Der Calcio steht still

SID
Sonntag, 15.04.2012 | 15:36 Uhr
In Italiens Stadion wird der Ball an diesem Wochenende ruhen
© Getty
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Am Tag nach dem Tod des 25 Jahre alten Fußballers Piermario Morosini steht Italien unter Schock. "Wochenende der Trauer - der Calcio steht still", titelte die "Repubblica".

Nachdem Livorno-Profi Morosini am Samstag in der 31. Minute der Zweitliga-Partie bei Pescara wegen eines Herzstillstandes noch auf dem Feld verstorben war, sagte der italienische Verband FIGC alle Spiele bis zur Amateurklasse ab.

Erst zum vierten Mal in der Geschichte der Serie A wurde ein Spieltag wegen eines Todesfalles abgesagt, zuletzt unter anderem nach dem Tod von Papst Johannes Paul II 2005.

"Besser exzessiver als mangelnder Respekt"

"Wir wären Marsmenschen gewesen, wenn wir anders gehandelt hätten", sagte Verbandschef Giancarlo Abete. "Einige Klub-Präsidenten waren nicht einverstanden, doch besser wegen exzessiven als wegen mangelnden Respekts kritisiert zu werden."

Die "Gazzetta dello Sport" befürwortete die Entscheidung und kommentierte: "Die Stille der Stadien ist ein schmerzhafter Akt des Anstandes, der einzig mögliche angesichts dieses Dramas."

Allerdings brausten Polemiken auf, da ein widrig abgestelltes Polizeiauto die Zufahrt des Krankenwagens ins Stadion versperrte und erst nach drei Minuten aus dem Weg geräumt werden konnte.

Laut der behandelnden Ärzte nahm dies jedoch keinen Einfluss. "Morosini zeigte keinerlei Reaktionen - weder bei den Reanimationsversuchen auf dem Feld, noch beim Einsatz vom Defibrillator im Rettungswagen", sagte Donato Paloscia, Chefarzt der Kardiologie, der sich im Stadion befand und zu Hilfe eilte.

Italien diskutiert Gesundheits-Checks

Auch der Versuch im Krankenhaus, einen Herzschrittmacher einzusetzen, blieb erfolglos. Die genaue Todesursache wird die kommende Obduktion ergeben.

Als mögliche Ursachen vermuten die Ärzte einen Herzinfarkt oder erweiterte Hirn-Blutgefäße (Aneurysma) - kurz zuvor war Morosini bei einem Luft-Duell mit dem Kopf eines Gegenspielers zusammengestoßen, was ein fatales Trauma hätte auslösen können. Italien diskutiert nun, ob die normativen Gesundheits-Checks für Profi-Sportler ausreichen.

Mit 15 hatte Morosini seine Mutter verloren, mit 17 seinen Vater, später beging sein Bruder Selbstmord. Aus dem engsten Familienkreis war ihm nur seine behinderte Schwester geblieben.

"Das verändert dein Leben, Ereignisse, die mich stimulieren, stets alles zu geben, um ein guter Fußballer zu werden, weil es der Traum meiner Eltern war", sagte Morosini vor einigen Jahren. Sein Plan endete tragisch nach 150 Profi-Einsätzen.

Sportmediziner fordern mehr Mittel

Im Zusammenhang mit dem tragischen Unglück fordern italienische Sportmediziner nun mehr finanzielle Mittel von der italienischen Regierung, um präventive Maßnahmen einzuleiten und die Gesundheit der Sportler besser zu schützen.

"Der Tod Morosinis kam zwar völlig unerwartet und die professionellen Sportler werden auch ausreichend medizinisch betreut, aber man kann immer noch ein bisschen mehr tun", sagte der Direktor des sportmedizinischen Zentrums San Camillo in Rom am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur "AP".

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