Der geplatzte Traum des afrikanischen Xavi

Von Tim Althoff
Freitag, 08.09.2017 | 14:30 Uhr
Jean Michael Seri ist in Nizza zum unverzichtbaren Leistungsträger gewachsen
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Spätestens seit dem geplatzen Transfer zum FC Barcelona ist der Name Jean-Michael Seri den meisten Fußballfans ein Begriff. Der Ivorer ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen, seine Entwicklung zu einem der Top-Spieler der Ligue 1 hätte dagegen kaum schneller vonstatten gehen können. Wird Seris Traum von Barca doch noch wahr?

Ousmane Dembele, Marco Asensio, Kylian Mbappe, Marcus Rashford: Diese Namen dürften den meisten Fußballfans in den Kopf schießen, wenn sie an die Senkrechtstarter der letzten ein, zwei Jahre denken. Natürlich mehr als verständlich, gerade wenn man bedenkt, welche konstant guten Leistungen diese Spieler in ihrem blutjungen Alter schon abrufen.

Vergessen würde ziemlich sicher jedoch ein Name, der dieselbe Daseinsberechtigung in einer solchen Aufzählung hätte: Jean-Michael Seri. Der Ivorer von OGC Nizza hat eine überragende letzte Saison hinter sich und wurde nicht umsonst intensiv beim FC Barcelona diskutiert. Warum man ihn wohl leicht vergisst? Weil er bereits 26 Jahre alt ist.

Seri: Späte, aber rasante Entwicklung

"Er hat eine Ausstiegsklausel von über 40 Millionen Euro. Es hat jeden zum Lächeln gebracht, als wir diese Klausel vor zwei Jahren in seinen Vertrag geschrieben haben." Diese Aussage von Nizza-Präsident Jean-Pierre Revere ist eine perfekte Beschreibung von Seris Entwicklung. Innerhalb von zwei Jahren hat es der Nationalspieler der Elfenbeinküste geschafft, 2015 noch für eine Ablösesumme von einer Million Euro von Pacos Ferreira nach Frankreich gekommen, seine Ausstiegsklausel zu rechtfertigen und sie wie ein Schnäppchen aussehen zu lassen.

Eine durchaus nützliche Leistung, wenn man einen solch ambitionierten Traum verfolgt wie Seri: "Ich will bei einem großen Klub wie Juventus, PSG, Arsenal, Dortmund oder Liverpool unterschreiben." Dass dies einmal Wirklichkeit werden könnte, war mit Blick auf Seris Vita nicht zu erahnen.

Erst mit 21 kam der heutige Mittelfeldmotor von Lucien Favre nach Europa, um sich vom Rekordmeister der Elfenbeinküste ASEC Mimosas zur zweiten Mannschaft des FC Porto ausleihen zu lassen. Dort bestritt Seri zwar nur 13 Spiele, doch er schien damit ausreichend Eindruck hinterlassen zu haben, um schon ein Jahr später 2013 bei Pacos Ferreira zu landen.

Nach zwei Spielzeiten und 54 Einsätzen in der höchsten portugiesischen Liga inklusive sechs Einsätzen in der Europa League ging es schließlich nach Nizza. Und dort hat er in Windeseile neben sämtlichen Top-Klubs der Premier League auch einen gewissen Xavi auf sich aufmerksam gemacht.

Xavi: Seri hat die Barca-DNA

Da seine große Stärke im Passspiel liegt und Seri das Spiel gerne nach vorne trägt, wurden schnell Vergleiche zur Barcelona-Ikone gezogen. Dies blieb auch Xavi nicht lange verborgen: "Als ich gehört hab, dass es einen Nizza-Spieler gibt, den sie den afrikanischen Xavi nennen, habe ich angefangen, ihn zu verfolgen. Ich habe mir viele Spiele und Videos angeguckt und war fasziniert. Ich bin es nicht gewohnt, so ein großes Talent im Mittelfeld zu sehen. Kurze Pässe, lange Pässe, Spielintelligenz, der Schuss aus der Distanz, seine Persönlichkeit, der letzte magische Pass... Madre Mia."

Xavi war es schließlich auch, der die Gerüchte eines Barcelona-Wechsels in diesem Sommer befeuerte: "Er würde sich sehr gut bei Barca machen. Er kann überall im Zentrum spielen. Seri ist einfach fantastisch. Ich kann ohne zu zögern sagen, dass er das hat, was wir die Barca-DNA nennen. Kein Zweifel."

Das gewichtige Wort des katalanischen Mittelfeld-Maestros wurde von Fans und Medien zügig aufgegriffen, doch Barcas Verantwortliche wollten davon zunächst einmal nichts hören. Erst als deutlich wurde, dass die Wechsel der Wunschspieler Marco Verratti und Philippe Coutinho nicht zu Stande kommen würden, beschäftigte man sich intensiver mit Xavis Empfehlung.

Seris geplatzter Traum von Barcelona

Hochgradige Bereitschaft zeigte Seri schnell, zumal er sich in einem Interview mit beIN Sports als Barca-Fan outete: "Ich träume von Barca seit ich ein Kind bin. Ich bin ein Fan, weil sie eine Art von Fußball spielen, die mir sehr gefällt." Doch diese Liebeserklärung half nicht viel, die Verhandlungen und Gespräche scheiterten in letzter Sekunde.

Und Seri ließ seinen Gefühlen freien Lauf: "Ich fühle mich sehr schlecht. Ich will nicht lügen, ich bin sehr betroffen. Als ich nach Hause kam, war ich eigentlich sehr glücklich und am nächsten Tag habe ich von der Nachricht erfahren, dass Barca den Deal platzen ließ. Dann bin ich in das Büro der Nizza-Chefs gegangen und wollte wissen, was passiert ist. Dann bin ich explodiert. Ich versichere euch, die Wände haben gezittert!"

Dieser Gefühlsausbruch ist angesichts des ruhigen und gelassenen Charakters des 26-Jährigen schwer vorstellbar, unterstreicht aber neben seiner Liebe zu Barcelona auch das belastete Verhältnis zu Nizzas Bossen. "Beispielsweise hat mir die Roma mehrere Angebote gemacht. Ich habe oft mit Sportdirektor Monchi geredet und der Transfer ist auch nicht aus ökonomischen Gründen geplatzt. Monchi hatte einfach keine Lust mehr auf die Nizza-Bosse! Roma wäre schon eine gute Wahl gewesen, aber das ist nichts im Gegensatz zu Barca", machte Seri deutlich.

Nach seinem langen Weg mit den Anfängen in der Heimat, dem Start in die europäische Karriere in Portugal hin zur Leistungsexplosion in einer Eliteliga wurde Seri damit ein weiteres Mal die Möglichkeit geraubt, den Schritt zu einem größeren Klub zu machen. Gerade der Frust nach dem geplatzten Deal mit Barca war offensichtlich so groß, dass er der folgenden 0:3-Niederlage bei Aufsteiger Amiens fern blieb: "Ich habe dieses Wochenende nicht gespielt, weil ich meinen Kopf nicht beim Fußball hatte. Mein Traum, zu Barca zu gehen, ist geplatzt. Das ist für mich einfach furchtbar", begründete Seri.

Zukunft mit Fragen

Für den Moment bleibt Seri also nur noch die Hoffnung, dass es womöglich zu einem späteren Zeitpunkt klappen könnte. Er wolle optimistisch bleiben, sagte er. Die beiden Klubs sollten doch einfach noch einmal in Ruhe miteinander reden, um eine Vereinbarung zu treffen.

Seris Zukunft ist vage, sollte seine Entwicklungskurve aber weiter so steil nach oben zeigen, wird er in der Winter-Transferperiode wieder aus einigen Angeboten auswählen können.

Vor allem die Engländer aus London und Liverpool könnten dann auf der Matte stehen. Schließlich ist der Senkrechtstarter im Gegensatz zu einem Dembele oder Mbappe für einen attraktiven Preis zu haben.

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