Donnerstag, 17.11.2016

Der AC Milan feiert Manuel Locatelli

Capitan Futuro: Viva la vida "Loca"

Der AC Milan sorgt in den eigenen Reihen für eine Rundum-Sanierung. Neben Torwart-Sensation Gianluigi Donnarumma hat sich in dieser Saison bereits der nächste Youngster ins Rampenlicht gespielt. Durch die Verletzung Riccardo Montolivos ist Manuel Locatelli der alleinige Regisseur auf der Sechserposition der Rossoneri. Doch übertrifft der 18-Jährige alle Erwartungen.

Eigentlich hätte er sein Debüt schon früher geben sollen. Denn als im April 2016 Milan-Kapitän Riccardo Montolivo seinem Trainer im Spiel gegen Juventus die Wechsel-Geste signalisierte, gab Sinisa Mihajlovic dem sichtlich aufgeregten Manuel Locatelli an der Seitenlinie Instruktionen für seinen Einsatz.

Doch es handelte sich um ein Missverständnis. Montolivo wollte nicht selbst ausgewechselt werden, sondern teilte nur eine Verletzung Mario Balotellis mit. Locatelli musste wieder auf der Bank Platz nehmen, das Traum-Debüt des 18-Jährigen gegen den Meister kam nicht zu Stande. Die Rossoneri verloren das Spiel mit 1:2.

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Sechs Monate später sah beim Duell zwischen dem AC und Juve bereits alles anders aus. Sinisa Mihajlovic war nicht mehr am Ruder. Locatelli dagegen Stammspieler im zentral-defensiven Mittelfeld. Milans neuer Coach Vincenzo Montella setzt inzwischen voll auf den Youngster.

In der 65. Minute kam der Junge mit der Rückennummer 73 am rechten Strafraumeck ungedeckt an den Ball, hielt mit dem Vollspann drauf und sah, wie der Schuss über die Unterkante der Latte im Netz landete. Es sollte der einzige Treffer der Begegnung bleiben und Milan den ersten Sieg gegen Juventus seit 2012 bescheren.

"In drei Jahren Kapitän"

Manuel Locatelli ist einer von mehreren jungen Akteuren, die der AC Milan während seiner Verjüngungskur ins Team integriert hat. Auch Torwart-Sensation Gianuligi Donnarumma (17) und Alessio Romagnoli (21) sind aus der Startformation nicht mehr wegzudenken. Davide Calabria (19) startete vor seiner Verletzung in drei aufeinanderfolgenden Spielen. Offensiv sorgen M'Baye Niang (21), Suso (22) und Chelsea-Leihgabe Mario Pasalic (21) für neuen Schwung.

Und doch sind die Erwartungen an Locatelli besonders groß. Noch vor dessen Debut tönte Silvio Berlusconi: "Unter unseren jungen Spielern haben wir mit Locatelli einen ganz außergewöhnlichen. Ich erhoffe mir von ihm eine Zukunft als großer Regisseur." Chef-Scout Mauro Bianchessi sieht die Zukunft des 18-Jährigen ebenfalls rosig: "Er ist ein Spieler mit großartiger Qualität. Er ist bei uns, seit er elf Jahre alt ist und wird innerhalb drei Jahren Milans Kapitän sein."

In der Tat wechselte Locatelli bereits mit elf Jahren von Atalanta Bergamo zu seinem Lieblingsklub Milan. Hier durchlief er alle Jugendmannschaften und hatte zahlreiche Einsätze in älteren Jahrgängen. Bereits unter dem jetzigen Juve-Trainer Massimiliano Allegri durfte der damals 15-Jährige mit der ersten Mannschaft mittrainieren. Unter Filippo Inzaghi wurde er ein Jahr später erstmals für den Profi-Kader nominiert. Das Debüt folgte schließlich am 34. Spieltag der abgelaufenen Spielzeit unter Interimstrainer Brocchi, als er in der 88. Minute gegen Carpi eingewechselt wurde.

Mehr als nur Ersatz

Nun sollte Locatelli eigentlich den verletzten Riccardo Montolivo ersetzen, doch dass er seine Rolle als einziger Sechser vor der Abwehr in einer derart souveränen Manier absolviert, hätte wohl niemand für möglich gehalten. Denn der gelernte offensive Mittelfeldspieler überzeugt in nahezu jeder seiner Aufgaben.

In Ballbesitzsituationen fungiert er als Ballverteiler. Locatelli verfügt über eine hervorragende Übersicht und spielt lange Bälle mit großer Sicherheit. Die erfolgreiche Passquote liegt bei 82,4 Prozent. Hinsichtlich des Torabschlusses konnte er durch seine tolle Schusstechnik aus der Distanz auf sich aufmerksam machen.

In der Rückwärtsbewegung verfügt Locatelli über ein starkes Stellungsspiel. Trotz seines schmächtigen Körpers stellt er sich im Zweikampfverhalten bereits sehr gut an. Viele schwierige Situationen kann er technisch lösen. Ohne jegliche Anpassungsprobleme wirkt Manuel Locatelli schlichtweg nicht wie ein normaler 18-Jähriger in der Welt der "großen Jungs".

Doch nicht nur sein taktisches Verhalten macht ihn zum besonderen Talent, von dem auch Arsene Wenger und der FC Arsenal Kenntnis genommen haben. Denn Locatelli strahlt auf dem Platz eine besondere Euphorie und Leidenschaft aus, die auch aus der Liebe zu dem Trikot "seines" Vereins entsteht.

Diese schien am siebten Spieltag beim furiosen Sieg gegen Sassuolo dann zu explodieren. Denn Locatelli erzielte sein erstes Profi-Tor zum 3:3-Ausgleich und jubelte extasisch. Unter Tränen wusste er nach dem Spiel im Interview bei Premium Sport, wem er den Treffer zu widmen hatte: "Ich danke meiner gesamten Familie, die immer an mich geglaubt hat. Ich kann es noch nicht fassen, das ist ein Moment, von dem jedes Kind träumt. Ich muss erst einmal realisieren, was ich da gerade gemacht habe."

Das erste große Derby

Generell wirkt der Youngster so, als ob er trotz aller Lobeshymnen auf dem Boden geblieben ist. Nach dem Siegtreffer gegen Juventus antwortete er auf die Frage, was er denn von all dem Hype um ihn und Donnarumma halte, folgendermaßen: "Momentan bin ich nur auf die U19 fokussiert und auf nichts anderes."

Die Rolle im defensiven Mittelfeld wird Locatelli noch eine ganze Weile ausfüllen können. Denn durch Montolivos Kreuzbandriss wird Trainer Vincenzo Montella gerne auf den energischen 98er-Jahrgang zurückgreifen. Auch bei den Milanisti steht er hoch im Kurs. Diese forderten schon lange vor der Verletzung des etatmäßigen Sechsers die Wachablösung durch den "Capitan Futuro".

Um dies zu realisieren, muss das Talent allerdings noch an seinem Körperbau und dem Kopfballspiel arbeiten, denn mit 33 Prozent gewonnener Luftduelle, weist er hier noch klare Schwächen auf. Doch zunächst kommt noch eine weitere neue Aufgabe auf den Youngster zu.


Denn am Sonntag werden im ersten "chinesischen" Derby della Madonnina die beiden neuen Mailänder "Projekte" aufeinandertreffen (20.45 live auf DAZN und im LIVETICKER). Zum einen das von Inter, welches für den Neueinkauf etablierter ausländischer Spieler steht. Zum anderen das Projekt des AC Milan, das die Installation junger nationaler und internationaler Talente repräsentiert.

Mittendrin ist dann Manuel Locatelli, als integrierter Part einer jungen Milan-Mannschaft. Für ihn wird es das erste große Derby sein. Doch dass er seine Leistung abrufen wird, daran zweifelt niemand. Denn Locatelli hat bereits bewiesen, dass er trotz seiner 18 Jahre bereits für die große Bühne bereit ist. Und vielleicht kann er ja erneut auf ein herrliches Distanzschusstor einen extasischen Jubellauf folgen lassen.

Manuel Locatelli im Steckbrief

Pascal De Marco

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