PL-Aufsteiger Brighton & Hove Albion: Mein Boss, der Zocker mit Alligator-Blut

Donnerstag, 10.08.2017 | 12:00 Uhr
Anthony Knockaert bejubelt den Aufstieg von Brighton & Hove Albion
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Huddersfield Town mit dem deutschen Trainer David Wagner schaffte es über die Playoffs in die Premier League, Newcastle United und Brighton & Hove Albion waren da schon durch. SPOX sprach mit lokalen Journalisten und stellt die beiden direkten Aufsteiger, ihre Schlüsselspieler und Besonderheiten vor. Teil zwei: Brighton. (Teil eins mit Newcastle)

Dort wo Brighton & Hove Albion im April 1997 mit 1:0 gegen die Doncaster Rovers gewann, das Tabellenende der vierten Liga verließ und sich deshalb am letzten Spieltag mit einem 1:1 bei Hereford United den Klassenerhalt sicherte, waren bald danach statt grüner Grashalme graue Geschäfte. Dort wo einst der Goldstone Ground stand, stand bald ein Einkaufszentrum.

Eine große Auswahl an Produkten, von Spielzeugen über Lebensmittel bis hin zu Möbeln, gab es zwar immerhin zu kaufen, aber um den lokalen Fußballverein zu sehen, mussten die Bewohner von Brighton über 100 Kilometer weit fahren. Der Klub war in solche Geldnot geraten, dass er sein Stadion samt Grundstück verkaufen musste - ohne sich vorher ernsthaft um eine Alternative zu kümmern.

Die Suche stellte sich dann komplizierter dar als gedacht und endete letztlich eineinhalb Autostunden nordöstlich von Brighton. In Gillingham. Zwei Jahre lang teilte sich Albion das dortige Priestfield Stadium mit dem lokalen FC Gillingham, ehe der Klub in die Heimat zurückkehrte. In ein kleines Leichtathletik-Stadion am Stadtrand von Brighton.

"Vor 20 Jahren waren wir heimatlos und ein Klub auf dem Weg ins Nirgendwo", sagt Tony Bloom heute, wenn er über diese Zeiten spricht. Dass Brighton nun aber statt im Nirgendwo in der Premier League angekommen ist, liegt an eben diesem Tony Bloom. Er wurde in Brighton geboren, studierte Mathematik und wurde dann zum professionellen Zocker. Mit Poker und Sportwetten verdiente Bloom ein Vermögen - ein Freund bescheinigte ihm deshalb Alligator-Blut, seitdem wird er nur "the Lizard" genannt.

Blooms große Leidenschaft waren aber nie Lizards, sondern immer schon Seagulls. Möwen, der Spitzname von Brighton & Hove Albion. 2009 kaufte Bloom 75 Prozent der Anteile am Verein und baute ihm erstmal eine langersehnte Heimat: das Falmer Stadium.

Hünemeier, "the mighty German"

Pünktlich zur Eröffnung 2011 feierte Brighton die Rückkehr in die zweitklassige Championship. Dreimal in vier Jahren scheiterte der Klub dann in den Playoffs, bis er in der abgelaufenen Saison Zweiter wurde und direkt in die Premier League aufstieg. Das Resultat war Ekstase. Im Stadion stürmten die Fans den Platz, später feierten knapp 100.000 an der malerischen Strandpromenade von Brighton und hörten bis tief in die Nacht einfach nicht mehr damit auf. "Das habe ich so auf jeden Fall noch nicht erlebt", erinnert sich Uwe Hünemeier im SPOX-Interview.

Vor zwei Jahren wechselte der Ex-Dortmunder Hünemeier von Paderborn nach Brighton und entwickelte sich ob seiner aufopferungsvollen Spielweise zum Sympathieträger. Journalist Brian Owen verfolgt Albion für die lokale Zeitung Argus, im Gespräch mit SPOX sagt er: "Hünemeier ist hochgradig geschätzt und gilt als absoluter Vollprofi." Grund genug, ihn auch zu besingen. Zur Melodie von "the lion sleeps tonight" feiern Brightons Fans Hünemeier als "the mighty German".

In der neuen Saison wird es Hünemeier aber schwer haben, seinen Stammplatz zu behaupten, prognostiziert Owen. Besingen könnten die Fans dann stattdessen vielleicht Pascal Groß. Vom FC Ingolstadt wechselte der offensive Mittelfeldspieler nach Brighton, wo große Hoffnungen auf ihm ruhen. "Er könnte zum Schlüsselspieler werden", erklärt Owen.

Um Groß auf der Zehn einsetzen zu können, ändert Trainer Chris Hughton wohl sogar sein bewährtes 4-4-2-System in ein 4-4-1-1. Für gefährliche Flanken soll derweil Markus Suttner sorgen. Der österreichische Linksverteidiger kam ebenfalls aus Ingolstadt nach Brighton, laut Owen war er ein "absolutes Hauptziel" auf dem Transfermarkt.

Großer Zusammenhalt, englische Spielweise

Groß und Suttner schlossen sich einer intakten Mannschaft an. Zusammenhalt wird bei Albion gelebt. Als im Laufe der vergangenen Saison der Vater von Rechtsaußen Anthony Knockaert verstarb, reisten kurzerhand Trainer Hughton und einige Spieler zum Begräbnis nach Frankreich. Sie wollten ihrem Kollegen beistehen. "Das war der beste Moment meines Lebens", sagte Knockaert später und erklärte, alleine deshalb "könnte ich mein restliches Leben bei diesem Klub verbringen".

Zumindest in der neuen Saison tut er es - genau wie fast alle anderen Leistungsträger der Aufstiegssaison auch, das Team wurde größtenteils zusammengehalten. Die Innenverteidiger Lewis Dunk und Shane Duffy, Mittelfeldspieler Dale Stephens, Torjäger Glenn Murray und eben Knockaert sind die Schlüsselspieler.

Neben dem deutschsprachigen Duo kam mit Chelsea-Leihgabe Isaiah Brown noch ein spannendes Sturm-Talent dazu, mit dem australischen Torhüter Matthew Ryan (6 Mio. Euro von Valencia) und dem niederländischen Mittelfeldspieler Davy Pröpper (13 Mio. Euro von Eindhoven) außerdem erfahrene Nationalspieler im besten Fußballeralter.

Gespielt wird klassisch englisch, wie Owen erklärt: "Gut organisiert, gut strukturiert und mit Fokus auf Konter." So mag es Hughton. Und so ist es für einen klassischen Außenseiter wohl auch angebracht. Brighton hat den zweitbilligsten Kader der Liga, trotzdem erklärt Vorstand Bloom: "Wir wollen für viele Jahre in der Liga bleiben."

Nervöse Aufregung, jede Menge Adrenalin

Nach 34 Jahren Abstinenz besteht schließlich einiger Nachholbedarf. Von 1979 bis 1983 spielte Brighton erstmals und bisher letztmals in der höchsten Spielklasse. Bis ins FA-Cup-Finale schaffte es Albion 1983 sogar, verlor jedoch im Wiederholungsspiel gegen Manchester United. Stellvertretender Vorsitzender des Klubs war damals Blooms Großvater Harry.

Es zeigt, wie verwurzelt der Investor in seinem Verein und seiner Stadt ist. "Es ist überragend, dass ein Kind der Stadt in den Klub investiert", sagt Trainer Hughton, "speziell in dieser Zeit, in der etliche Investoren aus dem Ausland kommen." Der Verein habe laut Journalist Owen "die richtige Struktur und Organisation", um die Klasse zu halten. Viele Verantwortungsträger sind jahrelang dabei und haben auch die harten Zeiten erlebt. Sie sind mit dem Auto nach Gillingham gefahren oder haben im Leichtathletikstadion Fußball geschaut. Das verbindet - sie untereinander und sie mit den Fans.

Jetzt dürfen sie in einem Fußballstadion Fußball schauen, noch dazu in der eigenen Stadt. Gleich am ersten Spieltag ist Manchester City zu Gast (live auf DAZN und im LIVETICKER). "Das Spiel wird hier eher als Cup- denn als Meisterschaftsspiel gesehen", erklärt Owen und sagt: "Es liegt eine nervöse Aufregung über der Stadt, denn alles ist unbekannt. Der Klub startet in ein Abenteuer." Was es braucht, um dieses Abenteuer erfolgreich zu absolvieren, weiß Hünemeier: "Jede Menge Adrenalin."

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