Mit dem "Mou der Jungen" in neues Zeitalter

Von Jochen Rabe
Mittwoch, 03.10.2012 | 17:04 Uhr
In die Jahre gekommen: Javier Zanetti (M.) und Diego Milito (r.)
© Getty
Advertisement
Serie A
Live
Atalanta -
Lazio
Coppa Italia
Neapel -
Udinese
Coppa Italia
AS Rom -
FC Turin
Coppa Italia
Juventus -
CFC Genua
Serie A
Chievo Verona -
Bologna
Serie A
Cagliari -
Florenz
Serie A
Lazio -
Crotone
Serie A
CFC Genua -
Benevento
Serie A
Neapel -
Sampdoria
Serie A
Sassuolo -
Inter Mailand
Serie A
SPAL -
FC Turin
Serie A
Udinese -
Hellas Verona
Serie A
AC Mailand -
Atalanta
Serie A
Juventus -
AS Rom
Serie A
Crotone -
Neapel
Serie A
Florenz – AC Mailand
Serie A
Atalanta -
Cagliari
Serie A
Benevento -
Chievo Verona
Serie A
Bologna -
Udinese
Serie A
AS Rom -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
SPAL
Serie A
FC Turin -
CFC Genua
Serie A
Inter Mailand – Lazio Rom
Serie A
Hellas Verona -
Juventus

Fünf Trainer in zwei Jahren, internationale Talfahrt - seit dem Abgang von Jose Mourinho im Sommer 2010 sucht Inter Mailand nach der eigenen Identität als Spitzenmannschaft. Die soll jetzt einer schaffen, der die U 19 der Nerazzurri zu internationalem Glanz führte.

Schiedsrichter Antonio Giannoccaro pfeift die Partie und damit den sechsten Spieltag der Serie A ab. Die Spieler von Inter Mailand liegen sich in den Armen. Soeben haben die Nerazzurri den AC Florenz durch Treffer von Diego Milito und Antonio Cassano mit 2:1 besiegt.

Erstmals in dieser Saison können sie den zweiten Sieg in Folge feiern. Erstmals seit dem ersten Spieltag der Vorsaison klettert Inter auf einen Champions-League-Platz. Langsam aber sicher kommt der Inter-Motor auf Touren - pünktlich zu einem echten Saison-Highlight: Am Sonntag (20.30 im LIVE-TICKER) steigt das Derby della Madonnina gegen den AC.

Ein Sieg beim Lokalrivalen könnte den Nerazzurri wieder einmal den Glanz verleihen, der ihnen seit Mai 2010 abhanden gekommen ist.

Der magische Mai 2010

Jener Mai 2010, in dem Inter mit Trainer Jose Mourinho alles erreichte, was man erreichen kann: Zuerst gewann man Anfang des Monats die Coppa Italia (1:0 gegen den AS Rom). Dann sicherte sich das Mourinho-Team durch fünf Siege in den letzten fünf Spielen den Scudetto.

Und am 22. Mai gelang in Madrid sogar der ganz große Wurf - der Gewinn der Champions League gegen Bayern München. Ein Doppelpack von Diego Milito, eine nahezu perfekte Organisation der Defensive um Abwehrchef Lucio und ein bärenstarker Julio Cesar im Tor brachten den Italienern die europäische Krone ein.

Was danach folgte, ist bekannt: Jose Mourinho verkündete seinen Abschied in Richtung Madrid - und mit dem Portugiesen ging auch der Erfolg.

Fünf Trainer in zwei Jahren

Die zwei Jahre nach dem Weggang von "The Special One" waren ein steter Niedergang der Nerazzurri. In der Saison 2010/11 wurde man immerhin noch Vizemeister und Pokalsieger. In der Champions League sprang immerhin das Viertelfinale heraus. Dort blamierte sich Inter jedoch gegen den FC Schalke 04. Im darauffolgenden Jahr sollte es sogar noch schlimmer kommen. Die Königsklasse war bereits nach dem Achtelfinale gegen Marseille beendet und in der Serie A erreichte man nur einen enttäuschenden sechsten Platz.

Inter droht, ins italienische Mittelmaß abzurutschen.

Noch verheerender als die sportliche Bilanz: Bei den Mailändern herrscht keine Kontinuität auf der Trainerbank. Seit Präsident Massimo Moratti den Verein 1995 übernahm, wurden 17 Trainer entlassen - im Schnitt also einer pro Jahr. Mit Mourinho war von 2008 bis 2010 der richtige Mann am richtigen Ort. Nach dessen Weggang schaffte es bislang allerdings kein Coach, die Vereinsführung von sich zu überzeugen. Innerhalb von zwei Jahren mussten gleich vier Übungsleiter ihren Hut nehmen.

Nach Rafael Benitez (Entlassung nach sechs Monaten), Leonardo (sechs Monate), Piero Gasperini (knapp vier Monate) traf es zuletzt im März dieses Jahres Claudio Ranieri. In der Folge einer 0:2-Niederlage gegen Juventus waren die Nerazzurri auf Rang acht abgerutscht, Moratti sah die Qualifikation für die Europa League in Gefahr.

Stramaccioni: "Mourinho der Jungtalente"

Es war mitten in der Saison, der perfekte Nachfolger war nicht auf dem Markt. Also stellte Massimo Moratti eine Interimslösung vor: Er beförderte Jugendtrainer Andrea Stramaccioni zum Chef. Einen Tag, nachdem dieser mit der U 19 der Nerazzurri den Europapokal für Talente, die "NextGen Series" gewinnen konnte.

Schnell kamen Vergleiche zum letzten erfolgreichen Inter-Coach auf: "Hier kommt der Mourinho der Jungtalente", titelte die "Gazzetta dello Sport". Und tatsächlich führte der 36-Jährige Inter noch in den Europapokal. Die Belohnung: Im Sommer wurde sein Vertrag um drei Jahre verlängert.

"Er versteht die Spieler"

Mourinho-Vergleiche - sicherlich keine einfachen Umstände für einen Trainer bei einem Klub mit Ansprüchen von Inter Mailand. Immerhin ist Inter-Präsident Moratti nach wie vor überzeugt von der Personalie Stramaccioni: "Wir haben uns in ihm nicht getäuscht. Er liefert eine hervorragende Arbeit und macht uns tagtäglich glücklich", sagte er auf einer Pressekonferenz im September.

Und auch seine Spieler vertrauen dem 36-Jährigen. "Er versteht die Spieler. Ich kann mit ihm über alles reden. Er strahlt eine unglaubliche Zuversicht aus und das wirkt sich auch auf uns Spieler aus", sagt etwa Wesley Sneijder.

Doch wer ist eigentlich dieser Andrea Stramaccioni? Der promovierte Jurist musste seine aktive Karriere beim FC Bologna nach kurzer Zeit wegen einer schweren Knieverletzung beenden. Vor seinem Engagement als Cheftrainer der Nerazzurri war er jahrelang als Jugendtrainer beim AS Rom und eben Inter tätig - mit Erfolg. Er hat den Ruf, Talente entwickeln und an die Profis heranführen zu können.

"Einer neuen Generation die Türen öffnen"

In der Beförderung Stramaccionis sieht die "Gazzetta dello Sport" ein klares Zeichen: "Inter will einer neuen Generation die Türen öffnen, mit der man neu starten kann. Moratti hat den Mut zu einem schwierigen und umstrittenen Beschluss gezeigt", so das Blatt.

Ein nötiger Neustart für die Nerazzurri? Ein Blick auf die personelle Lage zeigt: Inters Aderlass in den letzten Jahren war groß. Aus dem erfolgreichen Team, das die Königsklasse gewinnen konnte, sind fünf Stützen abgewandert.

Julio Cesar, mit überragenden Paraden gegen Barcelona und Bayern einer der Garanten für den Champions-League-Titel, verließ Mailand in diesem Sommer (Queens Park Rangers) ebenso wie Lucio (Juventus) und Maicon (Manchester City). Samuel Eto'o folgte dem Ruf des Geldes schon im Vorjahr, als er sich Anschi Machatschkala anschloss. Goran Pandev ging ebenfalls im Sommer 2011 von Bord (SSC Neapel).

Mit Wesley Sneijder blieb immerhin der kreative Kopf der Mannschaft in Mailand. Und das soll auch so bleiben, wenn es nach dem Niederländer geht: "Ich habe noch einen Vertrag bis 2015. Bis dahin werde ich definitiv bleiben. Im Fußball sollte man zwar niemals nie sagen, aber jetzt ist es ohnehin zu spät, um über einen Wechsel nachzudenken", so Sneijder.

Verjüngung: Ansätze sind da

Dennoch steht Inter vor dem Problem, sich strukturell und taktisch neu aufstellen zu müssen. Andrea Stramaccioni hat das Vertrauen seines Präsidenten, diese Veränderungen in die Wege zu leiten.

Einen kurzfristigen Plan, wohin er taktisch mit der Mannschaft will, scheint der Römer momentan erst zu entwickeln. In den bisherigen sechs Ligaspielen testete er vier verschiedene Systeme, zuletzt schickte er zweimal eine Dreierkette auf den Platz.

Mittelfristig muss Inter auch die Struktur der Mannschaft angehen. Die Leistungsträger des Teams sind in die Jahre gekommen. Die Zeit spricht gegen Führungsspieler wie Javier Zanetti (39), Diego Milito (33), Esteban Cambiasso (32) und Walter Samuel (34). Der Altersschnitt der Startformation gegen den AC Florenz lag bei 28,6 Jahren.

Andrea Stramaccioni ist noch auf der Suche nach der richtigen Mischung im Team. Ansätze einer Verjüngung lassen sich erkennen: Mit Juan (21) und Andrea Ranocchia (24) setzt der Jungtrainer auf zwei entwicklungsfähige Spieler in der Innenverteidigung. Zudem stand Neuzugang Coutinho (20) gegen Florenz erstmals in der Startelf. Nach und nach will Stramaccioni junge Spieler in die Mannschaft einzubauen.

Wirtschaftliche Situation

Aus wirtschaftlichen Gründen könnte der 18-malige italienische Meister bald gezwungen sein, vermehrt auf junge Talente statt auf gestandene Profis mit hohem Gehalt zu setzen. Wegen der Einführung des Financial Fairplay 2015 muss Inter sparen. Im Verlauf der nächsten drei Jahre müssen die Einnahmen des Klubs die Ausgaben mindestens ausgleichen.

Präsident Moratti sieht seinen Klub wirtschaftlich gut aufgestellt. Die Wirtschaftskrise, die etwa den Lokalrivalen AC Milan im Sommer dazu zwang, ihre Stars Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva zu verkaufen, betreffe Inter nicht, so Moratti: "Bei uns sieht es momentan ganz gut aus. Ich denke, Inter Mailand könnte ein Modell für perfekte Zukunftsinvestition sein."

Cassano gegen alte Kollegen

Die Zukunft im Blick, zählt für Inter jetzt allerdings erst einmal die Gegenwart. Und die heißt Derby gegen den AC Milan. Einer läuft am Sonntag für Inter auf, der zuvor anderthalb Jahre für den Lokalrivalen kickte: Antonio Cassano.

Das Enfant Terrible hat seine eigene Einstellung zum Kräfteverhältnis in Mailand: "Dieses Derby ist ein ganz eigenes Fußballspiel. Du kannst da keine Vorhersage machen. Ob Inter die bessere Mannschaft ist? Das sehen wir am Ende der Saison. Ich spiele für Inter, also sehe ich die Nerazzurri als das stärkere Team."

Inter im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung