Die verflixte Situation um Mauro I.

Mauro Icardi hatte bei Inter Mailand in den letzten Jahren viel Grund zum Jubeln
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Mauro Icardi hat sich mit konstant guten Leistungen bei Inter Mailand in die Notizbücher der internationalen Topklubs gespielt. Der Sportdirektor erklärt den Kapitän für unverkäuflich - doch die Vereinsführung spricht mit gespaltener Zunge. Steht den Nerazzurri in dieser Phase der Vorbereitung eine Schlammschlacht ins Haus?

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Es ist eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Das Transferkarussell dreht sich mit jedem Jahr schneller. Rekordsummen werden beinahe im Wochenrhythmus pulverisiert.

Nicht nur die aufgeheizten Märkte in England und China haben zuletzt Bewegung in die Überlegungen der Grande Elite des Fußballs gebracht. Mit dem 90-Millionen-Deal von Gonzalo Higuain hat nun auch Juventus Turin ein Zeichen an die internationale Konkurrenz gesendet.

Indirekt waren da zwar wohl dennoch die englischen Fernsehgelder beteiligt - schließlich rechnet man jeden Tag mit dem Rekordwechsel von Paul Pogba zu Manchester United. Öffentlich beteuerte die Alte Dame jedoch, nicht auf die Erlöse aus dem Transfer des französischen Nationalspielers angewiesen zu sein.

Inter bangt um seinen Kapitän

Ganz gleich, wie man den Higuain-Deal auch einordnet: Bei einem nationalen Mitbewerber hat er jedenfalls eine Baustelle offen gelegt, die zwar schon seit Wochen Bestand hatte, jedoch nie so akut war wie jetzt. Inter Mailand muss um den Verbleib seines Kapitäns fürchten. Mauro Icardi ist nämlich der Wunschkandidat des SSC Neapel, um Higuain in vorderster Front zu ersetzen.

Bereits im vergangenen Sommer war über einen Abgang des Angreifers spekuliert worden. Damals hatte der Argentinier mit einer herausragenden Saison (22 Tore in 36 Spielen) den endgültigen Durchbruch geschafft. Inter gelang es jedoch, dem Stürmer eine Perspektive aufzuzeigen: Mit nur 22 Jahren wurde Icardi zum Mannschaftskapitän ernannt und sein Vertrag vorzeitig bis 2019 verlängert.

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Ein weiteres Jahr später ist klar: Icardi war keine Eintagsfliege. Er ging als Spielführer mit starken Leistungen (16 Tore in 33 Spielen) voran und führte die Nerazzurri zurück in den Europapokal. Die Begehrlichkeiten sind nicht kleiner geworden.

Der natürliche Higuain-Nachfolger

Für Napoli scheint Icardi der natürlich Higuain-Nachfolger zu sein. Immerhin hat man am Vesuv nicht nur wegen des Mannes, der eine Rekordsumme in die Taschen spülte, ein besonderes Verhältnis zu Argentiniern. Stichwort Diego Armando Maradona.

Und das Interesse der Partenopei ist keine reine Medienspekulation. Inters Sportdirektor Piero Ausilio bestätigte zu Beginn der Woche in der Gazzetta dello Sport, dass es ein Angebot über 60 Millionen für den Knipser gegeben habe: "Natürlich gab es ein Treffen mit Napoli, aber wir werden ihn nicht verkaufen. Es wird keine Verhandlungen geben. Inter wird Icardi behalten, genauso wie unsere anderen Leistungsträger."

Ein Verkauf des Angreifers passe nicht in das Konzept der Nerazzurri: "Unser Ziel ist es, den Kader zu stärken und der Klub wird vor allem dann stärker, wenn man seine Topspieler behält. Mich interessiert nicht, was Napoli bietet. Icardi hat keine Ausstiegsklausel und Inter will ihn nicht verkaufen. So einfach ist das."

Kein klares Bekenntnis

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr lässt der Angreifer bislang jedoch ein klares Bekenntnis zu einem Verbleib vermissen. Ganz offenbar schmeichelt ihm das Interesse mehrerer Spitzenvereine, denn nicht nur Neapel soll seine Fühler nach dem 23-Jährigen ausgestreckt haben. Laut englischen Medien ist auch der FC Arsenal heiß darauf, ihn zu verpflichten.

Wird das verflixte Thema Icardi und Inter zur Schlammschlacht? Icardis Ehefrau und Beraterin Wanda Nara wirkte zuletzt nicht unbedingt deeskalierend. Sie beschwerte sich öffentlich, Icardi sei bei Inter unterbezahlt und könne bei anderen Klubs deutlich mehr verdienen. Darüber hinaus befeuerte sie die Gerüchteküche, als sie in der vergangenen Woche die Ortsmarke bei einem Tweet nicht entfernte - und sich in London befand. Die Boulevardpresse interpretierte das als Hinweis, sie verhandle mit Arsenal über einen Wechsel.

Boykott des Bayern-Spiels?

Auch die Tatsache, dass der 23-Jährige bei der 1:3-Niederlage im Testspiel gegen Paris Saint-Germain am Montag nicht zum Einsatz kam, war verdächtig. Dazu wurde Icardi unterstellt, sich auch zu weigern aufzulaufen, wenn der FC Bayern München am Samstag im Rahmen der Audi Summer Tour in Charlotte (ab 23 Uhr im LIVETICKER) gegen Inter antritt.

Ein Boykott, um einen Wechsel zu erzwingen? Alles Quatsch, sagte Trainer Roberto Mancini: "Ich habe ihn nicht aufgestellt, weil er Schmerzen in der Schulter hatte. Es macht keinen Sinn, in dieser Phase der Vorbereitung ein Risiko einzugehen."

Ob die Begründung der Wahrheit entspricht oder nicht, sei mal dahingestellt. Vize-Präsident Javier Zanetti deutete in der argentinischen Zeitung La Nacion jedenfalls an, dass Icardi momentan Probleme habe, sich zu fokussieren: "Er ist ein junger Spieler mit viel Potenzial, aber muss noch einiges lernen. Er muss sich jetzt mal auf sein Spiel konzentrieren und sonst auf nichts. Wir möchten, dass er bei Inter bleibt, egal was in den letzten Tagen geschrieben wurde. Letztes Jahr haben wir seinen Vertrag angepasst, er ist unser Kapitän. Er muss aber verstehen, dass er ein Inter-Spieler ist."

Thohir spricht mit anderer Zunge

In dieser Phase der Vorbereitung kommt den Nerazzurri dieses Störfeuer natürlich nicht gerade gelegen. "Wir haben momentan andere Prioritäten. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was auf dem Platz stattfindet", sagte Zanetti: "Wenn dieser ganze Medienrummel etwas abgeflacht ist, werden wir darüber reden."

Erst einmal abregen, dann wird alles gut. Blöd nur, dass Klubboss Erick Thohir am Freitag mit einer anderen Zunge sprach: "Alle von uns hoffen, dass das Angebot noch deutlich höher steigt als 60 Millionen Euro", sagte er in New York zu US-amerikanischen Medien. "Natürlich wollen wir, dass er bleibt, aber der Fußball ist immer in Bewegung. Inter wird noch Hunderte von Jahren da sein. Der Verein besteht aus Individuen - und die können sich ändern. Das passiert doch jedes Jahr."

Die Aussagen des indonesischen Klubbesitzers klingen doch schon ganz anders als die seiner Kollegen in der Vereinsführung.

Die verflixte Situation um Mauro Icardi stört die Vorbereitung der Nerazzurri. Dass der Fokus der Medien auf die Wechselgerüchte gerichtet ist und nicht auf die aktuellen Testspielauftritte beim International Champions Cup in den USA, passt Inter gar nicht.

Doch vielleicht hat sich das Thema schon bald erledigt - wenn Icardi auf das sich immer schneller drehende Transferkarussell mit aufgesprungen ist.

Mauro Icardi im Steckbrief

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