Fussball

Manchester United verpflichtet Daniel James: Der Rote Teufel aus der dritten Reihe

Wechselt für rund 17 Millionen Euro von Swansea City zu Manchester United: Daniel James.

Vor zwei Jahren kehrte Daniel James nach einer völlig verkorksten Leihe zu Swansea City zurück. Trainer Graham Potter hielt ihn damals von einem Wechsel in die Viertklassigkeit ab. Nun schließt sich der einstige "Shrewsbury-Town-Flop" für 17 Millionen Euro Manchester United an. Ein geplatzter Wintertransfer und zwei Traumtore wurden zu Knackpunkten einer noch jungen Karriere.

"Das ist absolut sensationell!" Fußball-Kommentatoren wird heutzutage oftmals angelastet, das Geschehen auf dem Rasen 90 Minuten und ein bisschen länger entweder brachial langweilig oder gar falsch wiederzugeben. Im schlimmsten Fall beides gleichzeitig. Doch als sich die Stimme eines britischen Kollegen an diesem 17. Februar vor Jauchzen und Begeisterung überschlug, war das weder falsch noch langweilig, sondern einfach angemessen.

Als "brilliant" und "elektrisierend" beschrieb der berauschte Kommentator für das britische Fernsehen diese unglaublichen 8,48 Sekunden, die sich soeben im Liberty Stadium von Swansea City abgespielt hatten. Zu Beginn dieser 8,48 Sekunden schnappte sich der 21 Jahre alte Daniel James am eigenen Sechzehner den Ball. Am Ende der 8,48 Sekunden und knapp 77 Meter sowie drei stehen gelassene Verteidiger später, brachte er ihn im Tor des FC Brentford unter.

Die 53. Minute jenes Fünftrundenspiels im FA Cup 2019, das Swansea nach Rückstand noch 4:1 gewann, machte James in England zu einem Internet-Phänomen. Und selbst sein sonst so sachlicher Trainer bei Swansea, Graham Potter, wirkte plötzlich wie ein begeisterter Zuschauer.

Wie einer, der zwar nicht so ganz genau wusste, was er da gesehen hatte, aber der wusste, dass es etwas Außergewöhnliches war. "Wow", entfuhr es dem 44-Jährigen nach dem Spiel, in dem James nicht nur dieses eine Tor selbst schoss, sondern darüber hinaus noch an zwei weiteren direkt beteiligt war.

Daniel James: Ein geplatzter Wechsel als Wink des Schicksals

Neben der Begeisterung für die Leistung des jungen Walisers schwang aber gleichzeitig auch ein wenig Erleichterung mit. Erleichterung darüber, dass James an diesem Februartag überhaupt noch das Trikot der Schwäne getragen hatte und sich nicht von dem Gefühl, am Boden zerstört zu sein, hatte übermannen lassen.

Denn nur wenige Tage zuvor wollte James eigentlich schon weg. Zu Leeds United sollte es gehen, einem Ligakonkurrenten der Swans mit Aufstiegsambitionen. Und zu Marcelo Bielsa, den Fußballprofessor und den für Pep Guardiola "besten Trainer der Welt", der ihn unbedingt haben wollte und sogar seinen ausführlichen Scouting-Bericht zu James im Zuge des jetzt schon berüchtigten Spy-Gate öffentlich machte.

Eigentlich war der Deal schon unter Dach und Fach. James hatte den Medizincheck an der Elland Road bestanden, gab der vereinseigenen Medienabteilung sogar schon Interviews. Doch der Deal platzte kurz vor Ende des Deadline Day.

Der klamme walisische Klub wollte die 1,5 Millionen Euro Leihgebühr für James nicht - wie vorher mit Leeds vereinbart - erst am Ende der Saison zusätzlich zu 8,5 Millionen Euro Ablöse kassieren, sondern schon im Winter haben. Leeds lehnte ab und James musste nach Wales zurückkehren.

"Swansea hat keine Anstalten gemacht, Daniel zu behalten und als sie das Geld rochen, konnten sie ihm gar nicht schnell genug die Tür zeigen", echauffierte sich dessen Berater David Manaseeh. Doch das Transfer-Fiasko um James sollte sich als Segen für alle Beteiligten herausstellen.

Daniel James: Der "Shrewsbury-Town-Flop" geht zu Manchester United

Jener Solo-Lauf im Februar gegen Brentford hatte James zwar zu einem gewissen Bekanntheitsgrad verholfen, doch es war ein Spiel im April gegen Stoke City, das ihn wohl erst auf den Zettel von Manchester United gebracht hatte. Vor den Augen von Wales-Nationaltrainer und United-Legende Ryan Giggs gelang James erneut ein fabelhafter Treffer. Bruno Martins Indi und Tom Edwards wurden des Feldes verwiesen, weil sie sich gegen James nur mit Foulspielen zu helfen wussten.

"Das war eine der besten individuellen Leistungen, die ich jemals gesehen habe", schwärmte Joe Allen, der an diesem Tag mit Stoke gegen James und Swansea mit 1:3 verlor, jedoch auch mit James gemeinsam in der walisischen Nationalmannschaft spielt. Dort debütierte James erst im November des vergangenen Jahres, im März folgte sein zweiter Einsatz und gleich sein erstes Tor.

Der Aufstieg des bei Hull City ausgebildeten Flügelspielers verläuft rasend schnell. Fast so schnell, wie er es selbst ist. Kaum zwei Jahre ist es her, da kehrte James als "Shrewsbury-Town-Flop" zu Swansea zurück. Die Schwäne hatten ihn verliehen, damit der Jugendspieler in der dritten Liga Spielpraxis bei den Profis sammeln konnte. Doch daraus wurde nichts.

James hatte Fitnessprobleme nach einer Hernien-Operation und Trainer Paul Hurst keine Geduld mit dem damals 19-Jährigen. Als James nach Wales zurückgeschickt wurde, wollte er eigentlich gleich weiterflüchten und zum Viertligisten Yeovil Town. Doch Potter sagte ihm, dass er seine Chance bekommen werde und hielt Wort.

Nur noch ein paar Schlagzeilen zeugen von der schwierigen Phase, die James bei Shrewsbury durchlief. "Coach Hurst verlangt von Leihspieler Dan James, auf Tempo zu kommen", titelte beispielsweise der Shopshire Star, eine regionale Abendzeitung in Großbritannien. Wer James heute spielen sieht, würde sie glatt als "Fake News" abtun.

Daniel James: Spielerstatistiken bei Swansea City

StatistikWert
Spiele38
Einsatzzeiten2507
Tore6
Torvorlagen7
Passquote81 Prozent

Daniel James: Schnell wie Bolt - noch nicht so kalt wie Ronaldo

"James' Geschwindigkeit erinnert mich an Usain Bolt - so schnell wie er zu sein, ist wirklich unglaublich", sagte Ungarns Nationaltrainer Marco Rossi kurz nachdem der Wechsel von James zu Manchester United publik wurde und kurz vor dem EM-Qualifikationsspiel von Wales in Ungarn.

Er könne sich an keinen Spieler erinnern, den er derart sensationell fand. James erinnere ihn an den Brasilianer Ronaldo, gegen den Rossi selbst noch als aktiver Fußballer gespielt hat und der für ihn "der Beste nach Maradona" gewesen sei. Die Eiseskälte vor dem Tor, die Ronaldo in seinen besten Zeiten auszeichnete, fehlt James jedoch noch. Kritische Zungen behaupten, dass er in der abgelaufenen Saison auch gut und gerne zweistellig in den 38 Pflichtspielen hätte treffen können. Am Ende kam James auf sechs Tore für Swansea.

Ein halbes Dutzend Empfehlungsschreiben, garniert mit zehn Vorlagen als Bewerbungsanlagen, die in Manchester Begehrlichkeiten weckten und letztendlich die Börse weit öffneten. 17 Millionen Euro blätterten die Red Devils für den Linksaußen hin. Eine Investition, die sich lohnen wird. Zumindest nach Einschätzung von Klub-Legende Giggs.

"United-Fans werden es genießen, ihm zuzusehen", sagte er und gab seinem Nationalspieler noch eine Nachricht mit auf den Weg: "Habe Freude an der Aufgabe, sei du selbst und du wirst es schaffen." Die Chancen dafür stehen auch gar nicht schlecht, schließlich hatte Ole Gunnar Solskjaer bereits im April einen radikalen Kaderumbruch angekündigt. Die James-Verpflichtung ist nun die erste Tat, die großen Worten folgt.

Und James selbst? Der sagte seinem guten Freund Oli McBurnie, mit dem er gemeinsam den Sprung aus Swanseas U23 zu den Profis schaffte und sogar in einer WG lebte, dass es "komplett surreal" für ihn sei, jetzt das Trikot der Red Devils zu tragen: "Letzte Saison habe ich kein einziges Spiel bei Shrewsbury in der dritten Liga gemacht und jetzt bin ich bei Manchester United. Verrückt, wie der Fußball ist."

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