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Klopps alternativer Arbeiter: Wie Fabinho Guardiolas Fehler entlarvt

Fabinho (l.) erweitert die Optionen von Jürgen Klopp im Mittelfeld des FC Liverpool.

Das englische Topspiel zwischen Manchester City und FC Liverpool (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER und LIVE auf DAZN) steht ganz im Zeichen von Pep Guardiola und Jürgen Klopp. Auch wegen Fabinho. Klopp gewann vor der Saison das Tauziehen gegen Guardiola um den brasilianischen Defensivexperten. Oder anders formuliert: Guardiola ließ ihn gewinnen. Ein Fehler des City-Trainers, denn auch dank Fabinho dominieren die Reds die Premier League. Eine Geschichte über einen Mann mit einem alternativen Karriereweg.

Pep Guardiola irrt sich selten. Dafür ist er in seinem Denken und Handeln viel zu perfektionistisch gestrickt. Gerade wenn es um die Zusammenstellung seines Kaders geht, achtet der Coach von Manchester City auf jedes noch so kleine Detail.

Im vergangenen Sommer unterlief dem katalanischen Akribiker aber ein folgenschweres Missgeschick: Er sah davon ab, sein defensives Mittelfeld zu verstärken. Wohl auch, weil er sich zu sehr auf Fernandinho verließ.

Fernandinho ist, obwohl Brasilianer, so etwas wie der heimliche Dirigent im Konzert der himmelblauen Ballvirtuosen. Er ist der schnörkellose Drecksarbeiter, der Ilkay Gündogan und den beiden Silvas David und Bernardo mit klugem Positionsspiel und routinierter Gelassenheit den Rücken freihält. Oder mit den Worten von Guardiola: "Ein unglaublich wichtiger Spieler."

Fernandinho oder nix: Pep Guardiolas Sechser-Problem

Fernandinho ist aber auch schon 33. Er braucht mehr Pausen, als Guardiola ihm angesichts der hohen Belastung mit vier Wettbewerben (Premier League, Champions League, FA Cup, League Cup) zugestehen kann. Die stiefmütterliche Regeneration machte sich Mitte Dezember bemerkbar, als muskuläre Probleme im Oberschenkel den Sechser etwa zwei Wochen lang ausbremsten.

Dass City in diesen zwei Wochen zwei Spiele verlor und fünf Gegentore kassierte, war kein Zufall. Fernandinho fehlte an allen Ecken und Enden. Zu dieser Erkenntnis kam auch Guardiola. Sein Versuch, den Achter Gündogan um eine Position nach hinten zu verschieben, ging ebenso in die Hose wie das Experiment, Innenverteidiger John Stones nach vorne zu beordern.

Mittlerweile ist Fernandinho wieder fit. Auch für den richtungsweisenden Schlagabtausch mit dem enteilten Tabellenführer FC Liverpool (Donnerstag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER und LIVE auf DAZN). "Zum Glück", wie Guardiola sagt. Eine Dauerlösung für den Fall, dass der zuverlässige Oldie erneut ausfällt, ist aber nicht in Sicht. "Wir würden gerne einen Backup verpflichten, doch der Markt gibt aktuell nichts her", klagt Guardiola.

Pep Guardiola verzichtet auf Fabinho - Jürgen Klopp schlägt zu

Im letzten Jahr sah das noch anders aus. Damals stand Fabinho, ein anderer Brasilianer mit außerordentlichen Defensivqualitäten, ziemlich weit oben auf Guardiolas Wunschliste. Aber anscheinend nicht ganz weit oben. Liverpool-Trainer Jürgen Klopp kam ihm zuvor und bemühte sich rege um den europaweit heiß begehrten Profi der AS Monaco.

Ende Mai, kurz nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid, gaben die Reds schließlich den Deal mit Fabinho bekannt. Etwa 45 Millionen Euro war Klopp das ganze Tauziehen wert gewesen. Dabei hätte er sich Guardiola womöglich geschlagen geben müssen, wäre dieser aktiver geworden. Zumindest, wenn man den Worten von Fabinhos Vater beim französischen TV-Sender Canal+ im Februar 2017 Glauben schenkt.

"Wir haben mit so vielen Klubs gesprochen. Ich muss sagen, mein Sohn hat eine kleine Schwäche für City. Ihm gefällt der Fußball, den City spielt", verriet Fabinho senior damals.

Fabinho mit Startschwierigkeiten beim FC Liverpool

Dass Fabio Henrique Tavares, so heißt Fabinho mit vollem Namen, seine meisten Wochenenden inzwischen an der Anfield Road statt im Etihad Stadium verbringt, tut sicherlich weder ihm noch seinem Vater weh. Jedenfalls nicht mehr.

Der Rechtsfuß hatte nach seinem Wechsel von der Ligue 1 in die Premier League nämlich große Schwierigkeiten, sich dem noch temporeicheren und körperbetonteren Fußball auf der Insel anzupassen. Klopp strich ihn anfangs hin und wieder sogar aus seinem Kader, wodurch die Yellow Press bereits auf die Idee kam, den fünftteuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte als Flop zu verschmähen.

"Der Plan ist immer noch, dass er uns besser macht", sagte Klopp Mitte September. Man müsse Fabinho Zeit geben, mindestens sechs Monate. So lange brauchte er nicht. Trotz seiner 25 Jahre ist der nahe Sao Paulo geborene und aufgewachsene Brasilianer ein erprobter Weltenbummler, der in befremdlichen Situationen kühlen Kopf bewahrt.

Dank Jorge Mendes zu Real Madrid: Fabinhos alternativer Weg

Fabinho hat einen alternativen Weg bis nach ganz oben hinter sich: Er verließ seine Heimat schon mit 19, weil er für sich keine Chance bei den Profis von Fluminense sah und unterschrieb beim portugiesischen Erstligisten Rio Ave. Dort bestritt er aber kein einziges Pflichtspiel - auch, weil Star-Berater Jorge Mendes ihn für sich gewann und kurzerhand auf Leihbasis zu Real Madrid transferierte. Zunächst spielte der gelernte Rechtsverteidiger für die Zweitvertretung der Königlichen.

Jose Mourinho, zum damaligen Zeitpunkt Proficoach bei Real, ließ ihn am 17. August 2012 bei einem Spiel in der Primera Division gegen den FC Villarreal debütieren. Nach Mourinhos Abschied aus der spanischen Hauptstadt boten ihm die Madrilenen jedoch keine vielversprechende Perspektive. Fabinho zog weiter ins Fürstentum. Bei der AS Monaco reifte er Saison für Saison zu einem vielseitigen, unverzichtbaren Defensivspieler und hatte entscheidenden Anteil an dem Meistertitel 2017.

Sein Ex-Coach Leonardo Jardim setzte ihn zumeist auf der Position des Sechsers ein, wo er seine Stärken am besten zur Geltung kamen. Fabinho ist trotz seiner Zweikampfstärke technisch beschlagen. In der vergangenen Saison eroberte er in der Ligue 1 die meisten Bälle (sieben pro Einsatz, insgesamt 250) und spielte die meisten erfolgreichen Pässe der Monegassen (1708).

Defensivspezialist Fabinho erweitert Jürgen Klopps Optionen

Hinzu kommen seine Schnelligkeit und sein Zug zum Tor. Mit seinen 1,88 Metern ist Fabinho überdies eine Waffe in der Luft. Kein Wunder also, dass sich Liverpool-Coach Klopp frühzeitig für eine Verpflichtung des Allrounders stark machte, gerade nachdem mit Emre Can ein ähnlicher Spielertyp seinen Wechsel zu Juventus Turin eingetütet hatte.

Der einstige BVB-Coach sollte sich nicht täuschen. Fabinho hat den klopp'schen Heavy-Metal-Fußball inzwischen verinnerlicht. So sehr, dass der knapp 15 Millionen Euro teurere Neuzugang Naby Keita von RB Leipzig zumeist nur von der Bank kommt. Nicht einmal mehr Kapitän Jordan Henderson kann sich seines Stammplatzes vor der Abwehr sicher sein.

Dass Henderson gegen City vermutlich neben Fabinho und Georginio Wijnaldum starten darf, ist der Tatsache geschuldet, dass sich James Milner aufgrund leichter muskulärer Probleme nicht im Vollbesitz seiner Kräfte befindet. An Fabinho führt dieser Tage kein Weg vorbei. Das Gute für Klopp: Ihm bieten sich im defensiven Mittelfeld Varianten. Mehr als seinem Gegenüber Guardiola. Das ist momentan auch einer der Gründe dafür, warum Liverpool sieben Punkte vor City steht. Wenn nicht sogar der wichtigste.

Fabinhos Leistungsdaten in der Premier League 2018/19

KategorieWert
Gespielte Minuten772
Tore1
Vorlagen2
Kreierte Großchancen1
Geblockte Schüsse3
Erfolgreiche Tackles10
Pässe ins letzte Drittel61
Passgenauigkeit83,3 %
Gewonnene Zweikämpfe56,5 %
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