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Xherdan Shaqiri beim FC Liverpool: Der Diebstahl will geliebt werden

Gegen den FC Fulham erzielte Xherdan Shaqiri sein zweites Premier-League-Tor für den FC Liverpool.
© getty

FC Bayern, Inter Mailand, Stoke City, Abstieg. Xherdan Shaqiri schien auf einen langen Abwärtstrend zuzusteuern - doch auf einmal spielt er wieder bei einem Champions-League-Teilnehmer. Seit Sommer steht Shaqiri beim FC Liverpool unter Vertrag, kommt immer besser in Form und kämpft um Fanliebe.

Dem englischen Mirror gab Shaqiri neulich ein Interview, in dem er sich unter anderem über den letztjährigen Abstieg mit Stoke ("Eine sehr schlechte Erfahrung"), seine ersten Wochen in Liverpool ("Ich spüre, dass ich immer besser werde") und seine Ziele mit dem Klub ("Ich träume davon, Titel zu gewinnen") äußerte. Und dann sprach er auch noch ein bisschen über seine Sehnsucht, geliebt zu werden.

"Wenn ich in München bin, zeigen mir die Fans, dass sie mich lieben. Ich möchte, dass das hier (in Liverpool) genau so wird", sagte er. Deutscher Meister, deutscher Pokalsieger und Champions-League-Sieger wurde Shaqiri bekanntlich mit dem FC Bayern - und als Zugabe gab es Liebe. Dann spielte Shaqiri ein bisschen bei Inter und zuletzt drei Jahre lang bei Stoke, wo er aus der Premier League abstieg. Hier und da glänzte er, geliebt aber wurde er dem eigenen Empfinden nach offenbar nicht mehr.

Xherdan Shaqiris Karrierestationen

ZeitraumVerein
2009 bis 2012FC Basel
2012 bis 2015 (Januar)FC Bayern
2015 (Januar) bis 2015 (August)Inter Mailand
2015 (August) bis 2018Stoke City
seit 2018FC Liverpool

Xherdan Shaqiris Traumerfüller FC Liverpool

26 war Shaqiri im Sommer und es schien, als hätte er den Höhepunkt seiner Karriere viel früher erreicht als eigentlich geplant. Es schien, als würde auf einen rasanten Aufstieg ein langer, stetiger Abstieg folgen. Bayern, Inter, Stoke, Abstieg und was nun? Dann sah man ihn am 13. Juli 2018 auf einmal mit ausgebreiteten Armen und fast genauso breitem Lächeln vor einem Plakat mit der Aufschrift "make us dream" stehen. Sein Traumerfüller war der FC Liverpool, dessen Trikot er auf dem entsprechenden Foto trägt.

"Man will immer auf der größten Bühne spielen", sagte Shaqiri nach seinem Wechsel von Stoke zu Liverpool. "Ich bin sehr froh, endlich hier zu sein. Ich will mich verbessern und mit den Besten spielen." Fast wie aus dem Nichts war Shaqiri wieder dort, wo er sich ohnehin sieht: bei einem Top-Klub, bei einem Champions-League-Teilnehmer, bei den Besten.

Rund 15 Millionen Euro hatte Liverpool für ihn ausgegeben. Nur 15 Millionen Euro. Für den englischen Transfermarkt eine fast schon absurd geringe Summe für einen Spieler von Shaqiris Renommee, angeblich verfügte er über eine entsprechende Ausstiegsklausel. "Für diese Summe ist das fast schon ein Diebstahl", sagte Vereinslegende Jamie Carragher. Jürgen Klopp nannte den Transfer einen "no brainer". Shaqiri? 15 Millionen? Kaufen! "Ich wollte wieder Champions League spielen. Da rief mich Jürgen an und ich habe zugesagt", erzählte Shaqiri.

Xherdan Shaqiri und das Sturm-Trio: Zusatz statt Ersatz

So einfach geht es manchmal, aber so einfach war es für ihn dann zunächst doch nicht. Denn Shaqiri spielte zu Saisonbeginn kaum. Mal fünf Minuten gegen Paris Saint-Germain, mal acht gegen West Ham United. Ende September stand er gegen den FC Southampton schließlich erstmals in der Startelf, daraufhin nahm seine Spielzeit zu. In den folgenden acht Pflichtspielen begann er dreimal und wurde ebenso oft eingewechselt. In 302 Spielminuten gelangen Shaqiri zwei Tore und drei Assists. Im Schnitt ein Scorerpunkt alle 60 Minuten.

Zunächst schien es, als sei Shaqiri als erster Ersatz für das Sturm-Trio bestehend aus Sadio Mane, Roberto Firmino und Mohamed Salah eingeplant. Als Impuls von der Bank, als potenzieller Matchwinner in der Schlussphase. Aber zuletzt war Shaqiri Zusatz statt Ersatz des Sturm-Trios. Etwas zurückgezogen, halbrechts. So defensiv spielte Shaqiri letztmals in der Anfangszeit seiner Profikarriere beim FC Basel unter Trainer Thorsten Fink.

Klopp erwartet von ihm nun Ideen aus der Tiefe. So wie einst von Philippe Coutinho (verkauft) und vielleicht bald wieder von Alex Oxlade-Chamberlain (verletzt). "Gebt Shaqiri den Ball und er kreiert Chancen. Er kann in Coutinhos Fußstapfen treten", sagte neulich Vereinslegende Michael Owen. Einer, den das Schicksal ereilte, das Shaqiri vermeiden will. Ein früher Karrierehöhepunkt gefolgt von einem langen Abwärtstrend.

Xherdan Shaqiri in Liverpool: Stadtbesichtigung, Titel, Fanliebe

Shaqiri arbeitet gerade gegen diesen Trend, genau wie er gegen generelle Kritik an seiner Person arbeitet. Gary Neville bezeichnete ihn in seiner Funktion als TV-Experte im Sommer wahlweise als "einfach nur faul" oder "unprofessionell" und unterstellte ihm außerdem, nicht nach in der Defensive mitzuarbeiten.

Mit seiner oft aufreizend lässigen, ja riskanten Spielweise polarisiert Shaqiri zweifelsohne. Laut Klopp verfügt er aber über "das richtige Maß an Arroganz auf dem Platz". Wenn er Arroganz mit Leistung und Effektivität paart, resultiert sie in Bewunderung. In Liebe der Fans. Shaqiri befindet sich in Liverpool auf dem besten Weg dahin.

Die Akklimatisierung in der Stadt lief dagegen etwas schleppend. Einige Wochen nach seinem Wechsel zu Liverpool verriet er dem Schweizer Tagblatt, dass er das Stadtzentrum noch nie besucht habe. Er wohnt immer noch im selben Haus in Manchester wie in den vergangenen drei Jahren, nun pendelt er eben Richtung Liverpool im Westen statt Stoke im Süden.

"Ich wüsste nicht, wann ich dazu Gelegenheit gehabt hätte", begründete Shaqiri damals die noch ausgebliebene Stadtbesichtigung. "Aber ich habe ja einen langfristigen Vertrag mit dem FC Liverpool, da wird sich das schon noch ergeben." Bis 2023 läuft der Vertrag, die Stadtbesichtigung hat er in der Zwischenzeit schon abgehakt. Als nächstes sollen es Titel und die Liebe der Fans sein.

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