Mittwoch, 19.03.2008

Serie-A-Bomber Borriello im Porträt

Der treffsichere Schönling

München - David Trezeguet, Zlatan Ibrahimovic, Adrian Mutu und Francesco Totti. Auf den ersten Plätzen der Serie-A-Torjägerliste tummeln sich die üblichen Verdächtigen. Ganz vorne steht allerdings Marco Borriello. 

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© Getty

Der 25-Jährige Stürmer hat mit seinen 18 Saisontreffern maßgeblichen Anteil daran, dass Aufsteiger FC Genua momentan auf einem entspannten zwölften Tabellenrang steht. "Der FC Genua hat mir großes Vertrauen geschenkt und dieses zahle ich jetzt mit Toren zurück", sagt Borriello vor. 

Noch vor einem Jahr hätte wohl niemand auf so eine Geschichte gewettet. Am 21. Dezember 2006 wurde der gebürtige Neapolitaner nämlich positiv auf Cortison getestet und für drei Monate gesperrt.

Unglückliches Gastspiel bei Milan

Laut eigenen Aussagen hatte Borriello unwissentlich eine mit Cortison angereicherte Creme seiner Freundin benutzt. "Diese Sperre ist ein Makel, der mir immer bleiben wird. Ich hoffe aber, dass die Leute diese Geschichte vergessen und nur meine Tore in Erinnerung behalten", sagt der Süditaliner heute. 

Damals stand Borriello in Diensten des AC Mailand und schon vor der Dopingsperre lief es für den Mittelstürmer mehr schlecht als recht. Hinter Ronaldo, Filippo Inzaghi, Alberto Gilardino und Ricardo Oliveira war er nur Angreifer Nummer fünf in der Hierarchie von Milan-Trainer Carlo Ancelotti.

Die Dopingsperre verbesserte seine Situation klarerweise nicht und so wurde er im vergangenen Sommer an den FC Genua abgegeben. "Ich bin in Mailand gar nicht richtig angekommen, da ich nur wenig gespielt habe und meine Qualitäten so nicht zeigen konnte", sagt Borriello heute. "Ich glaube allerdings nicht, dass es drei verlorene Jahre waren. Ich war einfach zu jung."

Neue Chance beim FC Genua 

Eine neue Chance gab ihm Genuas Präsident Enrico Preziosi. Und Borriello nutzte sie. 18 Tore sprechen eine deutliche Sprache, gegen Udinese gelang ihm sogar das Kunststück, in Hin- und Rückspiel jeweils drei Tore zu erzielen. Borriellos Erklärung für seine Leistungsexplosion ist denkbar einfach: "Meine Rolle als Mittelstürmer eines solchen Traditionsvereins hat mich unglaublich reifen lassen. Ich bin jetzt viel selbstsicherer und mache Dinge, die ich früher nicht probiert hätte."

Doch es gibt einen weiteren Grund für seinen Lauf: Seine Freundin Belen Rodriguez. Das argentinische Model ist seit drei Jahren an Borriellos Seite und hatte maßgeblichen Anteil an seinem Aufstieg. "Belen stand mir immer zur Seite, besonders in der Zeit, als ich gesperrt war", betont der ehemalige Treviso-Spieler. Der Mädchenschwarm und das Model sind eines der beliebtesten Promi-Paare im italienischen Fußball.

Borriellos Traum von der EM 

Bei Italiens Nationaltrainer Roberto Donadoni machte Borriello nicht mit seinem Aussehen, sondern mit seinen Toren Eindruck. Deshalb feierte er beim 3:1-Sieg der Azzurri über Portugal im Februar sein Debüt im italienischen Nationaltrikot.

Donadoni scheint er mit seinen Qualitäten bereits überzeugt zu haben. "Im Eins gegen eins ist er stärker als Gilardino", sagte der Coach der Azzurri noch vor seinem ersten Spiel.

Die EM-Teilnahme ist deshalb mehr als nur ein Traum von Borriello. "Zuerst will ich Genua in der Serie A halten und dann zur EM. Die nächsten Monate werden entscheidend für mich sein", ist er sich seiner Chancen bewusst.

Milan will ihn wieder zurückholen 

Die nächsten Monate werden aber nicht nur für seine Nationalmannschaftskarriere, sondern auch für seine Serie-A-Zukunft entscheidend sein. Borriello gehört nämlich zur Hälfte noch dem AC Milan und aufgrund seiner starken Saison wünschen ihn sich einige Entscheidungsträger in Milanello zurück.

"Er hat mich wirklich überrascht, denn er ist zu einem kompletten Stürmer gereift. Wir waren in seiner Bewertung etwas zu oberflächlich, vielleicht hätten wir ihm mehr Chancen geben müssen", weint Milan-Trainer Carlo Ancelotti ihm bittere Tränen nach. Sein Urteil: "Er hat die Qualitäten in jeder Mannschaft spielen zu können, auch bei Milan."

Ancelottis Boss Silvio Berlusconi hat sich schon entschieden: "Wir holen uns Borriello zurück." Der 25-Jährige soll ein wichtiger Mosaikstein im Verjüngungsprozess des entthronten Champions-League-Siegers werden.

Genuas Präsident: "Wir lassen ihn nicht ziehen"

Der Medien-Mogul hat diese Rechung aber ohne den FC Genua gemacht. "Wir wollen ihn auf alle Fälle halten und werden ihn uns nicht so einfach von einem Verein wegnehmen lassen, für den er nicht mehr als der fünfte Stürmer war", gibt sich Genuas Präsident Preziosi kämpferisch.

Und auch Borriello selbst möchte am liebsten in der ligurischen Hafenstadt Wurzeln schlagen: "Ich möchte hier bleiben, um meine tolle Saison in der kommenden Spielzeit zu bestätigen. Außerdem sind die Fans hier fantastisch."

Und die würden sich über seinen Verbleib sicherlich mindestens genau so freuen, wie die weiblichen Bewohner Genuas.

Christian Bernhard

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