Auf den Spuren von Mihajlovic

Von Jonas Schützeneder
Montag, 30.12.2013 | 16:14 Uhr
Emotion pur: Filip Djordjevic nach dem Ligue-1-Aufstieg im Sommer
© getty
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Er zog aus Belgrad nach Frankreich, um sich in Europa einen Namen zu machen. Mittlerweile ist Filip Djordjevic Top-Torjäger und Kapitän beim französischen Überraschungsteam FC Nantes. Seine Zukunft bei den Gelb-Grünen ist trotzdem ungewiss.

Am Abend, an dem Belgrad im Triumph bebt, bleibt der kleine Filip Djordjevic zu Hause. Gut 600 Kilometer von der damaligen Hauptstadt Jugoslawiens entfernt, schreibt Roter Stern Belgrad in Bari Fußball-Geschichte. Mit 5:3 nach Elfmeterschießen siegt der Außenseiter im Finale des Europapokals der Landesmeister von 1991 gegen Olympique Marseille. Zuvor hatte Roter Stern bereits den FC Bayern München und Dynamo Dresden ausgeschaltet.

Mehr als 22 Jahre danach reicht der damalige Star von Roter Stern, Sinisa Mihojlovic, dem mittlerweile erwachsenen Filip Djordjevic die Hand. Der ehemalige Starspieler von Inter Mailand und Lazio Rom ist mittlerweile Nationaltrainer Serbiens und bringt mit dem 25-jährigen Djordjevic einen Debütanten im Testspiel gegen Chile. Für Djordjevic schließt sich der Kreis.

Treffsicher wie Ibrahimovic

In Belgrad ist er aufgewachsen, mittlerweile sorgt er in Europa für Furore. Hinter Zlatan Ibrahimovic, Falcao und Edinson Cavani ist Djordjevic einer der gefährlichsten Angreifer der Ligue 1 und Kapitän des überraschend starken Aufsteigers FC Nantes. Nach knapp der Hälfte der Saison belegt der FCN Rang 5 und hat mehrere Favoriten hinter sich gelassen. Erfolgsgarant: Filip Djordjevic, der mit acht Treffern und drei Vorlagen beeindruckende Zahlen liefert.

Daran war vor einigen Jahren nicht zu denken. Als talentierter Angreifer wagte Djordjevic mit 20 Jahren den Sprung aus der Heimat nach Frankreich. Wie Mihajlovic wurde er bei Roter Stern Belgrad ausgebildet. In Europa enttäuschte er zunächst. In 19 Einsätzen für Nantes gelangen ihm nur zwei Treffer. Tempo und Spielweise waren ganz anders als in der Heimat.

Es dauerte, bis aus dem schüchternen Talent ein furchteinflößender Torjäger wurde. Besonderen Anteil daran hat auch Klub-Präsident Waldemar Kita. Der polnische Unternehmer kaufte den Traditionsverein im Jahr 2007 für etwa zehn Millionen Euro und war von Beginn ein ein Unterstützer. Kita gilt als sparsamer Investor, der den kriselnden Klub wirtschaftlich und sportlich stabilsiert hat.

Garant für den Aufstieg

Während Kita den Verein Stück für Stück modernisierte, blühte Djordjevic als Stammspieler auf. Spätestens im letzten Jahr wurde der Stürmer auch außerhalb Frankreichs und seiner Heimat bekannt. Mit 20 Toren schoss er Nantes im Alleingang in die Ligue 1 und hatte danach zahlreiche Angebote aus dem Ausland.

Djordjevic blieb, bildet auch im fünften Jahr im Klub die Sturmspitze und überzeugt als effektiver Abschlussstürmer eine Liga höher. Für seine acht Tore brauchte er nur 13 Torschüsse. Kein Wunder, dass so ein Mann im kommenden Sommer heiß begehrt sein wird. Dann läuft der Vertrag in Nantes aus, die Interessenten positionieren sich bereits seit Wochen. Aus England werden Everton und Hull City genannt, in Italien Lazio Rom und der FC Turin und auch die französischen Topklubs haben Interesse gezeigt.

Die Opta-Spielerstatistik zu Filip Djordjevic

Schlechtes Timing, dass Djordjevic seitdem auf den nächsten Treffer wartet. Mittlerweile sind es fünf Spiele ohne Tor. Trainer Michel Der Zakarian macht deshalb Druck auf seinen Angreifer: "Er hat keinen Bonus, auch andere können von Beginn an spielen." Dennoch weiß der Armenier, was er am 26-Jährigen Goelgetter hat.

Spätestens seit dem Aufstieg ist Djordjevic ein Held in Nantes. Er trifft zur richtigen Zeit, vergibt kaum Großchancen. Trotz seiner 1,86 ist er beweglich und stark am Ball. Seine große Stärke: der Abschluss. Beidfüßig, hart und präzise schließt er am liebsten innerhalb des Strafraums ab. "Eine tödlicher Waffe", schrieb "Le Figaro" kürzlich über ihn.

Zukunft bleibt offen

Natürlich würden zahlreiche Vereinen eine derartige Torgarantie nur zu gerne ablösefrei verpflichten. Bisher bleibt Djordjevic zurückhaltend. "Ich liebe den Verein, bin Kapitän und die Zuschauer stehen immer hinter mir", erklärt er. Und Präsident Kita sagt: "Ich will ihn unbedingt hier behalten. Hier ist er ein Star in einem der besten Teams Frankreichs. Wenn er woanders unterschreiben würde, hätte er mir das gesagt."

Keine Frage: Djordjevic ist der Hoffnungsträger für eine Rückkehr in glorreiche Zeiten, als Superstars wie Claude Makelele, Christian Karembeu, Marcel Desailly und Didier Deschamps im gelb-grünen-Trikot aufliefen. Die Fans träumen mittlerweile von einem neunten Meistertitel (zuletzt 2001).

Es ist nicht abzusehen, wohin die Reise gehen wird. Bei einem Topverein könnte Djordjevic tatsächlich in die überaus großen Fußstapfen von Mihajlovic treten und sich auch im internationalen Wettbewerb einen Namen machen. Trifft er weiter nach Belieben, könnte er sogar mit Nantes international spielen. Eine echte Win-win-Situation.

Filip Djordjevic im Steckbrief

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