Leandro Castan im Porträt

Grätsche gegen den Tumor

Von Robert Arndt
Donnerstag, 27.10.2016 | 19:00 Uhr
Leandro Castan ist vom AS Rom an den FC Turin ausgeliehen
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Hellas Verona – Inter Mailand

Leandro Castan bildete einst mit Medhi Benatia beim AS Rom eine bombensichere Innenverteidigung. Dann wurde beim Brasilianer ein Tumor im Gehirn festgestellt. Ein nicht ungefährlicher Eingriff rettete seine Karriere. Doch der Weg zurück gestaltete sich schwierig. In Turin bekam er eine neue Chance - und nutzte sie.

Neun der ersten zehn Spiele blieb die Roma in der Saison 2013/14 ohne Gegentor. Insgesamt stand in 21 Spielen am hinteren Ende die Null. Mit 85 Punkten erreichte der Hauptstadtklub souverän die Champions League. Nur Dominator Juventus Turin enteilte den Römern mit einem Rekord von 102 Punkten deutlich.

Die Abwehrachse Leandro Castan und Medhi Benatia war daraufhin bei den europäischen Topklubs heiß begehrt. Doch die neue Führung um den US-Amerikanischen Investor James Pallotta hatten große Pläne mit der Roma und so durfte nur Benatia über die Alpen zum FC Bayern München wechseln.

Castan, der wie der Marokkaner eine blitzsaubere Saison spielte, musste bleiben. Ein Angebot von Jose Mourinho und dem FC Chelsea wurde abgelehnt. Er sollte der Fixpunkt der Abwehr in der ewigen Stadt werden, damit die Roma in der Champions League eine gute Rolle spielen und einen erneuten Anlauf auf den Scudetto nehmen würde.

Mysteriöse Schwindelanfälle

Doch gleich bei seinem ersten Einsatz der neuen Saison beim FC Empoli traten Komplikationen auf. Der Brasilianer klagte über Schwindelgefühle auf dem Feld und wurde in der Halbzeitpause ausgewechselt. Es sollte sein letztes Spiel für eine lange Zeit gewesen sein.

Denn: Die Teamärzte stellten eine Gefäßmissbildung, ein sogenanntes Kavernom, im Gehirn des Brasilianers fest. Dadurch entstand im Kopf ein Ödem und eine Schwellung, was die Schwindelgefühle verursachte. An Leistungssport war für Castan zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken, auch wenn die Krankheit nicht lebensbedrohlich war. Die Karriere des damals 27-Jährigen neigte sich dem Ende zu, obwohl sie gerade erst richtig begonnen hatte.

Erste Schritte in Schweden

Denn anders als viele seiner Landsmänner, die früh entdeckt wurden und schnell für viel Geld nach Europa gingen, war der Weg von Leandro Castan mehr als steinig. Der Linksfuß galt nie als herausragendes Talent. Bei Atletico Mineiro kam der junge Verteidiger nur sporadisch zum Einsatz.

Der Sprung über den großen Teich gelang dennoch. Bei einem vermittelten Probetraining in Schweden überzeugte der damals 20-Jährige und unterschrieb daraufhin einen Vertrag bei Helsingborgs IF. Die fremde Kultur und die Kälte behagten Castan allerdings nicht und so machte er lediglich sieben Spiele für die Skandivanier.

Rückkehr nach Brasilien

Stattdessen folgte die Rückkehr nach Brasilien an den Rand von Sao Paolo zum Zweitligisten Barueri. Mit dem Team und Castan als Leistungsträger stieg die Vorort-Truppe in die Serie A auf und sorgte mit Platz 10 für Furore in der Eliteklasse des WM-Gastgebers von 2014.

Corinthians blieben die Leistungen von Castan nicht verborgen und so wechselte der Verteidiger rund 30 Kilometer nach Osten in das Herz von Sao Paolo. Auch dort bestätigte der robuste Abwehrspieler seine Form und gewann mit den Schwarz-Weißen die Meisterschaft und als Sahnehäubchen obendrauf die Copa Libertadores.

Die Roma greift zu

Inzwischen im Dunstkreis der Selecao angekommen, wagte Castan zum zweiten Mal den Schritt nach Europa. Die Roma schlug für fünf Millionen Euro zu, doch unter Zdenek Zeman fiel nur wenig Einsatzzeit ab.

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Erst mit der Ankunft von Rudi Garcia als neuem Trainer der Giallorossi spielte sich Castan in der Innenverteidigung neben Benatia fest. Er war unumstrittener Stammspieler. Bis eben der Tumor festgestellt wurde.

Gefährlicher Eingriff

Der Arzt bezifferte die Chance auf eine vollständige Heilung auf 80 Prozent. Die Operation für einen solchen Heilungsprozess war jedoch tückisch. Jeder zehnte Patient ist im weiteren Leben gelähmt, ein Prozent wacht nach der OP nie wieder auf.

Auch Castan war sich der Risiken des Eingriffs bewusst. Romas Sportdirektor Walter Sabatini erklärte er sogar, dass sein neuer Vertrag aufgelöst werden könne und er die Stiefel an den Nagel hängen würde. Umstimmungsversuche seitens Sabatini fruchteten anfangs nicht.

Letztlich war es ein ruhiger Moment auf der heimischen Couch, welchen der Brasilianer in einem Interview mit Diario de Sao Paulo wie folgt beschrieb: "Plötzlich wurde mir klar, dass ich immer für den Fußball gelebt habe und noch weitere sechs, sieben Jahre spielen könnte. Ich wollte so nicht aufhören. Ich rief sofort den Doktor an und vereinbarte einen OP-Termin für die kommende Woche."

Schuften für ein Comeback

Doch mit der OP war es nicht getan. Obwohl alles glatt lief, musste Castan das Spiel von der Pike auf wieder erlernen. "Im Januar nach der Verletzung hatte ich viele Probleme. Ich musste das Laufen und Rennen wieder erlernen", erinnert sich der Brasilianer an die schweren Monate.

Zur Vorbereitung auf die Saison 2015/16 stieg Castan wieder in den Trainingsbetrieb ein. Er hatte sich zurückgekämpft und wollte den Konkurrenzkampf bei der Roma wiederaufnehmen. "Ich fühle mich besser als je zuvor. Ich möchte wieder Stammspieler werden. Der Verein stand immer auf meiner Seite, deswegen schulde ich der Roma etwas", zeigte sich Castan selbstbewusst.

Kein Platz bei den Giallarossi

Aus dem Traum schien Realität zu werden. Am ersten Spieltag nahm der Genesene bei Chievo Verona seinen Platz in der Innenverteidigung wieder ein. Es sollten jedoch nur noch vier weitere Einsätze folgen, da Antonio Rüdiger nachverpflichtet wurde und dieser sich neben Kostas Manolas festspielte. Auch Vereins-Ikone Daniele de Rossi half gelegentlich eine Reihe weiter hinten aus.

Schlechte Karten also für den Brasilianer, der 2016 nur noch einmal ran durfte. Groll hegte Castan jedoch nicht. Im Gegenteil, er zeigte Verständnis für seine Reservistenrolle: "Es ist normal, dass es dauern würde, bis ich mein altes Niveau erreichen würde. Ich habe fast zwei Jahre keinen Fußball gespielt."

Torino als Auffangbecken

Doch andere Klubs in Italien hatten nicht vergessen, welches Potenzial in Castan schlummerte. Sampdoria Genua griff im Sommer 2016 zu und lieh den Brasilianer aus. Doch ohne überhaupt eine einzige Minute auf dem Feld gestanden zu haben, wurde Castan zu Torino weitergereicht, ebenso auf Leihbasis.

"Ich möchte einfach wieder Fußball spielen und auf dem Feld ein Anführer sein. Ich werde alles tun, um zu zeigen, dass ich diese Chance verdiene, die Torino mir gegeben hat", kündigte der inzwischen 29-Jährige nach seiner Vertragsunterzeichnung an.

Bei den Blucerchiari wurde seine Erfahrung dringend benötigt. Platz 13 und satte 55 Gegentore zeugten nicht von einer sattelfesten Abwehr. Es war nur konsequent, dass Trainer Sinisa Mihajlovic den Routinier in den Kader brachte.

Zukunft in der Hauptstadt?

Doch Castan ist in dieser Spielzeit nicht nur Teil des Teams, sondern ein Fixpunkt in der Mannschaft. In seinen sieben Einsätzen verlor Turin nur eine Partie und steht aktuell in der Serie A auf einem soliden siebten Platz mit Tuchfühlung Richtung Europa.

Castan zeigte derweil gute Vorstellungen ohne nennenswerte Patzer. Das persönliche Highlight für den 29-Jährigen war sicherlich das Wiedersehen mit seinen alten Kameraden aus Rom. Torino entschied das Spiel mit 3:1 für sich - mit einem starken Castan. Auch beim unterlegenen Team blieb dies nicht unbemerkt. Die Giallarossi verlängerten nach dem Spiel den Vertrag des ausgeliehenen Innenverteidigers vorzeitig um ein Jahr bis 2019. Leandro Castan wird dies gefreut haben. Schließlich hat er in Rom noch ein Versprechen einzulösen.

Leandro Castan im Steckbrief

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