Supersonic in Babyblau

Von Mario Krischel
Donnerstag, 09.02.2017 | 21:00 Uhr
Faouzi Ghoulam spielt sich beim SSC Neapel in den Fokus
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Faouzi Ghoulam, Linksverteidiger beim SSC Neapel, ist auf dem europäischen Transfermarkt ein hoch gehandelter Name. Besonders der FC Bayern scheint angetan zu sein vom Franko-Algerier, der einst ausgerechnet mit Pierre-Emerick Aubameyang harmonierte. SPOX stellt Ghoulam vor und blickt auf besondere Stärken - und merkwürdige Schwächen.

Marco Verratti ist ein bekanntes Gesicht, Dele Alli inzwischen ein Begriff, auch Yannick Carrasco kennt man. Sie alle sollen beim FC Bayern auf der Shoppingliste stehen, oder wenigstens einer von ihnen.

Dann wäre da aber auch Faouzi Ghoulam. Ein Name, bei dem vielleicht nicht sofort alle Alarmglocken eines jeden halbwegs begeisterten Fußballfans läuten. Zuschauer der Serie A oder Fans des SSC Neapel wissen den Namen recht gut einzuordnen. Anhänger der Bayern sollten ihn allerdings wenigstens schon dreiundzwölfzig Mal gelesen haben.

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Wenn man nur "Faouzi" in die Suchmaschine im Netz eingibt, dann lautet Googles zweiter Vorschlag "Faouzi Ghoulam Bayern". Bestätigt man diese Eingabe im nächsten Schritt, erscheinen Berichte - von der Welt, über den Spiegel bis hin zur tz -, die besagen, der FC Bayern habe großes Interesse an Faouzi Ghoulam, Faouzi Ghoulam sei den Bayern 15 Millionen wert. Und dann behauptet auch noch SPOX, dass Faouzi Ghoulam in Europa heiß umworben sei.

Faouzi, der Sieger

Wenn also Real Madrid, der FC Chelsea, Manchester City, Paris Saint-Germain und eben die Bayern so scharf auf Ghoulam sind, scheint er bislang einen soliden Job bei Napoli zu verrichten. Zumindest mal Youtube vermittelt einen athletischen und robusten Eindruck von "Faouzi Ghoulam Supersonic", wie ein Video so charmant ausruft. Supersonic, also die Überschallgeschwindigkeit. Zumindest mal Flash - und das lässt sich mit Gewissheit sagen - ist Ghoulam nicht.

Für eine erweiterte Ausführung lohnt sich vorab jedoch der Blick zurück. Als Sohn algerischer Einwanderer erblickt Faouzi Ghoulam am 1. Februar vor 26 Jahren in der kleinen französischen Gemeinde Saint-Priest-en-Jarez das Licht der Welt. Gemeinsam mit zwei Schwestern und acht Brüdern wächst er dort auf. Einer von ihnen, Nabil, geht später sogar als Crossläufer für Frankreich bei der WM an den Start.

Faouzi, übersetzt "der Sieger", schnürt sein erstes Paar Fußballschuhe im zarten Alter von sieben Jahren für Nouvelle-Defense Saint-Etienne, rund 40 Kilometer nordwestlich von seiner Geburtsstätte. Bereits ein Jahr später zieht es ihn in die Jugend der höher angesehen Association Sportive de Saint-Etienne. Dort läuft er mit 19 auch zum ersten Mal für die Profis aufs Feld.

Babyblau statt Grün

In den folgenden vier Jahren bestreitet er 97 Pflichtspiele für die ASSE und weiß auf seiner linken Abwehrseite nicht nur defensiv, sondern auch als Vorbereiter im Angriff zu gefallen. Im Sturmzentrum lauert schließlich ein gewisser Pierre-Emerick Aubameyang auf die scharfen Hereingaben Ghoulams, der schon früh einen besonderen Offensivdrang entwickelt.

Der SSC Neapel wird aufmerksam und schlägt für fünf Millionen Euro zu, wenn auch recht spät. Am Deadline-Day des Wintertransferfensters 2014 darf Ghoulam wenige Stunden vor seinem 24. Geburtstag die Koffer packen und seine Zelte an der Südküste Italiens aufschlagen.

Nicht einmal 48 Stunden später bekommt Ghoulam seine ersten 14 Einsatzminuten im Babyblauen Dress des zweimaligen Meisters. Bis heute sind 120 weitere Partien dazu gekommen, ein Torerfolg war ihm noch nicht vergönnt.

Das Herz eines Wüstenfuchses

Immerhin in der Nationalmannschaft, übrigens der algerischen, zeigt Ghoulam, dass er Tore nicht nur verhindern kann. Nachdem er noch für die U21 Frankreichs debütierte, habe ihm sein Herz verraten, er müsse sich für die A-Elf der Wüstenfüchse entscheiden, begründet er später die Entscheidung zugunsten des Landes, in dem seine Eltern geboren wurden und gegen Les Bleus.

Drei Jahre kickt "der Sieger" jetzt in Neapel, bei den Partenopei verdrängte er sofort Pablo Armero auf der linken Seite in Neapels teils Dreier-, teils Viererkette. Anpassungsprobleme an das neue Land, die neue Sprache, das neue Team und die neue Liga schien er nie zu haben. Für Ghoulam, wie er jüngst in einem Interview mit der AFP verriet, war das keine große Sache.

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"Ich bin hier hergekommen und war wirklich überrascht", erzählt er. "Ich war überrascht, weil es sich so anfühlte als wäre ich in Algerien. Die Art zu leben und die Art, wie Fußball hier gesehen wird, gleichen denen in Algerien."

Offensive Waffe mit "sloppy mistakes"

Entscheidend ist inzwischen aber vor allem, wie seine Art von Fußball gesehen wird. Und die ist bisweilen nicht nur Babyblau, sondern kunterbunt. Mit seiner Robustheit und starken Tacklings beißen sich gegnerische Flügelspieler oft die Zähne an ihm aus, auf der anderen Seite ist Ghoulam vor allem für seine starken Läufe ins vordere Drittel gefürchtet. Im Zusammenspiel mit der Power-Offensive um Dries Mertens, Marek Hamsik oder Lorenzo Insigne ist Ghoulam eine zusätzliche Waffe.

Dem stehen allerdings auch haarsträubende Aussetzer gegenüber, wie beispielsweise am 29. Oktober des Vorjahres, als Ghoulam bei Napolis 1:2-Pleite im Prestigeduell bei Juventus als zweifacher Vorbereiter glänzte - allerdings zweimal auf der falschen Seite. Erst ein Querschläger, den Leonardo Bonucci dankend zum 1:0 eindrosch. Wenig später ein Hackentackling gegen Sami Khedira, das die perfekte Vorlage für Gonzalo Higuain darstellte, der per Direktabnahme gar nicht anders konnte, als seine alte Liebe mit leeren Händen zurück nach Neapel zu schicken.

Ihm fehle die Konzentration für die vollen 90 Minuten, schreiben sie in Italien. "Sloppy mistakes", also schlampige Fehler, würden sich zu oft in sein Spiel mischen. Außerdem seien seine Freistöße und Ecken zu ungenau.

Ein bisschen wie Alaba und Marcelo

Dafür attestiert man Ghoulam immerhin gute Elfmeter. Obendrein auf dieses schon aussagekräftige Statement gesellen sich "saubere Grätschen, der starke erste Kontakt und ordentliche lange Bälle sowie das 'triangle passing'". Wer sich das Spiel Ghoulams anschaut, der wird nicht zu weit hergeholte Ähnlichkeiten mit Bayerns David Alaba oder Reals Marcelo entdecken. Zu beiden fehlt aber noch ein Stück. Zweifelsfrei wäre Ghoulam ein Mann für jedes von Europas Elite-Teams.

Jetzt stellt sich jedoch die Frage: Wo sollte er beim FCB spielen? Obwohl Alaba sich selbst am liebsten im Mittelfeldzentrum sieht, ist er auf der linken Abwehrseite unverzichtbar. Erst wenn Ghoulam tatsächlich geholt werden würde, könnte Alaba womöglich endlich auf seiner anvisierten Position ran.

Viel wichtiger erscheint bei den Bayern dieser Tage jedoch die klaffende Lücke hinten rechts, nachdem Philipp Lahm sein Karriereende zum Saisonende verkündete. Die Münchner sind also vielmehr auf einen Rechtsverteidiger angewiesen, Ghoulam hingegen kam in seiner Karriere bislang nur über links. Zudem ist der linke sein starker Fuß.

Ghoulam beim FCB - passt das?

Wiederum wäre auch die Variante denkbar, in der Kimmich wie bei der EM fürs DFB-Team nach rechts rückt, im Mittelfeld Platz für Alaba macht, der wiederum von Ghoulam vertreten wird.

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Fakt ist, bislang sind das alles Gedankenspiele, wenngleich die Bayern durchaus das Bestreben zeigen, den Franko-Algerier an die Säbener Straße zu lotsen. Fakt ist auch, dass Ghoulam mit seiner offensiven Veranlagung ein zusätzlicher Faktor im derzeit nicht immer harmonierenden Münchner Angriff wäre.

Spekulation ist weiterhin, dass Ghoulam eine Vertragsverlängerung in Neapel, wo sein Arbeitspapier im Sommer 2018 endet, ausgeschlagen haben soll. Obwohl die Klubbosse der SSC sein Gehalt mehr als verdoppeln wollten.

Spekulation bleibt auch, ob sich Ghoulam am Ende des Fußballjahres tatsächlich für einen Tapetenwechsel entscheidet. Bei Twitter schrieb er an seinem Geburtstag vor einer Woche anlässlich seines Jubiläums bei Napoli: "Mein bestes Geburtstagsgeschenk war vor drei Jahren bei Neapel zu unterschreiben. Drei Jahre sind vergangen, doch die Leidenschaft ist immer noch da."

Solchen Worten darf man im aktuellen Fußballgeschäft sicherlich nicht die höchste Bedeutung zukommen lassen, doch ein Wechselwunsch sieht wahrlich anders aus.

Faouzi Ghoulam im Steckbrief

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