Donnerstag, 05.08.2010

Frankreich

Blanc nominiert Benzema und Nasri

Nach dem blamablen WM-Auftritt verzichtet Frankreichs neuer Nationaltrainer Laurent Blanc im Test gegen Norwegen auf alle WM-Teilnehmer. Einige aussortierte Spieler kehren zurück.

Laurent Blanc trainierte bis Juli 2010 drei Jahre lang Girondins Bordeaux
© Getty
Laurent Blanc trainierte bis Juli 2010 drei Jahre lang Girondins Bordeaux

Laurent Blanc hat Wort gehalten - einen Kahlschlag wird er im französischen Fußball nach dem WM-Desaster aber nicht machen. Der Weltmeister von 1998 verzichtet in seinem ersten Spiel als Nationaltrainer der Equipe Tricolore am 11. August in Oslo gegen Norwegen auf sämtliche WM-Versager.

Der einstige Abwehrchef Blanc gab am Donnerstag sein 22-köpfiges Aufgebot bekannt, in dem insgesamt 13 Debütanten sowie die Rückkehrer Karim Benzema, Samir El Nasri und auch Philippe Mexes stehen. Dagegen kein Nicolas Anelka, Patrice Evra oder Franck Ribery, der ohnehin nicht zur Verfügung gestanden hätte.

"Was in Südafrika passiert ist, kann nicht ausradiert werden. Das hinterlässt eine Narbe", sagte der neue Mann auf der Brücke im französischen Fußball. Aber auch Blanc wird auf einen dauerhaften radikalen Umbau, wie von der Öffentlichkeit nach dem WM-Desaster gefordert, verzichten. "Ich habe keine Informationen, die mich dazu veranlassen würden, einen derartigen Schritt zu machen", erklärte Blanc. Im ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland (3. September) steht den "Rebellen von Südafrika" wieder offen.

Blanc setzt Zeichen

Den "Bösewicht" hatte der Nachfolger des ungeliebten Raymond Domenech ohnehin nicht geben wollen, aber ein Zeichen musste er zumindest für den ersten Auftritt nach der sportlich blamablen WM mit den schier unglaublichen Vorfällen setzen. Mit nur einem Punkt war der Vizeweltmeister von 2006 in der Vorrunde ausgeschieden.

Anelka war vorzeitig nach Hause geschickt worden, nachdem er Domenech in der Halbzeit des Spiels gegen Mexiko (0:2) übelst beleidigt hatte. Es folgte vor dem letzten Spiel gegen Südafrika aus Protest ein Trainingsboykott, Rädelsführer soll Evra gewesen sein.

"Ich bin Nationaltrainer geworden, weil ich ein Ziel erreichen soll. Ich hoffe, dass ich dafür die richtigen Kräfte zur Verfügung habe. Wir dürfen uns nicht selbst in den Fuß schießen, bevor wir unser Ziel erreichen - die EURO 2012", sagte Blanc und meinte weiter: "Es gibt nur einen Weg, die Erinnerungen an Südafrika auszulöschen, und das ist gewinnen."

Mit Benzema und Nasri, die vor der WM gestrichen worden waren, oder Mexes hat Blanc für das Norwegen-Spiel nicht eben pflegeleichte Kandidaten für einen Neuanfang ausgewählt. Der für Spaniens Rekordmeister Real Madrid spielende Benzema steckt zum Beispiel wie Bayern Münchens Superstar Franck Ribery mitten in der Rotlicht-Affäre.

Benzema-Nominierung trotz schwebenden Verfahrens

Blanc ließ sich damit auch nicht von der französischen Gesundheits- und Sportministerin Roselyne Bachelot beeinflussen, die gefordert hatte, Benzema und Ribery wegen des schwebenden Verfahrens um möglichen Sex mit einer Minderjährigen nicht zu nominieren.

"Das Privatleben geht mich nichts an. Ich habe eine sportliche Entscheidung zu treffen. Auch wenn er nicht in der besten physischen und psychischen Verfassung ist, kann er ein integraler Teil der französischen Mannschaft sein", sagte Blanc zu Benzema.

Übrigens: Am Freitag wird der französische Verband FFF die Ergebnisse einer Untersuchungskommission präsentieren, die die skandalösen Vorfälle in Südafrika aufarbeiten sollte. Danach soll es auch Konsequenzen geben. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte sich unlängst entsetzt über das Nationalteam geäußert: "Das Bild, das das französische Team in Südafrika abgegeben hat? Katastrophal! Ich sage: 'Diejenigen, die verantwortlich sind, müssen gehen.'"

Einige Vereine in Frankreich haben im übrigen auf das unsägliche Verhalten reagiert: Wenn Spieler mit Kopfhörer auf den Ohren beim Training erscheinen, gibt es eine Strafe.

Der komplette Kader im Überblick

Tor: Nicolas Douchez (Stades Rennes), Stephane Ruffier (AS Monaco)

Abwehr: Aly Cissokho (Olympique Lyon), Mathieu Debuchy (OSC Lille), Rod Fanni (Stades Rennes), Philippe Mexes (AS Rom), Adil Rami (OSC Lille), Mamadou Sakho (Paris St. Germain), Benoit Tremoulinas (Girondins Bordeaux)

Mittelfeld: Yohan Cabaye (OSC Lille), Lassana Diarra (Real Madrid), Blaise Matuidi (AS Saint-Etienne), Yann Mvila (Stades Rennes), Samir Nasri (FC Arsenal), Charles Nzogbia (Wigan Athletic), Moussa Sissoko (FC Toulouse)

Angriff: Hatem Ben Arfa (Olympique Marseille), Karim Benzema (Real Madrid), Jimmy Briand (Olympique Lyon), Guillaume Hoarau (Paris St. Germain), Jeremy Menez (AS Rom), Loic Remy (OGC Nizza)

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