Felipe Anderson im Porträt

Der kleine Bruder seiner Majestät

Von Andreas Inama
Mittwoch, 08.04.2015 | 17:00 Uhr
Felipe Anderson ist der Shootingstar der Serie A in dieser Saison
© getty
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Nach schwerem Start schießt Lazios Felipe Anderson die Serie A momentan zu Kleinholz - nun jagt ihn nicht nur halb England. Die Geschichte des 21-Jährigen entspricht aber keinesfalls der eines typischen brasilianischen Fußballers, sondern zeichnet sich vielmehr durch einen tiefen familiären Schicksalsschlag und die besondere Beziehung zu Weltstar Neymar aus.

Spricht man mit Fußball-Experten über Brasiliens Talente, fällt für gewöhnlich immer der gleiche Name: Neymar Jr. ist die Hoffnung einer ganzen Nation, der rechtmäßige Erbe der Peles, Garrinchas und Ronaldos des Landes der Saudade. In den letzten Jahren kursierte dieser Name in der brasilianischen Fußballwelt wie kein anderer und liefert auch nach seinem Wechsel zu Barcelona eine Schlagzeile nach der anderen. Anfangs immer in einem Atemzug mit einem gewissen Ganso genannt, sicherte sich Neymar nach und nach das Titelseiten-Monopol in der brasilianischen Sportberichterstattung.

Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort beginnt jedoch ein anderer Stern am Horizont aufzugehen. Er hat zwar bei Weitem nicht die Strahlkraft des Wunderkindes aus Sao Paolo, dennoch mausert sich der Junge, der auf den Namen Felipe Anderson hört, im Schatten des Königs nach und nach zum zweiten Hoffnungsträger einer aufkommenden goldenen Generation.

Im schützenden Schatten Neymars

Felipe Andersons Biografie erfüllt das, was man von der eines brasilianischen Talentes erwartet: Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, der Vater ist bei der Straßenreinigung tätig, die Mutter ist Hausfrau und zieht die fünf gemeinsamen Kinder auf. Felipe spielt Fußball vorwiegend auf der Straße, wie in Brasilien so üblich. Mit sechs Jahren spielt Klein Felipe das erste Mal für einen Klub. Es folgen zahlreiche andere Vereine, bis 2010 der große FC Santos anklopft.

Der Klub des großen Peles, ein Traum und ein Versprechen zugleich für den 17-jährigen Anderson. Die Chance, neben den Zukunftshoffnungen Neymar und Ganso selbst zu reifen und den Sprung ins ferne Europa zu schaffen. Von Pele höchstpersönlich wurde Felipe gewogen, gemessen und für gut genug befunden: "Felipe Anderson ist jung, hat Qualität, Charakter und ein unheimlich großes Potential. Er hat alles, um einmal ein Großer zu werden."

Neymar selbst nimmt ihn unter seine Fittiche und wird die Karriere seines "kleinen Bruders" entscheidend beeinflussen. "Neymar hatte mir geraten, hier her zu kommen, mutig zu sein und an mich zu glauben. Ich werde ihm für immer dankbar sein", sollte Anderson nach seinen Wechsel zu Lazio über seinen Freund sagen.

Es war wohl eine erfreuliche Fügung des Schicksals, dass Anderson sein Debut für den FC Santos genau dann feierte, als sein Freund und Mentor dort sein hundertstes Spiel bestritt. Nach dem Leistungseinbruch von Ganso bilden beide ein kongeniales Duo, das nicht nur die Massen begeistert, sondern auch bei Scouts aus Europa Aufmerksamkeit erregt. Neymar ist von seinem neuen Side Kick begeistert: "Felipe ist der ideale Mitspieler. Er weiß genau, wie und wohin er den Pass spielen muss. Er ist der komplette Mittelfeldspieler."

Der stille Sprung nach Europa

Es war wahrscheinlich ein wenig zu früh, Anderson schon als "kompletten Mittelfeldspieler" zu bezeichnen. Aber die Ansätze des wendigen Dribbelkünstlers passen in das Profil, das einen starken offensiven Mittelfeldspieler ausmacht: Er ist schnell, unheimlich stark mit dem Ball am Fuß und kann das eine mühelos mit dem anderen verbinden. Sein Spielverständnis ist für sein Alter schon weit ausgeprägt. Im fehlt es nicht an Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und nicht selten trifft er in bester Mittelstürmer-Manier. Außerdem besitzt Anderson eine Geheimwaffe, die ihn unberechenbar macht: ob linker oder rechter Fuß, gleiche Präzision, gleiche Schusskraft, gleiches Erfolgsversprechen.

Während Neymar schließlich unter großem medialen Aufsehen den Sprung nach Europa wagt und sich von nun an im Camp Nou beweisen muss, war Andersons Wechsel nach Italien zu Lazio nur eine Randnotiz. Zehn Millionen Euro blätterten die Hauptstädter im Sommer 2013 hin. Dabei stach man Konkurrenz wie den FC Bayern oder Tottenham Hotspur aus. Die Erwartungen waren hoch: Hernanes, Hirn und Herz der Mannschaft, verließ Lazio im Wintertransferfenster 2014 und Felipe Anderson sollte in seine Fußstapfen treten.

Bei Lazio trifft Felipe Anderson auf Miroslav Klose. Der Weltmeister hat einen besonderen Einfluss auf ihn und Anderson weiß auch, was er an ihm hat: "Als ich hier ankam, wurde ich von Klose besonders aufgenommen. Er ist anders als die anderen Fußballer: Er ist nicht nur ein exzellenter Fußballer, sondern auch ein wunderbarer Mensch. Als Persönlichkeit ist er ein wertvolles Vorbild für mich."

Anlaufschwierigkeiten und Durchbruch

Doch wie so oft erfüllt das Juwel aus Brasilien nicht die Ansprüche und hat einen schweren Stand bei den Laziali. Trainer Vladimir Petkovic setzt nur wenig auf das junge Talent. 2014 wird der Bosnier aufgrund heimlicher Verhandlungen mit dem Schweizer Fußballverband entlassen und durch Edy Reja ersetzt. Auch dieser schenkt Anderson nicht das Vertrauen. Am Ende der Saison scheinen für Anderson null Tore in nur 13 Einsätzen in der Serie A auf.

Auf Reja folgte in der neuen Saison 2014/2015 Stefano Pioli. Nach einer Verletzung von Antonio Candreva im Dezember bekommt Anderson schließlich das Vertrauen und wird prompt belohnt: Er erzielt den Siegtreffer gegen Parma. Es geht nur noch aufwärts für ihn. In den vergangenen zwölf Spielen schießt er neun Tore und bringt es auf sechs Vorlagen.

Hiobsbotschaft von zu Hause

Sein alter Trainer Reja ist ob der Entwicklung seines alten Schützlings überrascht und vor allem über den Wandel der Einstellung der Fans gegenüber Anderson: "Es ist eine angenehme Überraschung, ihn so zu sehen. Er hatte schon unter meiner Führung viel Qualität gezeigt. Aber jedes Mal, wenn ich ihn spielen ließ und er einen Fehler machte, wurde er ausgepfiffen." Anderson wird zum neuen Superstar der Laziali und Symbol für den Höhenflug der Biancocelesti in der Rückrunde, in der man acht von elf Spielen gewinnen konnte. Der Corriere della Sera bezeichnete sein Spiel als "eine Spielweise von blendender Schönheit."

Doch nicht selten folgt auf Glück Unglück: Mitten ihm fußballerischen Hoch seines Sohnes verursacht der Vater von Felipe bei einer Verfolgungsjagd mit einem Nebenbuhler um seine Frau im Januar einen Unfall, bei dem sowohl Letzterer als auch eine unbeteiligte Frau, die in ihrem Haus schlief, umkommen. Andersons Vater wird wegen Mordes und fahrlässiger Tötung angeklagt. Doch Anderson, dem ein enges Verhältnis zu seinem Vater verbindet, lässt sich davon nicht unterkriegen. Er spielt weiter groß auf und widmet sein nächstes Tor seinem Vater.

Die mögliche Wiedervereinigung

Sein Wille, sein Ehrgeiz, aber auch die Liebe zu seiner Heimat manifestieren sich in den Zielen, die sich Anderson nicht nur mit Lazio gesetzt hat, sondern auch für die brasilianische Nationalmannschaft: "Mein großes Ziel ist es mit Lazio weiter erfolgreich sein. Aber etwas liegt mir besonders am Herzen: Mit Brasilien die Olympischen Spiele bei uns in Rio zu gewinnen. Es ist der letzte Titel, der dem Land noch fehlt und wir wollen die Brasilianer zuhause damit beschenken."

Durch die großartigen Leistungen von Lazios Nummer sieben wurden in ganz Europa Klubs auf ihn aufmerksam. Nicht nur Manchester City hat inoffiziell durch eine Umfrage auf der eigenen Website Interesse bekundet. Mit Chelsea, Manchester United und dem FC Liverpool hat Anderson Begehren bei der Creme de la Creme von der Insel geweckt. Doch es scheint, als ob er in Lazio bleiben will.

Mindestens ein Jahr soll er noch in Rom bleiben. Doch neben den Briten hat sich noch ein weiterer Verein im Werben um das Talent aus Brasilia eingeschaltet: Ariedo Braida, Sportdirektor vom FC Barcelona, hat Anderson auf dem Radar. Der beste Köder ist dabei weder Prestige noch Geld, sondern eine Herzensangelegenheit: Die Wiedervereinigung mit seinem "großen Buder".

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