Alessandro Diamanti im Interview

Diamanti: "Als Diamantinho wäre es leichter"

Von Interview: Christian Bernhard
Freitag, 23.03.2012 | 12:20 Uhr
Alessandro Diamanti (r.) ist einer der Garanten für Bolognas Höhenflug
© Getty
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Spezialist für besondere Tore, Anwärter auf ein EM-Ticket und bunter Hund: Alessandro Diamanti vom FC Bologna ist kein Nullachtfünfzehn-Spieler. Im Interview spricht der Kreativspieler des FC Bologna über seine aufregende Zeit bei West Ham United, sein Nationalmannschaftsdebüt mit 39 Grad Fieber, ein angebliches Interesse von Felix Magath und Lagerfeuer mitten in der Kabine.

SPOX: Herr Diamanti, Normalo-Tore sind nichts für Sie: Gegen Lazio trafen sie volley aus 35 Metern und setzten einen Eckball direkt an die Querlatte - gewollt.

Alessandro Diamanti: Ich habe eben nicht das Glück anderer, Treffer von der Torlinie zu machen. Mir gefällt es, schwierige Dinge auszuprobieren. Manchmal gelingt es mir, manchmal muss ich Pfiffe einstecken, weil es in die Hose geht. Aber ich versuche die schwierigen Aktionen. Ich liebe den Kitzel und habe keine Angst davor, eine schlechte Figur zu machen.

SPOX: Für Sie waren es spezielle Rom-Wochen. Zuerst haben sie mit Aussagen über Francesco Totti für Furore gesorgt, dadurch haben Sie die Lazio-Fans zu ihrem Idol auserkoren und dann haben Sie Lazio abgeschossen.

Diamanti: Sagen wir es so: Meine fußballerische Zukunft wird wohl nicht in Rom liegen. (lacht)

SPOX: Dafür waren Sie bereits in der Premier League. Sie schwärmen immer wieder von Ihrer Zeit bei West Ham United und betonen, dass Ihnen das sehr viel gebracht habe.

Diamanti: Erfahrungen bringen einen immer weiter, egal ob positive oder negative. Diese war sehr positiv, weil ich eine fantastische Stadt kennengelernt habe, in der ich in Zukunft leben werde. Es hat mich sehr gefreut, unter Coach Gianfranco Zola zu arbeiten, er ist ein Champion durch und durch. In England wird der Fußball auf wunderbare Art und Weise gelebt, es ist eine völlig andere Herangehensweise als in Italien. Der gespielte Fußball ist in Italien und England toll, abseits des Feldes gibt es aber keinen Vergleich: Da ist England Italien um 50 Jahre voraus. Wäre ich im Sommer nicht nach Bologna gegangen, wäre ich auf die Insel zurückgekehrt.

SPOX: Was passt in Italien nicht?

Diamanti: Die Medien haben zu viel Macht. Es gibt mittlerweile ja fast mehr Journalisten als Fußballer: 20 Zeitungen, 100 Radiosender, 24-Stunden-Sendungen über Fußball - jeder gibt seinen Senf ab. Das ist einfach zu viel. Statt die schönen Dinge hervorzuheben, wird so gut wie immer polemisiert. Das ist die negative Seite am italienischen Fußball.

SPOX: Und die positive?

Diamanti: Die Leidenschaft. In England lebt man den Fußball hauptsächlich am Spieltag selbst, in Italien hingegen die ganze Woche. Jeden Tag.

SPOX: Verfolgen Sie das Geschehen bei West Ham noch?

Diamanti: Ja, vor allem wegen der Fans, die mich nach Paolo Di Canio sehr herzlich aufgenommen haben. Ich weiß, dass in der Klubkneipe immer noch viele Fotos von mir hängen. Weniger wegen der Vereinsführung, die meiner Meinung nach Schuld am Abstieg war. Ich wäre mein ganzes Fußballer-Leben dageblieben, aber als ich gesehen habe, dass sie Zola weggeschickt haben und irgendwelche komischen Revolutionen planten, bin ich gegangen. Dabei wollte mich Coach Avram Grant unbedingt behalten, aber die Vereinsführung hat mich ohne sein Wissen einfach verkauft.

SPOX: Wie bitte?

Diamanti: Ich kam an einem Freitag zum Training, am Wochenende hätte ich gegen Bolton von Anfang an spielen sollen. Da rief mich Vize-Präsident Karren Brady zu sich und sagte mir: "Ich habe dich verkauft." Ich bin dann auf den Platz und Grant erklärte mir, auf was ich gegen Bolton besonders zu achten hätte. Da sagte ich: "Coach, die haben mich verkauft." Grant hat mich fassungslos angeschaut und ist schimpfend und schwarz im Gesicht vom Platz gegangen. Diese Saison stand unter keinem guten Stern.

SPOX: Sie wurden von den Fans aber zum zweitbesten Spieler der Saison gewählt.

Diamanti: Genau, ich wurde zum "runner-up" gewählt - eine sehr wichtige Wahl in England. Nur Scott Parker landete vor mir. Auf der Insel gefallen die verrückten Spieler, die auch was Riskantes versuchen. Schließlich sind die Fans eher Tacklings als schöne Aktionen gewohnt.

Seite 2: Diamanti über Magath, die Nationalmannschaft und Lagerfeuer in der Kabine

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