Weltfußballer in der Opferrolle

Kaka im Visier der Ermittler

Von Andreas Lehner / Haruka Gruber
Donnerstag, 17.01.2008 | 16:52 Uhr
© Getty
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München - In der Tat klingen die Beinamen obskur. Estevam "der Apostel" Hernandes und seine Gattin Sonia, bekannt auch als "die Bischöfin".

Die beiden sind die geistlichen Führer der brasilianischen Religionsgemeinschaft "Renascer em Cristo" (Wiedergeburt in Christus). Mit zwei Millionen Anhängern und 1.200 Gotteshäusern ist "Renascer" die zweitgrößte evangelische Gemeinschaft Brasiliens.

Der brasilianische Superstar des AC Mailand ist ein sehr religiöser Mensch. Selbst auf dem Platz zeigt er seinen Glauben und reckt nach jedem erzieltem Tor beide Zeigefinger gen Himmel, um Gott zu danken. Unter dem Trikot trägt er ein Shirt mit der Aufschrift "I belong to Jesus". Bekanntestes Mitglied Ricardo Izecson dos Santos Leite, kurz Kaka.

Pastor nach Karriereende

Kaka besitzt eine starke Bindung zu "Renascer" und hat die Gemeinschaft in der ganzen Welt bekannt gemacht. Erst neulich hat er verlauten lassen, dass er nach seiner Karriere Pastor der Wiedergeburt werden will. Ein Theologiestudium braucht er dazu nicht, sechs Monaten Ausbildung reichen.

Seine Kirche unterstützt er so gut er kann. Nach Angaben des brasilianischen Magazins "Carta Capital" soll er pro Jahr rund eine Million Dollar spenden. Auch seine Trophäe des Weltfußballers steht jetzt in der Zentrale in Sao Paulo.

Protestantisch-fundamentalistisch Sekte

Doch im Paradies ziehen Wolken auf und Kaka gerät ins Zentrum dubioser Machenschaften. Denn die christliche Glaubensgemeinschaft soll viel mehr eine protestantisch-fundamentalistisch Sekte sein, die eine straffe wirtschaftliche Unternehmensstruktur aufweist.

Die Pastoren müssen alljährlich ihre Gewinne vorweisen. Das Ehepaar Hernandes hat dadurch einen stattlichen Reichtum angehäuft. Den beiden gehören ein Radio- und ein Fernsehsender, ein Verlagshaus und mehrere Firmen.

Laut brasilianischen Medien sollen sie seit der Gründung ihrer Gemeinschaft 1986 einen Schatz von 52 Millionen Euro erwirtschaftet haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Geldwäsche

Mittlerweile vermittelt die Staatsanwaltschaft in Sao Paulo gegen die Sektenführer. Staatsanwalt Marcelo Batlouni Mendroni wirft den beiden Geldwäsche und Devisenschmuggel vor. Zudem besteht in Brasilien ein Haftbefehl wegen Betrügereien und Steuerhinterziehung.

Der "Apostel" und die "Bischöfin" waren bereits vor einem Jahr in Miami festgenommen worden, weil die US-Polizei bei ihnen 56.000 Dollar sichergestellt hatte - eingeschmuggelt in einem Gebetsbuch. Beide mussten ins Gefängnis, später bekamen sie Hausarrest.

Muss Kaka zum Verhör?

Nun will Mendroni Kaka vernehmen und hat deshalb bei der Mailänder Staatsanwaltschaft um die Erlaubnis einer Vernehmung angefragt. Bis jetzt gab es nach Angaben der "Gazzetta dello Sport" noch keine Antwort aus Mailand. Die Mühlen der Justiz mahlen in Italien noch etwas langsamer als anderswo.

Kaka werde aber als Opfer betrachtet, mutmaßt die italienische Presse. Keinesfalls verdächtige man ihn, von den Machenschaften gewusst zu haben.

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