Krise beim AC Milan

Warten auf den Scheich

Von Stefan Rommel
Freitag, 28.03.2014 | 12:38 Uhr
Es läuft nicht rund beim AC Milan: Trainer Clarence Seedorf im Gespräch mit Mario Balotelli (l.)
© getty
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Der AC Milan steckt in einer seiner schlimmsten Krisen. Die Mannschaft verkörpert pures Mittelmaß, hinter den Kulissen türmen sich die Probleme mannshoch auf. Im Prinzip gibt es nur einen Ausweg.

Vor ein paar Tagen hat sich Paolo Maldini zu Wort gemeldet. Der Name Maldini wird seit Ewigkeiten im Einklang genannt mit dem AC Milan, Vater Cesare und Sohn Paolo haben den Klub über ein halbes Jahrhundert lang geprägt.

Maldini junior hat sich seit seinem Rückzug aus dem aktiven Sport vor fast fünf Jahren nur selten in der Öffentlichkeit geäußert, umso genauer lauschen die Tifosi, wenn er doch mal spricht. In diesen Tagen wuchsen seine Worte zu einem Donnerwetter mit einer Mischung aus Angst und Resignation.

"Die haben mein Milan zerstört", warf Maldini den Bossen in Milanello an den Kopf. "In mir drin sind Wut und Enttäuschung, nicht wegen der Ergebnisse (...), sondern weil ich den Eindruck habe, dass alles weggeworfen wird, was in den vergangenen zehn Jahren mühevoll aufgebaut wurde."

Mannschaft ohne Charisma und Aura

Maldinis Worte zeigten Wirkung, die Debatte um den Niedergang des großen AC Milan nahm in Italien sogleich neue Fahrt auf. Dabei waren Maldinis Eindrücke zwar drastisch formuliert, aber sogar noch ein wenig zu kurz gegriffen. Denn genau genommen ist der Klub derzeit dabei, ein noch viel größeres Erbe als das der letzten zehn Jahre zu verschleudern.

Früher wurde das Milan-Gen innerhalb der Mannschaft in Rot und Schwarz getragen: Maldini, Nesta, Leonardo, Seedorf, Gattuso, Ambrosini, Pirlo, Kaka, Tassotti, Inzaghi. Für die aktuelle Mannschaft ist Kaka übrig geblieben, dafür sind die wichtigsten Tainerposten mit Seedorf, Mauro Tassotti und Pippo Inzaghi besetzt. Immerhin.

Der Klub hat seine erste Mannschaft entkernt, ihr das Chrisma und die Aura genommen und die Qualität. Das kapriziöse Milan, das zwei Generationen lang von Silvio Berlusconis Alimenten prächtig leben und einkaufen konnte, hat sich von einem Nehmer- in einen Geberverein gewandelt.

Verkaufen statt kaufen

Das Transfersaldo der letzten zehn Jahre liegt bei ca. minus 16 Millionen Euro, das der letzten fünf Jahre bei plus 25 Millionen. Im Zirkel der Top-20-Klubs Europas sind das völlig untypische Bilanzen: Manchester Uniteds Zehn-Jahres-Saldo beträgt ca. 300 Millionen Euro Miese, das vom FC Bayern ca. 315 Millionen, das des FC Barcelona ca. 370 Millionen und der FC Chelsea hat in der letzten Dekade 800 Millionen Euro mehr für Spieler ausgegeben als er eingenommen hat.

Die Neureichen aus Monaco, Paris, Manchester würden die Liste nur weiter verlängern. Es gibt Zweitligisten in England und Spanien, die mehr Geld ausgegeben haben. Und Erstligisten in Russland, der Ukraine oder der Türkei, in Griechenland, in China...

Milan gehört da schon lange nicht mehr dazu. Was zunächst ein Problem darstellt, aber keine Zeitenwende - sofern man die nötigen Vorkehrungen getroffen hat. Genau hier hat der große AC Milan aber die schlimmsten seiner vielen Fehler begangen.

Keine zweite Mannschaft

Das Scouting der Rossonerri funktionierte zu lange nach dem Trial-and-Error-Prinzip, bei großzügig gewährten monetären Ressourcen eine menschliche Reaktion. Die kleinen Nischen des Mercato haben die Mailänder nie sonderlich interessiert. Die Jugendabteilung war ein kaum beachtetes Anhängsel. Nun soll Flilipo Inzaghi die Qualitätslücken im Kader plötzlich mit Spielern aus dem eigenen Stall füllen.

Dabei kann sich Milan aus dem Unterbau kaum bedienen. In Italien ist es im Gegensatz zum Beispiel zur Bundesliga nicht verpflichtend, sich eine klassische zweite Mannschaft zu halten. Hinter den Profis ist eine Nachwuchstruppe gelistet, die sich in einer Nachwuchsrunde mit anderen Klubs aus der Serie A, B und C verdingt. In der Campionato Primavera B spielt Milan neben einigen anderen Erstligisten auch gegen die Nachwuchsteams der Dorfklubs Ternana, Virtus Lanciano oder Varese.

Kein Auffangbecken für Spätzünder

20 Jahre alt darf ein Spieler höchstens sein, sein 15. Lebensjahr muss er mindestens vollendet haben, um spielberechtigt zu sein. Die groben Richtlinien der deutschen U-19-Meisterschaft. Nicht einmal mit viel gutem Willen lässt sich daraus eine Spielklasse formen, die auch nur annähernd an das Niveau der deutschen 3. Liga heranreicht.

Selbst das Gros der Regionalligisten, in denen die meisten deutschen Profiklubs ihre zweiten Mannschaften etabliert haben, dürfte in der Primavera locker mithalten.

Ein Auffangbecken für Spätzünder, ausgeliehene oder verletzte Spieler, die sich in einer Art Beta-Phase wieder für die ganz großen Aufgaben empfehlen könnten, gibt es de facto nicht.

Stattdessen pflegt Milan wie nahezu der gesamte Rest des italienischen Profifußballs das krude System des Leihwesens. Es ist der einzige Weg, um einen Spieler unter Beobachtung zu halten und ihn nicht vollständig zu verlieren. Falls dieser in naher Zukunft doch noch den entscheidenden Schritt in seiner Entwicklung macht.

Seite 1: Milans fehlender Unterbau

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