SPOX-Serie Europareise, Teil 5: Frankreich

Nene: Arjen Robben andersrum

Von Aufgezeichnet von Jochen Tittmar
Freitag, 07.01.2011 | 21:45 Uhr
Der Brasilianer Nene (l.) von Paris St. Germain ist bislang der überragende Spieler der Ligue 1
© Imago
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Premier League, Primera Division, Serie A - das Geschehen steht in der Sportberichterstattung fast täglich im Fokus. Weniger Beachtung hierzulande findet der Fußball aus anderen Ländern. SPOX hat sich in Europa umgesehen und zieht in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Experten ein Hinrundenfazit einiger ausgewählter Ligen. Teil fünf behandelt die französische Ligue 1.

Von Alexis Menuge, Journalist bei www.francefootball.fr

Die Hinrunde kompakt

Das Tabellenbild ist wirklich außergewöhnlich. Zwischen Platz eins und 19 liegen nur 16 Punkte.

Allerdings ist es so, dass sich die großen Namen immer mehr im oberen Tabellendrittel etablieren.

Mannschaften wie Montpellier oder Brest, die zu Beginn der Saison oben mitmischten, haben zuletzt etwas nachgelassen.

Bei Lyon, Marseille oder Paris hat es in der Hinrunde ein wenig länger gedauert, bis sie ihre Form gefunden haben.

Lille traue ich es als Vorjahresviertem und aktuellem Tabellenführer schon zu, die Großen weiter zu ärgern. Rennes, derzeit Dritter, allerdings nicht.

Die halte ich nicht für konstant genug, um dauerhaft oben dabei zu sein.

Die Tabelle der französischen Ligue 1

Positive Überraschung

Aufsteiger Stade Brest. Wie im Vorjahr Montpellier stand auch Brest kurzzeitig ganz oben.

Hauptgrund dafür ist der starke Defensivverbund.

Das Team, das zu Großteilen noch dasselbe wie in der 2. Liga ist, steht auswärts wie zuhause sehr kompakt in der Defensive.

Nach elf Spielen musste man nur vier Gegentore hinnehmen.

Zudem sind sie bei Standardsituationen immer für ein Tor gut. Stürmer Nolan Roux ist in der Luft bärenstark.

Torwart Steeve Elana gilt mit seinem katzenartigen Spielstil als der neue Bernard Lama.

Negative Überraschung

AS Monaco. Trainer Guy Lacombe, der schon in Paris und Rennes große Probleme hatte, steht vor dem Rauswurf.

Der Verein befindet sich in finanzieller Not und hat einen traditionell schwachen Zuschauerschnitt.

Die Mannschaft erscheint mir mehr und mehr untrainierbar zu sein.

Es gibt keine Gemeinschaft, sondern nur viele Einzelkönner, die zu große Egos haben.

Teure Spieler wie Alejandro Alonso oder Eduardo Costa besitzen einen hoch dotierten Vertrag, spielen aber sportlich keine Rolle mehr und trainieren nur mit.

Seit dem Erreichen des Champions-League-Finals 2004 geht es dort stetig bergab.

Players to watch

Der herausragende Spieler der Liga ist der Brasilianer Nene von Paris St. Germain.

Er erinnert mich an Arjen Robben, außer, dass Nene links spielt.

Nene hat einen starken linken Fuß, ist trickreich und dribbelstark und hat schon einige Freistoßtore erzielt.

Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis er in die Selecao einberufen wird.

Mit 13 Saisontoren ist er Zweiter der Torjägerliste.

Der 19-jährige belgische Nationalspieler Eden Hazard vom OSC Lille ist ebenfalls zu nennen.

Er ähnelt Franck Ribery, ist dribbelstark, sehr schnell und schussstark.

Ihm fehlt natürlich noch etwas die Konstanz, aber er kann ein Großer werden.

Das internationale Abschneiden

Dass Auxerre in der Champions League in einer Gruppe mit Milan, Real und Amsterdam ausscheidet, war zu erwarten.

Dennoch haben sie relativ gut mitgehalten, das war in Ordnung.

Marseille hat es nach 17 Jahren endlich mal wieder geschafft, ins Achtelfinale einzuziehen.

Dabei haben sie die ersten beiden Gruppenspiele verloren, in den restlichen vier Partien aber zwölf Punkte bei 12:0 Toren geholt.

Als sie das letzte Mal so weit kamen (1993), haben sie direkt den Titel geholt - als erster Titelträger der neu gegründeten Champions League.

Lyon hat sich in der Schalke-Gruppe zum neunten Mal in Folge für das CL-Achtelfinale qualifiziert.

Paris wurde in Dortmunds Europa-League-Gruppe J recht souverän Erster.

Lille hat sich in der Europa League relativ schwer getan und erst am letzten Spieltag der Gruppenphase nach einem Sieg gegen Gent das Ticket für die Zwischenrunde gelöst.

Montpellier ist in der 3. Qualifikationsrunde im Elfmeterschießen überraschend gegen Györ ausgeschieden.

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Franzosen die Europa League nicht besonders ernst nehmen. Denen ist die Fünfjahreswertung nicht so wichtig, so dass dort auch gelegentlich der zweite Anzug spielen darf.

Das Achtelfinale der Champions League mit Lyon und Marseille im Überblick

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