen Depok auf Java: "We'll miss you Tottigoal, please stay longer!" Unter Tränen schaffte Totti beinahe die Ehrenrunde nicht mehr, schrieb "Du wirst mir fehlen" auf den Ball und jagte ihn in die Südkurve. "Ich habe zu Hause tagelang wie ein Verrückter geheult", sagte Totti am Mittelkreis. "Leider muss man irgendwann erwachsen werden, haben mir einige gesagt und so entschied auch die Zeit - verdammte Zeit, die an meine Tür klopfte. Jetzt ist alles dunkel und ab Montag bin ich erwachsen. Das Licht auszumachen, ist nicht leicht, und ich habe Angst. Nun gehe ich zum letzten Mal die Stufen zu jener Kabine runter, die mich als Kind aufgenommen hat. Ich bin stolz auf insgesamt 28 Jahre Liebe, die ich der Roma geben durfte." Dann war alles vorbei und die Teamkollegen und andere gestandene Männer und Frauen auf den Rängen schluchzten. Totti schnürte seine Binde um den Arm des elf Jahre alten Kapitäns der Roma-Jugend und verschwand.

Würstchen des Spieltags: Unfassbar eigentlich. Neun Punkte wies Aufsteiger Crotone nach der Hinrunde auf und plante eigentlich wieder für die Serie B. Am letzten Spieltag sicherten die Kalabrier den Klassenerhalt durch ein 3:1 über Lazio, da Empoli in Palermo verlor. Andrea Fulignati konnte sich trotz der Rettung die Tränen vor der Kamera allerdings nicht verdrücken: "Ich komme aus Empoli und war 15 Jahre lang bei jedem Heimspiel. Es gibt nichts Beschisseneres als deinen Lieblingsklub zum Abstieg zu verdammen." Solche Probleme besaß Andrea Nalini, Spitzname "italienischer Vardy", nicht. Der Doppel-Torschütze kickte noch vor drei Jahren in Liga vier und verdiente sich das eigentliche Gehalt als Lagerarbeiter in einer Würstchenfirma. Akkurate Beförderung. Coach Davide Nicola wird nun indes sein Versprechen einlösen und die 1.300 Kilometer von Crotone in die Heimatstadt Turin per Rad abgrasen. Großartiger Sommerurlaub, Frau und Kinder werden entzückt sein.

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