Fussball

Moritz Leitner im Interview: "Ich habe mich eher gewundert, dass ich da mitspiele"

Von Robin Haack
Moritz Leitner kommt bisher auf 44 Pflichtspieleinsätze für Norwich City.

Am Freitag ist für alle bei Norwich City ein ganz besonderer Tag: Nach dem Aufstieg im Frühsommer und der Rückkehr in die Premier League dürfen die Canaries am Abend (21 Uhr im LIVETICKER) die neue Saison in Englands Oberhaus eröffnen. Und das auch noch gegen Vizemeister und Champions-League-Sieger Liverpool.

Für Mittelfeldspieler Moritz Leitner, seit Anfang 2018 bei Norwich, ist der Tag vielleicht sogar noch etwas spezieller als für seine Mitspieler. Schließlich trifft der 26-jährige Deutsche mit Jürgen Klopp auch noch auf seinen Ex-Trainer, unter dem er 2012 mit Borussia Dortmund die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal gewann.

Im exklusiven Interview mit Goal und SPOX spricht Leitner vor dem Premier-League-Auftakt über seine Zeit unter Klopp, die Wahrnehmung als ewiges Talent, Ziele mit Norwich und sein unglückliches Intermezzo bei Lazio Rom.

Herr Leitner, wie haben Sie den Aufstieg mit Norwich in der vergangenen Saison erlebt?

Moritz Leitner: Das war ein ganz großartiges Erlebnis, eine Mega-Party. Die ganze Stadt war im Ausnahmezustand, einfach der Wahnsinn. Diesen kollektiven Freudentaumel werde ich nie vergessen.

Wie haben Sie als Mannschaft den Aufstieg gefeiert?

Leitner: Sehr laut und fröhlich. Wir hatten ja die ganze Saison über einen tollen Spirit in der Mannschaft, haben uns alle untereinander sehr gut verstanden. Mit so einem Erfolg im Rücken ist es dann mit diesen Jungs nicht schwer, maximal Spaß zu haben. Wir waren auf jeden Fall danach ganz schön heiser, so viel wie wir gesungen haben ...

Was war das Verrückteste, das Sie während der Feierlichkeiten erlebt haben?

Leitner: Da gab es ganz viele tolle Erlebnisse mit den Fans. Die Leute lieben ihre Canaries, haben alle wie die Wilden mitgefeiert in zum Teil total irren Kostümen. Manche sahen selbst aus wie Kanarienvögel und machten auch solche Geräusche (lacht).

Moritz Leitner: "Daniel Farke ist ein Bessermacher"

Wie wurde es in England wahrgenommen, dass der Klub seit der Ankunft von Daniel Farke so viele deutsche Spieler verpflichtet hat?

Leitner: Naja, es gibt ja hier inzwischen einen eigenen Song dafür. "Parklife" von Blur wurde extra umgetextet und die Fans singen jetzt: "All the germans, so many germans." Das klingt schon sehr witzig, aber es ist auch ein Kompliment. Daniel Farke genießt hier höchste Anerkennung, man vertraut ihm. Bei den Spielern geht es aber nicht in erster Linie darum, wo sie herkommen, sondern was sie draufhaben. Wenn du es bringst und für den Verein alles gibst, dann bist du hier sehr akzeptiert.

Wie groß ist Farkes Anteil am Erfolg?

Leitner: Sehr groß. Er ist der Vater dieses Erfolges.

Was zeichnet Ihn als Trainer aus?

Leitner: Er ist charakterlich und fachlich ein Super-Typ, ein echter Leader und ein Vorbild.

Was für ein Trainertyp ist er denn?

Leitner: Er ist ein Bessermacher. Er erkennt die Potenziale eines jeden Einzelnen und hilft dir, dich kontinuierlich zu verbessern. Und die einzelnen Spieler formt er dann zu einem Team, das für ihn durchs Feuer geht. Das ist schon klasse, wie er das macht.

Mit welchem großen Trainer kann man ihn vergleichen?

Leitner: Ich finde er ist auf seine Art eine ganz eigene und besondere Persönlichkeit. Ein Vergleich mit jemand anderem würde ihm nicht gerecht werden.

Wie hat sich die Wahrnehmung von Norwich City im Verlauf der vergangenen Monate verändert?

Leitner: Wir waren schon etwas länger unter Beobachtung, man hatte uns auf dem Radar. Durch den Aufstieg sind wir jetzt natürlich ganz anders im Fokus. Die Premier League ist schließlich ein weltweites Top-Produkt - auch in Deutschland gibt's die ja live zu sehen. Da freuen sich auch viele meiner Weggefährten. Ich winke dann auch mal. (lacht)

Anders als Norwich hat Mit-Aufsteiger Aston Villa weit über 100 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben. Wie bewerten Sie das?

Leitner: Das sollte man aus meiner Sicht nicht überbewerten. Der Markt hier ist schon auch ein bisschen verrückt. Vor allem die Ablösesummen. Die Summe der Investments alleine ist keine Garantie dafür, dass eine Mannschaft auch funktioniert. Eine eingespielte Truppe, die sich gut kennt gezielt zu verstärken kann auch viel Sinn machen. Abgerechnet wird sowieso nach Saisonende, dann werden wir wissen, ob sich die Investments gelohnt haben oder nicht.

Leitner meldet Ansprüche auf Stammplatz an

Können Sie auch die Klasse halten, ohne derart viel Geld zu investieren?

Leitner: Möglich ist alles, gerade wenn eine Mannschaft maximale Leidenschaft an den Tag legt.

Mit welchem Ziel starten Sie als Verein in die kommende Saison?

Leitner: Wir wollen natürlich die Klasse halten.

In der Rückrunde der vergangenen Spielzeit standen Sie kaum noch in der Startelf. Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Leitner: In der Vorrunde war ich immer drin. Eine Saison ist immer auch eine Achterbahnfahrt. Wenn du verletzt pausieren musst, übernimmt ein anderer deinen Job. Und wenn der es gut macht, gibt es keinen Grund, ihn wieder rauszunehmen. Damit muss man als Spieler umgehen können. Wir sind ein Team und jeder wird in einer langen Saison gebraucht. Auf und neben dem Platz. Aber in der neuen Saison geht es wieder bei null los für alle. Wenn ich gesund bin habe ich den Anspruch, dem Trainer jede Woche gute Argumente zu liefern, mich einzusetzen. Daniel Farke ist ein absolut fairer und kommunikativer Trainer, jeder weiß immer woran er ist. Das ist mir wichtig.

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