Mario Gomez wechselt in die Türkei

Rückschritt vom Rückschritt

Mittwoch, 29.07.2015 | 11:55 Uhr
Mario Gomez bereitet sich noch mit dem AC Florenz auf die neue Saison vor
© getty
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Hellas Verona – Inter Mailand

Seine Demontage begann in einem Bierzelt, jetzt will Mario Gomez seiner Karriere in der Türkei neuen Schwung geben. Der Wechsel zu Besiktas scheint die letzte Chance, sich wieder als Stürmer von europäischem Format zu positionieren.

Mario Gomez' Homepage gibt zurzeit nicht viel her. "Meine Seite wird im Augenblick aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht." Neuigkeiten, Hintergründe, Merchandise gibt es hier gerade nicht. Nur einen kleinen Hinweis auf Facebook. "Dort erfahrt ihr alles Wissenwerte."

Und da posiert der 30-Jährige am Donnerstagmorgen mit dem schwarz-weiß-gestreifen Trikot von Besiktas. Der Wechsel ist also perfekt, das Kapitel Florenz damit geschlossen.

Zwei Jahre nachdem Gomez unter großer Euphorie vor 30.000 Tifosi im Stadio Artemio Franchi vorgestellt wurde, ist die Zeit in der Toskana zu Ende. Die Zeit bei der Fiorentina war das, was Gomez schon kurz nach seinem Wechsel erstaunlich offen kommunizierte: ein sportlicher Rückschritt.

In die falsche Richtung

Damals, 2013, als Gomez den FC Bayern verließ, gab es auch kaum eine Steigerung. Schließlich hatten die Münchner gerade das Triple gewonnen.

Aber Gomez entschied sich bewusst für ein Team aus der zweiten oder dritten Kategorie des europäischen Fußballs und lehnte Angebote von "dem einen oder anderen europäischen Top-5-Club" ab. Von der Schrittlänge in die falsche Richtung dürften nach zwei Jahre aber alle überrascht sein.

In zwei Spielzeiten für die Fiorentina hat Gomez 47 Pflichtspiele absolviert und 14 Tore erzielt, nur sieben davon in der Serie A. Eine enttäuschende Bilanz für einen Spieler, der in Florenz als Superstar und Heilsbringer empfangen wurde, auch wenn sich Gomez von Beginn an gegen diese Rolle gewehrt hat.

Kein Markt für Gomez

Es waren in erster Linie Verletzungen, die Gomez daran hinderten, in Florenz und der Serie A richtig Fuß zu fassen. Besonders die erste Saison stand mit drei Knieverletzungen unter keinem guten Stern, am Ende verpasste er aufgrund mangelnder Fitness auch die WM 2014.

Zwei harte Jahre hat Gomez sportlich hinter sich. Er sagt selbst, dass er an einem wichtigen Moment seiner Karriere angekommen ist. "Ich muss begreifen, was das Beste für mich und meinen Klub AC Florenz ist." Bei der Fiorentina haben sie längst beschlossen, dass der gemeinsame Weg zu Ende ist. Wie Vorgänger Vincenco Montella hat auch der neue Trainer Paulo Sousa keine Verwendung für Gomez.

Der Stürmer ist auf dem Markt, aber irgendwie interessiert sich der Markt kaum für ihn. In der Bundesliga haben zehn Vereine in dieser Transferperiode Mittelstürmer verpflichtet, darunter auch finanziell potente Kaliber, die sich Ablöse und Gehalt hätten leisten können. Aber der VfL Wolfsburg holte Max Kruse, Borussia Mönchengladbach Josip Drmic, 1899 Hoffenheim Kevin Kuranyi und Schalke 04 schnappte sich Franco di Santo. Gomez? War kein Thema.

Der Ruf des Chancentods

30 Jahre ist Gomez - je nach Lesart - schon oder erst alt. Aber in den letzten zwei Jahren scheint Gomez Ruf als Tormaschine in Vergessenheit geraten zu sein. 138 Bundesligatore hat der Torschützenkönig von 2011 auf seinem Konto, nur der noch vereinslose Claudio Pizarro (176) hat mehr.

Es war schon immer Gomez' Laster, dass seine Person eher mit fatalen Fehlschüssen als mit sensationellen Toren in Verbindung gebracht wurde. Besonders haften blieb der Fehlschuss bei der EM 2008 im Spiel gegen Gastgeber Österreich, als er den Ball aus zwei Metern in die Luft löffelte. Der Ruf des Chancentods haftet seitdem an ihm.

Gomez hat schon immer polarisiert. Für die einen war er ein fantastischer Strafraumstürmer, ein Knipser, für die anderen ein eindimensionaler Angreifer alter Schule, der fußballerisch limitiert ist und nur die Haare schön hat. Gomez selbst hat sein Äußeres immer wieder zum Thema gemacht und als Grund für die distanzierte Haltung der Zuschauer ausgemacht. Bei ihm gehe es nicht um sportliche Dinge. "Manche mögen mich einfach nicht."

Demontage im Bierzelt

Gomez hat über die Jahre gelernt, mit Kritik und Anfeindungen umzugehen. Getroffen hat ihn aber der flapsige Spruch des "ja so coolen Mehmet" (Gomez) bei der EM 2012. TV-Experte Mehmet Scholl befürchtete damals, Gomez würde sich auf dem Spielfeld wund liegen, man müsse ihn wenden.

Es war der erste Handgriff einer öffentlichen Demontage, die einige Wochen später Uli Hoeneß in einem Bierzelt im bayerischen Wald selbst in die Hand nahm. "Mario Gomez ist gut, aber nicht sehr gut", sagte der damalige Bayern-Präsident. Ein paar Tage später legte Hoeneß nach: "Wenn er sehr gut wäre, wären wir jetzt Champions-League-Sieger."

Gomez wurde so zum Sündenbock für das verlorene Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Chelsea. In der folgenden Saison lief ihm Mario Mandzukic bei den Münchnern den Rang ab. Das Triple gewann Gomez als Ergänzungsspieler, im Champions-League-Finale gegen den BVB in Wembley wurde er in der letzten Minute eingewechselt - um Zeit von der Uhr zu nehmen.

Gomez fügte sich in seine Rolle als Ersatzmann, als Belohnung durfte er im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart von Beginn an spielen. Mit zwei Toren zeigte er sich gegen seinen Ex-Klub gewohnt treffsicher. Es war Gomez' letzter Einsatz im Bayern-Dress.

Ziel ist die EM 2016

Mit seinem Wechsel nach Italien war Gomez erstmal von der Bildfläche verschwunden, die Reizfigur war nicht mehr tägliches Thema in Deutschland. Und trotzdem wurde er sein Image nicht los. Auch weil er noch vor seinem ersten Tor in Italien mit einem kapitalen Fehlschuss auffiel, der auch in Deutschland über alle Kanäle lief.

60 Länderspiele hat Gomez für Deutschland absolviert, dabei 25 Tore geschossen. Und trotzdem dürfte kein anderer deutscher Nationalspieler in heimischen Stadien so häufig ausgepfiffen worden sein wie er. Auch sein letzter Auftritt am 3. September 2014 nahm ein negatives Ende. Zwei Monate nach dem WM-Triumph verlor Deutschland gegen Argentinien 2:4, Gomez erntete erneut Pfiffe bei seiner Auswechslung.

Seit der EM 2012 brachte es Gomez nur auf drei Einsätze unter Bundestrainer Joachim Löw, trotzdem fühlt er sich weiterhin als Teil der Mannschaft, sein Ziel ist die EM 2016. Er sei "irgendwie noch in unserem Blickfeld", sagte der Bundestrainer, der allerdings auch in regelmäßigem Kontakt mit dem eigentlich zurückgetretenen Miroslav Klose steht. "Wenn Mario den Rhythmus findet, regelmäßig spielt und trifft, sich durchsetzt in Italien, ist er natürlich auch wieder ein Thema für die EM."

Die Sache mit Italien hat sich erstmal erledigt, den Stürmer Gomez muss Löw künftig in der Türkei beobachten. Wie der Wechsel von München nach Florenz ist der Neuanfang in Istanbul ein Rückschritt und gleichzeitig wohl die letzte Chance, sich wieder als Stürmer von europäischem Format zu positionieren. Nicht nur der Bundestrainer wird ganz genau hinschauen.

Mario Gomez im Steckbrief

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