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Zurück auf Anfang

In Lyon wurde Yoann Gourcuff nicht glücklich. Jetzt ist er zurück in Rennes
© getty

Yoann Gourcuff wurde einst als nächster Zinedine Zidane gepriesen und hat mit dem AC Milan die Champions League gewonnen. Nun wurde sein Vertrag bei Olympique Lyon nicht verlängert und der Franzose kehrte zurück zu Stade Rennes, das am Freitagabend Spitzenreiter Paris Saint-Germain empfängt (20.30 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE). Der Spielmacher ist jedoch kein gewöhnlicher Fall eines ewigen Talents. Eine Geschichte über Pech, Ideale und Psyche.

21. März 2015, Olympique Lyon gegen OGC Nizza, 50. Minute: Yoann Gourcuff marschiert einfach vom Platz - ohne jedes Wort. Er ist noch nicht einmal ausgewechselt worden. Vollkommenes Unverständnis macht sich breit. Was ist passiert?

"Klubs aus England und Italien rufen mich an. Sie wollen verstehen können, warum die Maschine aufgehört hat zu arbeiten", erzählt sein Berater Didier Poulmaire im Nachhinein.

Zwei Spiele zuvor war der Franzose noch überragender Mann auf dem Platz. In der Partie gegen Olympique Marseille glänzte er für Lyon mit zwei Torvorlagen. Eine Woche darauf setzte er aufgrund einer leichten Prellung aus. Dann kam Nizza, die 50. Minute und Gourcuffs Abgang - aufgrund einer handelsüblichen Oberschenkelzerrung.

"Fußball ist in seiner DNA"

Diese drei Spieltage beschreiben Gourcuffs Karriere ziemlich treffend. "Er hat nicht viele Spiele für Lyon gemacht, aber jedes Mal war er ziemlich stark. Er ist ein talentierter Spieler", lobt ihn Landsmann Willy Sagnol. Die Begabung hatte der Bretone schon immer, doch Kontinuität fehlte.

Würde man sein Leben verfilmen, wäre es die Geschichte des kleinen, braven, schüchternen Jungen von nebenan, der nur Fußball im Kopf hat. Aufgewachsen ist er in Ploemeur, einer Stadt nahe Lorient. Seine fußballerische Karriere schlug mit dem Wechsel von Lorient zu Stade Rennes eine professionelle Richtung ein. Sein Vater Christian nahm dort einen Trainerjob an, Gourcuff jr. war gerade 15 Jahre alt.

Mittlerweile ist er 29 und zum Ausgangspunkt seines Profi-Daseins zurückgekehrt. Dort will er einfach wieder kicken. "Ich bleibe wie ich bin. Fokussiert auf Fußball, meine Leidenschaft", sagt der introvertierte Spielmacher.

Mehr als nur Konkurrenz

Gourcuff war nach seinem ersten Aufenthalt bei Rennes im Sommer 2006 zu Milan gegangen. Zum glorreichen Milan mit Maldini, Nesta, Seedorf, Pirlo und Kaka - die Konkurrenz war riesig. Nach zwei Jahren ohne viel Einsatzzeit führte Gourcuffs Weg nach Bordeaux. Im Westen Frankreichs blühte der Spielmacher wieder richtig auf - es wurde seine beste Zeit.

Im Jahr 2009 wurde er zur Maschine und räumte alles ab. Französischer Meister, Pokalsieger, Frankreichs Fußballer des Jahres - Gourcuff glänzte als Vorlagengeber und Torschütze. Seine Leistungen weckten erneute Begehrlichkeiten. Im Sommer 2010 wechselte Gourcuff zum Liga-Rivalen Olympique Lyon. Dort begann sein Abstieg.

Weshalb schleicht ein Spieler bei einer Verletzung ohne erkennbaren Grund auf eigene Initiative vom Platz? Die Antwort wird erst bei einem Blick auf Gourcuffs Verletztungshistorie deutlich. Ihm war schlicht die Lust vergangen, in fünf Jahren OL absolvierte er lediglich 128 von 221 möglichen Partien.

Idealisierte Vorstellung von Fußball

Das ewige Hin und Her zwischen Physiotherapeut und Spielfeld führte dazu, dass sich der introvertierte Gourcuff noch mehr abschottete. "Alles wurde unter die Lupe genommen. Wenn ich etwas getan habe, wurde es im negativsten Sinn interpretiert. Die Passion ging verloren", erklärt er.

Gourcuff ist ein Spieler ohne ausufernde Star-Allüren, ein Fußball-Romantiker. Oft wirkt er arrogant und extravagant, dabei konzentriert sich der 29-Jährige nur auf das Wesentliche.

Aufgrund der vielen Verletzungen und seiner idealisierten Vorstellung von Fußball verlor er nach und nach seine Leidenschaft - und damit auch seine Motivation.

"Fußball generiert Dinge"

Um einfach wieder nur 'wie früher' kicken zu können, ging er zu Stade Rennes zurück. An den Ort, wo alles begann. "Ich will, dass er noch einmal der großartige Spieler wird, der er war. Fußball ist in seiner DNA", begründete Rene Ruello, Präsident von Stade Rennes, im Interview mit der L'Equipe den Transfer.

Doch aktuell kämpft der Bretone schon wieder mit einer Verletzung. Eine Sesambein-Fraktur, die in Lyon unentdeckt blieb, schiebt Gourcuffs Neuanfang auf. Anfangs wurde befürchtet, er falle die gesamte Hinrunde aus, doch es ist frühzeitige Besserung in Sicht. Sollte die erneute Pause keine weiteren physischen Probleme nach sich ziehen, darf man gespannt auf den Fußballer Gourcuff sein.

Yoann Gourcuff im Porträt

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