Neapel-Stürmer Cavani im Porträt

Edinson Cavani: In göttlicher Mission

Von Christian Bernhard
Montag, 28.02.2011 | 14:06 Uhr
Edinson Cavani, tiefgläubiger Stürmer aus Uruguay des SSC Neapel
© Getty
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Der SSC Neapel träumt nach langer Zeit wieder vom Scudetto. Den größten Anteil an diesem Traum trägt Edinson Cavani. Der tiefgläubige Stürmer spielt eine Wahnsinns-Saison und verkörpert den modernen Angreifer. Edinson Cavani im Porträt.

Eine Pizza mit seinem Namen gibt es, klar. Und auch ein Lied wurde ihm bereits geschrieben. Edinson Cavani hat die in Neapel üblichen Devotionalien für die Superstars des ansässigen Fußballvereins alle schon gesammelt. Vor ihm durchliefen Marek Hamsik und Ezequiel Lavezzi diese Schritte hin zur fußballerischen Unsterblichkeit in der Millionenstadt am Vesuv.

Keiner aber hat die fußballverrückten Menschen in Neapel in so kurzer Zeit dermaßen in seinen Bann gezogen, wie Cavani. Er lebt und spielt erst seit August in Neapel, aber ihm reichten nur wenige Monate, um zu "El Matador", zum ungekrönten König der Stadt und seiner heißblütigen Tifosi zu werden.

"Er ist so gigantisch wie der Vesuv. Neapel liegt ihm zu Füßen", schrieb Uruguays Sporttageszeitung "Ovacion" und brachte es damit auf den Punkt.

In Neapel lieben alle den schüchternen Jungen mit den langen Haaren und der Zahnspange. Doch nicht nur dort. Auch seine Serie-A-Kollegen wählten ihn im Januar zum beliebtesten Spieler der Liga.

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Napoli-Coach Mazzarri: "Edinson ist ein moderner Stürmer"

Diese Beliebtheit verdankt er neben seinem sympathischen Wesen vordergründig seinen fußballerischen Fähigkeiten: 27 Tore in 36 Napoli-Pflichtspielen - dazu noch acht Vorlagen. "Die Zahlen sprechen für ihn", betont sein Coach Walter Mazzarri.

Den 24-jährigen Angreifer auf seine Scorerqualitäten zu reduzieren, fällt Mazzarri aber im Traum nicht ein: "Da ist noch mehr. Er arbeitet für die Mannschaft und opfert sich für sie auf. Er ist ein moderner Stürmer."

Bei Eckbällen gegen Napoli ist Cavani stets an der eigenen Fünfmeterlinie. Die Konter bei Ballgewinn leitet er dann oft selbst mit dem Ball am Fuß mit seinem raumgreifenden, langen Schritten ein. Eben noch am eigenen Strafraum, kurz darauf bereits am gegnerischen - das ist Edinson Cavani aus Salto, einer 100.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Uruguays.

"Er braucht diese Laufintensität, um mit dem richtigen Rhythmus vor dem gegnerischen Tor aufzukreuzen", beschreibt Mazzarri Cavanis Stil. Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnete Thomas Müller vor nicht allzu langer Zeit als "Raumdeuter" - Cavani ist ein "Raumschaffender". Ex-Inter-Star Diego Simeone, der jetzt Catania trainiert, verglich Cavani kürzlich sogar mit Mario Kempes, Argentiniens WM-Held von 1978: "Edinson ist ein außergewöhnlicher Spieler, seine Bewegungen erinnern mich an Mario."

Cavani: "Ich bin als Fußballer geboren"

Der Unterschied zur vergangenen Saison, in der er sowohl in Palermo, als dann auch bei der WM in Südafrika auf sich aufmerksam gemacht hatte: Jetzt knipst Cavani auch noch. "Vor dem Tor ist er ruhiger und abgeklärter geworden", sagt Mazzari. Cavani sagt: "Ich wusste, dass ich mich verbessern würde, denn harte Arbeit wird immer belohnt. Jetzt ernte ich die Früchte."

Gesät hat Cavani diese Früchte schon äußerst früh, wie so viele Südamerikaner. "Wissen Sie, wir atmen und leben Fußball", erzählte er dem "Corriere della Sera".

"Ich bin als Fußballer geboren. Bevor ich richtig laufen konnte, bin ich schon dem Ball hinterher gestartet. In Uruguay gibt es an jeder Ecke einen Fußballplatz, egal ob aus Rasen, Steinen oder Sand. Das war meine Schule."

Der 24-Jährige sprüht vor Normalität und Bescheidenheit, die Einfachheit seiner Jugendzeit trägt er noch heute in sich. "Ich bin mit dem Nötigsten aufgewachsen, und das reicht mir. Ich habe mich nicht verändert, das Oberflächliche ist nicht meine Sache. Meine Werte sind dieselben geblieben: Die Familie, die Freunde und der Glaube an Gott", sagt Cavani.

"Der Glaube ist für mich wie ein Navigationsgerät"

Der Glaube. Ein zentraler Punkt, oder besser der zentrale Punkt, in Cavanis Vita. Ihm aufgrund seiner Haarpracht eine Ähnlichkeit mit Jesus Christus nachzusagen, wäre plump und blasphemisch. Berührungspunkte mit der Religiosität gibt es aber dennoch: In Neapel wird er bereits wie ein Heiliger verehrt und er ist tiefgläubiges Mitglied der "Atleti di Cristo", einer Glaubensvereinigung vieler Sportler.

Kaka, Lucio oder Nicola Legrottaglie sind nur einige von ihnen. "Der Glaube ist für mich wie ein Navigationsgerät, das dich auf dem rechten Weg hält. Es hilft mir, wenn ich mich fürchte, Fehler zu machen", erzählt Cavani und gibt an, jeden Tag die Bibel zu lesen und zu studieren. "Ich habe verstanden, das alles zu seiner Zeit kommt: Der Verzicht, der Lohn und das Tor."

Bei Cavanis Saison müsste es eigentlich die Tore heißen. Fünfmal hat der Stürmer in der laufenden Serie-A-Saison bereits zwei oder mehr Treffer in einer Partie erzielt, die Roma und Juve schoss er im Alleingang ab.

"Ich liebe es, mit offenen Augen zu träumen"

Nach seinen drei Toren beim 3:0-Sieg gegen Juve sagte er: "Ich bin froh, dieser Stadt, die ich immer mehr als meine fühle, eine so große Freude geschenkt zu haben. Die Leidenschaft und Intensität der Fans ist unbeschreiblich, ich habe eine Gänsehaut bekommen."

Cavani weiß, in welchem Hexenkessel er hier gelandet ist, er ist sich der Situation bewusst: "Neapel ist fußballsüchtig. Das ist wunderschön, aber auch eine große Verantwortung."

Deshalb wiederholt er fast schon in BVB-Manier: "Der Scudetto? Wir sprechen so gut wie nie über die Tabellensituation."

Aber er sagt auch: "Ich liebe es, mit offenen Augen zu träumen. Das ist wunderschön und ich möchte es noch lange tun können."

Edinson Cavani im Steckbrief

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