Die Architekten des Milan-Titels

Milan: Der Scudetto hat acht Namen

Von Christian Bernhard
Dienstag, 10.05.2011 | 20:55 Uhr
So sehen Sieger aus: Milan gewann in Rom den 18. Scudetto der Vereinsgeschichte
© Getty
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Hellas Verona – Inter Mailand

Der AC Milan hat am 36. Serie-A-Spieltag am vergangenen Wochenende den 18. Meistertitel der Geschichte eingefahren. Der erste Rossonero-Meistertitel nach sieben Jahren Durstrecke hat viele Väter, acht Männer stachen aus dem Kollektiv aber heraus.

Der 18. Scudetto war ein Erfolg des Teams, stellt Milan doch die mit Abstand beste Defensive und den drittbesten Sturm Italiens. Viele Spieler haben entscheidenden Anteil am Titelgewinn. Clarence Seedorf z.B. mit einem tollen Saisonfinale, in dem er als Leader voranging. Oder Ignazio Abate, der zum Stamm-Rechtsverteidiger avancierte und den größten Leistungssprung im Kader machte.

Oder Gennaro Gattuso, der im Sommer bereits mit eineinhalb Beinen bei Olympiakos war, sich von Coach Massimiliano Allegri aber zum Bleiben animieren ließ und dann als Seele des Vereins auf und abseits des Rasens auftrat. Oder Alessandro Nesta, der zusammen mit Thiago Silva die Mitte dichtmachte und den Brasilianer mit seiner Ruhe und Erfahrung zu einem Weltklassemann formte.

Sieben Spieler und der Trainer waren aber noch einen Tick entscheidender. Ein Überblick:

Der Trainer - Massimiliano Allegri: "Massimiliano wer?", fragten sich nicht wenige Fußballfachleute außerhalb Italiens, als Allegri im Sommer die Nachfolge von Leonardo antrat. Der 43-Jährige wurde in Cagliari zum Trainer des Jahres gewählt, vor einem gewissen Jose Mourinho. Dennoch war bzw. ist Milan seine erste große Trainerstation. "Allegri verdient eine '1', er war der Vater dieses Triumphes, da er die Gruppe zusammen gehalten hat", sagt Gattuso. "Als Allegri auch unangenehme Entscheidungen getroffen und sich niemand darüber aufgeregt hat, habe ich verstanden, dass wir diese Saison erfolgreich sein werden. Allegri hat bewiesen, dass er auch mit Champions umgehen kann." Er holte wie auch die Milan-Trainerlegenden Nereo Rocco, Arrigo Sacchi und Fabio Capello gleich im ersten Jahr den Scudetto. "Das Beste der italienischen Trainerschule in einen Designeranzug gesteckt", schrieb der "Corriere della Sera" über den Mann aus Livorno.

Der Rückhalt - Christian Abbiati: Alle sprechen von Ibra, Pato und Co., doch auch Abbiati hat großen Anteil am 18. Milan-Scudetto. Unauffällig, ruhig und abgeklärt - sowohl auf als auch abseits des Platzes: Der 33-Jährige ließ Taten sprechen und war ein entscheidender Faktor, dass die Rossoneri mit bisher 23 Gegentoren die beste Abwehr der Liga stellen. Fehlte nur zweimal und Milan kassierte just da insgesamt fünf Gegentore. Entscheidend im Rückspiel-Derby, beim 0:0 in Rom gegen Lazio und beim 2:1 in Neapel - also bei den Tospielen. Nach 1999 zweiter Meistertitel mit Milan, strafte viele Kritiker Lügen.

Die Mauer - Thiago Silva: Machte in dieser Saison den Schritt zu einem der besten Innenverteidiger der Welt. Der 26-Jährige hat alles: Schnelligkeit, Kraft, Technik und Torgefahr bei Standards. Für den "Corriere della Sera" ist der Brasilianer, der teilweise sogar im defensiven Mittelfeld aushalf, "außergewöhnlich, wenn er mit Alessandro Nesta spielt, nur sehr, sehr gut ohne Nesta". Allegri kürte ihn indirekt zum besten Milan-Spieler der Saison: "Er ist weltweit ein unvergleichlicher Spieler." Milan kassierte nur zwei Liga-Heimniederlagen, gegen Juve und die Roma. In beiden Spielen fehlte Thiago Silva.

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Der Glücksgriff - Mark van Bommel: Sein Abschied aus München in der Winterpause kam überraschend, sollte sich für ihn und Milan aber als Glücksgriff erweisen. Hatte keinerlei Anpassungsprobleme, nur wenige Stunden nach dem Medizincheck gab er im Pokal-Viertelfinale in Genua bereits lauthals Kommandos auf dem Feld. Der Niederländer stand seit dem 22. Spieltag mit Ausnahme von zwei Partien (Sperre) immer in der Startelf. Mit ihm vor der Abwehr kassierte Milan nur fünf Gegentore in 13 Spielen. Van Bommel hielt den Laden dicht, Seedorf und Co. sorgten neben ihm im Mittelfeld für die Impulse nach vorne. "Der Transfer von van Bommel war perfekt", sagt Ex-Milan-Coach Carlo Ancelotti. "Er war der ideale Pirlo-Ersatz im Januar." Ist jetzt niederländischer, spanischer, deutscher und italienischer Meister und stellte damit einen internen Rekord auf: Keinem aktuellen Milan-Spieler gelang der Titelgewinn in vier verschiedenen Ländern.

Die Überraschung - Kevin-Prince Boateng: Kam im Sommer via Genua nach Mailand und wurde zur großen Überraschung. Agierte anfangs der Saison, als Milan mit Ronaldinho zumeist noch 4-3-3 spielte, im Dreiermittelfeld. Als Allegri auf 4-3-1-2 umstellte, rutschte er auf die Zehn. Allegri will keinen klassischen Spielmacher, sondern einen dynamischen, laufstarken Zehner, der immer wieder in die freien Räume stößt und Räume für die beiden Stürmer schafft. Boateng verkörpert dieses Anforderungsprofil nahezu perfekt. Nach einer tollen WM gab es mit dem Scudetto gleich das nächste Highlight für den "treno senza freni" (Zug ohne Bremsen). Die halben Transferrechte liegen noch beim FC Genua, doch Adriano Galliani machte bereits klar, dass Boateng im Sommer zu 100 Prozent ein Rossonero wird.

Der Fleißige - Robinho: Galt vor seiner Ankunft als Problemkind, machte in Mailand aber eine 180-Grad-Drehung zum Positiven. Sein Last-Minute-Transfer ging im Ibrahimovic-Hype unter, sollte sich aber als sehr wichtig herausstellen. Der Brasilianer agierte als zweiter Angreifer neben Ibra, als Zehner und auch als Mittelstürmer und traf zwölf Mal. Seine Vielseitigkeit kam Allegri oft zu gute; wenn er draußen saß, gab es kein Theater. Er vergab zwar auch viele Chancen und brachte so Silvio Berlusconi mehrmals an den Rande der Verzweiflung, rackerte aber, arbeitete fleißig (!) nach hinten mit und ergänzte sich perfekt mit Ibrahimovic. Hat am meisten von allen Stürmern gespielt, das alleine unterstreicht seine Wichtigkeit.

Der Rohdiamant - Pato: Erzielte in 1450 Liga-Minuten 14 Tore, ließ es also im Schnitt alle 104 Minuten klingeln. Ohne die vielen Verletzungen, die ihn 19 Liga-Startelfeinsätze kosteten, wäre er jetzt schon ein ganz Großer. Entschied das Rückspiel-Derby gegen Inter mit zwei Treffern und die Spitzenpartie gegen Napoli. Als Ibrahimovic aufgrund seiner Sperren mehr auf der Tribüne als auf dem Feld zu sehen war, entschied er die Spiele mit seinen Toren. Erzielte in Florenz das 50. Serie-A-Tor seiner Karriere - mit 21 Jahren. Größen wie Gianni Rivera, Roberto Baggio, Francesco Totti und Alessandro Del Piero können das nicht vorweisen. Sorgte durch die Liäison mit Berlusconi-Tochter Barbara auch abseits des Rasens für Aufsehen.

Der Leader - Zlatan Ibrahimovic: Eigentlich war der Scudetto bereits am 28. August vergeben. An jenem Sommertag gab Milan die Verpflichtung von Ibrahimovic bekannt. Der Schwede kam mit sieben auf dem Feld gewonnenen Meistertiteln in Serie (Ajax, Juve, Inter, Barca) im Gepäck an - und fuhr am Sonntag Titel Nummer acht (!) ein. "Bei meiner Ankunft habe ich versprochen, dass wir Titel holen werden. Das Versprechen habe ich eingehalten", sagte der 29-Jährige. Milan wusste nach fünf Inter-Titeln in Serie nicht mehr, wie man gewinnt - Ibra brachte das Siegergen in die Rossoneri-Kabine zurück. "Er hat vom ersten Moment an seine Siegermentalität auf uns übertragen", bestätigt Thiago Silva. Traf bis Januar zwölf Mal und bereitete in dieser Phase neun weitere Treffer vor. "Milan hat bis Januar Ibrahimovic' Kraft perfekt ausgenutzt", sagt Ancelotti. Danach fiel Ibra ab, vor allem wegen einiger disziplinärer Aussetzer auf dem Feld. Trotzdem zusammen mit Thiago Silva der Titelgarant.

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