Mittwoch, 23.01.2008

Wie im Sandkasten

Aber Du hast angefangen!

München - Wenn sich zwei Kinder im Sandkasten um ihr Lieblingsspielzeug balgen, könnte es nicht lustiger zugehen.

Berlusconi, Blatter, Mailand
© Imago

Allerdings geht es dabei in der Regel nur um ein paar Euro, im Streit der Mailänder Fußball-High-Society geht es dagegen um einen ganz erheblichen Millionenbetrag.

In der roten Ecke: Silvio Berlusconi (im Bild links), stolzer Präsident des AC Milan mit leichtem Hang zum Despotismus. In der blauen Ecke: Massimo Moratti, nicht minder selbstbewusster Boss beim Lokalrivalen Inter.

Ihr Lieblingsspielzeug heißt Ronaldinho, ehemaliger Weltfußballer aus Brasilien, zur Zeit in Diensten des FC Barcelona - und dort, dem Vernehmen nach, todunglücklich.

Geheime Treffen, stolze Summen

Berlusconis Faible für den 27-Jährigen ist hinlänglich bekannt: Schon in den vergangenen beiden Jahren versuchte er Ronaldinho nach Mailand zu lotsen. Doch im gleichen Maße, wie die Form des Superstars dahin schwand, verblasste in den letzten Wochen angeblich auch dass Interesse des Medienmoguls an einer Verpflichtung.

"Ronaldinho ist kein großartiges Transferziel mehr. Seine Verpflichtung hat für uns keine Priorität", sagte Berlusconi am vergangenen Wochenende. Das wiederum rief Moratti auf den Plan.

Laut der spanischen Sportzeitung "Marca" sollen sich die Inter-Verantwortlichen Anfang der Woche mit Roberto de Assis, Bruder und Berater von Ronaldinho, getroffen haben, um die Möglichkeiten eines Transfers auszuloten.

Und siehe da: Nun will auch Berlusconi wieder. Laut "Gazetta dello Sport" hat er dem FC Barcelona bereits ein offizielles Angebot gemacht: 40 Millionen für Barca, gut fünf Millionen Euro jährlich für Ronaldinho.

Milan plaudert Interna aus

Ganz nebenbei plauderte sein Sportdirektor Adriano Galliani noch recht nonchalant Interna aus und ließ die Presse wissen, er, Galliani, habe höchstpersönlich vom Flirt der Inter-Verantwortlichen mit Ronaldinho erfahren, und zwar aus erster Hand von Barcelonas Präsident Joan Laporta.

"Keine Ahnung, wovon Galliani spricht", zuckte Moratti daraufhin ganz unschuldig mit den Schultern, "ich weiß nicht, mit wem er gesprochen haben will. Jedenfalls ist diese Information zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wahr." Aha.

Womöglich aber ist das ganze Säbelrasseln der Mailänder Granden ohnehin nur ein sinnleereres Spielchen mit den eigenen Muskeln. Denn laut "Marca" ist ein Wechsel Ronaldinhos im Sommer zwar schon so gut wie beschlossen - allerdings nicht nach Italien sondern nach England.

Ronaldinho schon mit Chelsea einig?

Dort nämlich herrscht ein weiteres stattliches Ego über einen Fußballklub. Roman Abramowitsch will den Brasilianer angeblich zum FC Chelsea holen. Einer von Ronaldinhos Beratern, Enzo Bronzetti, zumindest geht definitiv davon aus, dass sein Klient am Ende der Saison zum ehemaligen Barca-Coach Henk ten Cate an die Stamford Bridge nach London wechseln wird.

Für Barcelona und Laporta keine schlechte Konstellation: Drei der mächtigsten, egozentrischsten und vor allen Dingen finanzkräftigesten Männer im europäischen Fußball buhlen um seinen Spieler.

Apropos Laufsteg

Und um den Preis noch einmal in die Höhe zu treiben, signalisiert er in den letzten Tagen verstärkt die Tendenz, Ronaldinho könnte doch auch bei Barca bleiben: "Wir werden in Kürze den besten Ronaldinho aller Zeiten sehen", verriet Laporta etwa der "Marca".

Außerdem sei "Ronaldinho motiviert wie selten zuvor. Er arbeitet hart, um nach seiner Verletzung wieder zurückzukommen." Klingt, als könnte der Superstar also die letzten Partien mit Barcelona noch nutzen, um sich - für welchen Klub auch immer - auf dem Laufsteg im Camp Nou zu präsentieren.

Apropos Laufsteg: Sein Bruder Roberto hält sich laut "Gazetta" in diesen Tagen wieder in Mailand auf. Angeblich aber nur, um sich die eine oder andere Modenschau anzusehen.

Stefan Moser

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