Ein Albanien-Monster stellt alle in den Schatten

SID
Donnerstag, 13.08.2009 | 10:55 Uhr
Lorik Cana wechselte für 6,5 Millionen Euro von Marseille zu Sunderland
© Getty
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Pünktlich zum Saisonstart der Premier League meldet sich auch Raphael Honigstein mit seiner Kolumne bei SPOX zurück. Den Anfang machen die zehn Top-Transfers Englands. Mit dabei: Ein serbisches Schnäppchen, ein variabler Belgier und ein resoluter Albaner.

Arsene Wenger, der Mann mit dem Wirtschaftsdiplom, hatte es schon Anfang Mai prophezeit, als drei englische Vertreter im Halbfinale der Champions League standen.

"Die neue Steuergesetzgebung und der Kollaps des britischen Pfundes bedeuten, dass es mit der Dominanz der Premier League zu Ende geht", sagte Arsenals Trainer. "Das ist sicher. Die Vereine werden ein finanzielles Problem haben".

Pfund hat 20 Prozent an Wert verloren

Im Vergleich zum August 2007, als das Pfund noch 1,47 Euro wert war, hat die Währung auf der Insel mehr als 20 Prozent an Wert verloren. (Stand heute: 1 Pfund = 1,16 Euro). Dazu kommt die Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 45 auf 50 Prozent.

Da gerade ausländische Spieler nur am Nettoverdienst interessiert sind, muss der Verein den Fehlbetrag in der Regel ausgleichen. In der Summe kostet ein ausländischer Spieler heute also ein gutes Viertel mehr als noch vor zwei Jahren.

Dazu drücken bei Liverpool, Manchester United und Arsenal (Stadionneubau) auch noch gewaltige Schulden das Investitionsvolumen.

Die Folgen dieser Entwicklung haben in diesem Sommer voll durchgeschlagen. Sergio Agüero von Atletico Madrid stand beispielsweise sehr lange in Verhandlungen mit dem FC Chelsea. Der Klub von Michael Ballack hatte sich mit den Spaniern bereits auf eine Ablösesumme verständigt, doch der Deal scheiterte an der Gehaltsforderung des Argentiniers.

Der 21-Jährige, der in Spanien von der niedrigen 24 Prozent-Einkommenssteuer für Ausländer profitiert, wollte in London sieben Millionen Euro netto verdienen. Um auf diese Summe zu kommen, hätte Chelsea ihm unglaubliche 230.000 Pfund brutto pro Woche zahlen müssen.

Zum Vergleich: Frank Lampard, John Terry und Michael Ballack, die drei Bestverdiener bei den Blauen, bekommen derzeit 145.000 Pfund brutto in der Woche.

Einzige Ausnahme: Manchester City

Wer sich diese Zahlen veranschaulicht, versteht schnell, warum die englischen Klubs bei den ganz großen Transfers dieses Sommers  - Cristiano Ronaldo, Ibrahimovic, Kaka, Xabi Alonso, Karim Benzema - nur als Verkäufer auf den Plan getreten sind.

Manchester United, nach dem Verkauf von Ronaldo eigentlich gut bei Kasse, zog bei Benzema (Olympique Lyon/Real Madrid) den Kürzeren und verabschiedete sich sehr früh aus dem Rennen um Franck Ribery.

Die große Ausnahme stellt das von den Abu Dhabi-Millionen hochgepäppelte Manchester City dar. Der Klub von Mark Hughes hat mehr als 100 Millionen Euro investiert, dabei allerdings ausschließlich andere Premier-League-Spieler kaufen können. Auch das ist kein Zufall.

"Ich mache mir erst Sorgen, wenn wir 100 Ronaldos verlieren", sagt Premier-League-Geschäftsführer Richard Scudamore zu dem Verlust der Star-Qualität betont gelassen, "wir sprechen uns am 1. September wieder, wenn das Transferfenster geschlossen ist". In der Zwischenzeit bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass die Liga ein wenig an Glanz verloren hat.

Um die zehn Top-Transfers vor Saisonbeginn zu benennen, muss man diesmal deswegen schon etwas genauer hinschauen.

Hier ist meine, wie immer, höchst subjektive Liste. Ich freue mich über Kritik, Einwände, Kommentare, Gegenvorschläge.

10. Thomas Vermaelen, Arsenal (12 Millionen Euro, Ajax Amsterdam): Der nach dem Abschied von Kolo Toure (ManCity) dringend benötigte Verteidiger kann innen oder Linksaußen spielen. Jaap Stam traut dem Belgier eine große Karriere zu. "Er hat mir schon als Youngster gut gefallen", sagte der ehemalige Manchester-United-Spieler, "er ist schnell, technisch gut, bringt alles mit." Für den Geschmack von Arsenal-Legende Tony Adams ist der 23-Jährige mit 1,80 m zwar "zu klein", aber Robin van Persie glaubt, dass Wenger richtig liegt. "Er wird ihn 30 oder 40 Mal spielen gesehen haben", sagte van Persie. "Ich halte die Verpflichtung für eine gute Sache".

9. Michael Owen, Manchester United (ablösefrei, Newcastle United): Die größte Überraschung dieses Sommers, aber trotz Owens sprichwörtlicher Verletzungsanfälligkeit ein sehr überschaubares Risiko. Der 29-Jährige kam zum Nulltarif vom Absteiger ins Old Trafford und spielt dort für ein stark leistungsbezogenes Gehalt. Owen ist genau der richtige Mann für eine späte Einwechslung, ein neuer Ole Gunnar Solskjaer, wenn man so will. "Mickey" wird sicher seine Tore machen, besonders in den Heimspielen.

8. Glen Johnson, Liverpool (20 Millionen Euro, Portsmouth): Der 24-Jährige wurde in der vergangenen Saison endlich seinem Potenzial auf der Position des rechten Verteidigers gerecht. Er schoss eines der schönsten Tore des Jahres und fiel durch mehr Professionalismus auf. Chelsea, sein alter Klub, bot auch um ihn mit, doch am Ende entschied sich Johnson für Anfield. In der sehr hoch anmutenden Ablösesumme sind übrigens 11 Millionen mitverrechnet, die Portsmouth Liverpool noch für Peter Crouch schuldete. Falls es Rafael Benitez gelingt, ihm an der Mersey  noch ein besseres Stellungsspiel beizubringen, wird Johnson einer der besten Außenverteidiger in Europa werden. Der kleine Fauxpas vom Januar 2007, als er für den versuchten Diebstahl einer Klobrille zu 80 Pfund Strafe verurteilt wurde (kein Witz), ist dann auch bald vergessen.

7. Nenad Milijas, Wolverhampton (3 Millionen Euro, Roter Stern Belgrad): Bestätigt der 26-jährige Mittelfeldspieler auch nur annähernd seine Form aus der serbischen Liga, muss man ihn als ein ganz großes Schnäppchen verbuchen. Der Linksfuß, an dem auch Dortmund, Köln und Gladbach interessiert waren, ist ein klassicher box-to-box-player mit Spielmacherqualitäten, immer unterwegs und brandgefährlich. 18 Ligatore gelangen dem Nationalspieler in der vergangenen Saison. Wird nach einer guten WM in Südafrika ein Vielfaches der Transfersumme wert sein.

6. Fabian Delph, Aston Villa (9,5 Millionen Euro, Leeds United): Die halbe Liga (Everton, Man City, Tottenham) war hinter dem 19-Jährigen Mittelfeldspieler her. U-21-Nationalspieler Delph ist flexibel einsetzbar, grätscht für sein Alter schon verdammt gut die Leute weg und hat ab und an auch mal einen Hammer in den Winkel im Repertoire. Sky-Experte Jamie Redknapp sieht ihn als den "neuen Steven Gerrard". Ein Junge, der auch ohne Führerschein (18 Monate Fahrverbot wegen Alkohol am Steuer) kaum aufzuhalten sein dürfte.

5. Carlos Tevez, Manchester City (28 Millionen Euro, Manchester United/vereinslos): Kurz nach der Vertragsunterschrift ließ Manchester City ein hellblaues Poster mit seinem Bild drucken, auf dem "Welcome to Manchester" stand. Das spielte darauf an, dass die Lokalrivalen von United nicht in der Stadt selbst, sondern in der Nachbargemeinde Trafford zu Hause sind. Die Verpflichtung des Argentiniers ist jedoch mehr als ein PR-Coup. Der 25-Jährige ist mit seinem unbändigen Einsatzwillen genau der richtige Mann, um Citys etwas zusammen gewürfelten Haufen auf Trab zu bringen. Tevez wird es zudem allen zeigen wollen. Auch für das viele Geld: ein echter Spitzenmann.

4. Antonio Valencia, Manchester United (18 Millionen Pfund, Wigan Athletic): Der neue Cristiano Ronaldo wird der Ekuadorianer nicht sein können, dafür schießt er zu wenig Tore: sechs in 47 Spielen waren es vergangene Saison. In der Luft ist der 24-Jährige ebenfalls nicht außergewöhnlich gut, doch er hat jede Menge Zug zum Tor, einen starken Antritt und sehr passablen Schuss. Er wird sicherlich eine Zeit brauchen, um sich dem höheren Niveau bei United anzupassen. Aber die Anlagen, neben Nani einer der Leistungsträger auf den Flügeln zu werden, hat er bestimmt.

3. Gareth Barry, Manchester City (14 Millionen Euro, Aston Villa): Mark Hughes' Königstransfer. Barry, den auch Wenger und Benitez gerne gehabt hätten, bringt Ruhe und Struktur ins Spiel und hat sich auch in der Nationalmannschaft als Stammspieler etabliert. Spielt meist unspektakulär, aber unglaublich sicher am Ball. Sollte mit seinen 28 Jahren in den nächsten zwei Spielzeiten seinen Leistungshöhepunkt erreichen. Für City-Verhältnisse fast schon ein Billigspieler, aber mit Abstand der beste Einkauf.

2. Juri Schirkow, Chelsea (20 Millionen Euro, ZSKA Moskau): "Juri, lern' Englisch", empfahl Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch dem Linksaußen schon vor drei Jahren. Nun hat es endlich mit dem Wechsel an die Themse geklappt: Der 25-jährige Russe dürfte mit seinem schnellen, technisch perfekten Spiel einer der Stars der kommenden Saison werden. Im Notfall kann er auch einen verdammt offensiven Linksverteidiger geben. Ashley Cole und Florent Malouda müssen vielleicht bald Russisch lernen.

1. Lorik Cana, Sunderland (6,5 Millionen Euro, Marseille): Wer? Die Frage ist berechtigt, aber nicht mehr lange. Der Albaner ist ein Monster - Abräumer, Spielmacher, Leader und wenn es sein muss auch Innenverteidiger in Personalunion. "Die Ablösesumme ist gemessen an seinen Fähigkeiten im Grunde ein Witz", sagt Philippe Auclair, der England-Korrespondent von "France Football". Cana, 26, war wegen seiner Führungsqualitäten Kapitän in Marseille und bekam schon vor dem ersten Spiel das Armband von Sunderland-Trainer Steve Bruce. Ein unerhörter Vorgang in der Premier League - aber Cana ist ja auch unerhört gut.

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Raphael Honigstein lebt und arbeitet seit 15 Jahren in London. Für die "Süddeutsche Zeitung" berichtet er über den englischen Fußball und ist Kolumnist für die britische Tageszeitung "The Guardian". Beim Premier-League-Rechteinhaber "Setanta Sports" fungiert Honigstein als Experte für den deutschen Fußball. In Deutschland wurde der 35-Jährige auch bekannt durch sein Buch "Harder, Better, Faster, Stronger - Die geheime Geschichte des englischen Fußballs". Zudem ist er als Blogger bei footbo.com tätig.

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