Ein Neuer für Pep

Von Christian Schmidt
Dienstag, 20.06.2017 | 18:17 Uhr
Beim 5:0 gegen Vitoria Guimaraes am vorletzten Spieltag konnte Ederson bereits früh über die Meisterschaft jubeln
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Nach nur einer Saison als Stammtorwart bei Benfica Lissabon wechselt Ederson für 40 Millionen Euro zu Manchester City. Der Brasilianer kommt Guardiolas Idealvorstellung eines mitspielenden Torhüters äußerst nahe und soll beim Tabellendritten der abgelaufenen Premier-League-Saison die Rotation zwischen den Pfosten beenden.

"Er ist ein fantastischer Torwart und eine exzellente Verstärkung für unsere Mannschaft. Er ist ein Torwart, den ich seit Jahren bewundere und ich bin wirklich glücklich, dass er nun ein Spieler von Manchester City ist."

Mit diesen Worten hieß City-Trainer Pep Guardiola im vergangenen Sommer Claudio Bravo vom FC Barcelona willkommen. Der Chilene sollte nach dem Abgang von Joe Hart die vakante Torhüterposition besetzen und dem Verein auf Jahre hinaus Planungssicherheit auf dieser Position geben.

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Der mit vielen Vorschusslorbeeren empfangene Torwart konnte die hohen Erwartungen jedoch nie wirklich erfüllen und fand sich nach dem 22. Spieltag und mehreren durchwachsenen Leistungen plötzlich auf der Bank wieder. Guardiolas auserkorener Wunschspieler war plötzlich nur noch die Nummer zwei hinter dem langjährigen Ersatztorwart Willy Caballero.

Zwar kam Bravo in der Folgezeit noch zu drei weiteren Einsätzen, doch sein Status als Hoffnungsträger zwischen den Pfosten war Vergangenheit. Caballero spielte nach seiner unverhofften Beförderung zwar solide, galt aufgrund seines Alters (35) jedoch auch nur als Übergangslösung bis zum nächsten großen Heilsbringer. Diesen hat sich City nun in Person von Benficas Ederson gesichert.

Ederson zweitteuerster Torwart hinter Buffon

"Wir freuen uns sehr, Ederson bei Manchester City begrüßen zu können. Er ist einer der besten jungen Torhüter in Europa und ist eine wichtige Verstärkung für unsere Mannschaft", sagte Sportdirektor Txiki Bergistain.

Auch Ederson selbst, dessen Hals ein auffälliges Tattoo einer Rose und eines Totenschädels schmückt, äußerte sich auf der Vereinshomepage zu seiner Vorstellung: "Als Torhüter muss man ein bisschen verrückt sein. Ich bin ein ruhiger Torwart und versuche an meine Vorderleute Ruhe auszustrahlen und ihnen Sicherheit zu geben.".

Mit 40 Millionen Euro Ablöse avancierte Ederson dabei nach Gianluigi Buffo zum zweitteuersten Torwart aller Zeiten, obwohl er gerade mal eine Saison als Stammtorwart in der ersten Liga hinter sich hat. Zuvor musste er sich oftmals mit der Rolle im zweiten Glied abfinden.

Ederson setzt sich gegen alle durch

Im Alter von 16 Jahren kam Ederson vom FC Sao Paolo zum portugiesischen Rekordmeister. In den Jugendmannschaften Benficas sorgte er unter anderem für Aufsehen, als er mit einem Befreiungsschlag aus dem eigenen Sechzehner ein Tor erzielte. Die ersten Profieinsätze absolvierte der Brasilianer aber für GD Ribeirao in der dritten Liga, von wo er nach nur einem Jahr zum FC Rio Ave ins portugiesische Oberhaus wechselte.

Dort musste er sich in der Saison 2012/13 jedoch zunächst hinter Jan Oblak anstellen, den ausgerechnet Benfica Lissabon an Rio Ave verliehen hatte. Auch 2013/14 und 2014/15 ging Ederson zunächst nicht als etatmäßiger Stammtorwart in die Saison, setzte sich im Laufe der Spielzeit aber gegen seine Konkurrenten Romain Salin und Cassio durch und etablierte sich in der Primeira Liga.

Diese Entwicklung blieb auch Benfica nicht verborgen, sodass der Verein seinen ehemaligen Jugendspieler für 500.000 Euro zurückholte. Auch dort musste sich Ederson jedoch hinter seinem Landsmann Julio Cesar zunächst mit der Rolle als Nummer zwei begnügen. Nachdem sich der langjährige brasilianische Nationaltorhüter aber eine Adduktorenverletzung zuzog, schlug Edersons große Stunde. Im Saisonendspurt ließ der 23-jährige nur fünf Gegentore in zehn Spielen zu und sicherte seinem Verein die portugiesische Meisterschaft.

Ederson als Torwart moderner Schule

Auch in der abgelaufenen Saison hatte Ederson mit lediglich 12 Gegentoren in 27 Ligaspielen und 18 weißen Westen großen Anteil an Benficas Meisterschaft. Dabei überzeugte der Brasilianer mit blitzschnellen Reflexen auf der Linie, starkem Timing beim Herauslaufen und als verlässliche Anspielstation für seine Mitspieler.

Neben seinem Kerngeschäft beim Vereiteln gegnerischer Torchancen fungierte Ederson auch als erster Eröffnungsspieler seiner Mannschaft und wusste mit punktgenauen Abschlägen und Abwürfen zu seinen Mitspielern zu beeindrucken. Diese entwickelten sich zur echten Waffe in Benficas Spiel und waren ein regelmäßig gebrauchtes Mittel, um nach einem vereitelten Angriff schnell umzuschalten und das Mittelfeld des Gegners zügig zu überbrücken. Auf diese Art und Weise gelang Ederson am vorletzten Spieltag gegen Vitoria Guimaraes sogar ein direkter Assist, als er per Abschlag den am Strafraum postierten Raul Jimenez bediente.

Dass er auch sein eigentliches Betätigungsfeld zwischen den Pfosten bestens beherrscht, musste Borussia Dortmund im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals am eigenen Leib erfahren. Mit einem halben Dutzend starker Paraden, darunter ein gehaltener Elfmeter, brachte er den BVB um Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus an den Rand der Verzweiflung und sicherte Benfica einen 1:0-Sieg. "Wir sind einem der besten Teams in Europa begegnet. Ederson hat eine großartige Leistung gezeigt. Er spielt auf einem sehr hohen Level, deswegen ist er hier", lobte ihn sein Trainer Rui Vitoria nach dem Spiel.

Auch Carlos Dunga, Nationaltrainer Brasiliens bis Juni 2016, wusste bereits vergangenen Sommer um Edersons Qualitäten und berief ihn ins Aufgebot für die Copa America 2016. "Er ist gut beim Rauslaufen und hat ein gutes Spielverständnis. Im modernen Fußball muss ein Torwart wie ein Libero agieren können. Ederson besitzt diese Eigenschaften", stellte Dunga vor dem Turnier fest. Eine Leistenverletzung verhinderte aber Edersons Turnierteilnahme, so dass er noch gänzlich ohne Einsatz für die Selecao ist. Lediglich in der U23 sind bislang fünf Einsätze für ihn notiert.

Ederson kommt Guardiolas Idealbild nahe

Auch wenn er in der Selecao noch nicht die Nummer eins ist, schürt der Vergleich der ligainternen Statistiken zwischen Ederson und den zuletzt bei City eingesetzten Torhütern bei den Verantwortlichen die Hoffnung, die Baustelle zwischen den Pfosten mit dem Brasilianer schließen zu können.

Bei den abgewehrten Torschüssen in der abgelaufenen Saison führt Citys Neuverpflichtung das Quartett mit 82,35 Prozent deutlich an, dahinter rangieren Caballero mit 70,45 und Hart beim FC Turin mit 62,87 Prozent. Abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt Bravo mit 55,93 Prozent abgewehrter Bälle. Eine ähnliche Reihenfolge ergibt sich bei den Minuten pro Gegentor. Auch hier liegt Ederson mit 198,4 Minuten klar vorne, es folgen Caballero mit 111,6 Minuten, Bravo mit 75,7 Minuten und Hart mit 52,3 Minuten.

Auch über die Statistiken hinaus scheint Ederson mit seiner offensiven Interpretation der Torwartrolle perfekt geeignet für das von Guardiola favorisierte Ballbesitzspiel. In Person von Manuel Neuer war der Katalane zuvor beim FC Bayern einen Spieler gewohnt, der die Rolle des mitspielenden Torhüters mit starker Technik und Übersicht nahezu perfektioniert hatte. Nach lediglich einer Saison als Stammtorhüter bei Benfica verbieten sich für Ederson zwar Vergleiche mit dem viermaligen Welttorwart, mit seinem Spielstil kommt er Guardiolas Idealvorstellung eines Torhüters jedoch schon recht nahe.

Van der Saar glaubt an Ederson

Der Ruf als mitspielender Torwart, der auch mit dem Ball am Fuß umgehen kann, eilte jedoch auch Claudio Bravo bei dessen Verpflichtung im Sommer 2016 voraus. Ehe sich der Chilene an die Spielweise in der Premier League aber anpassen konnte, musste er seinen Platz zwischen den Pfosten schon wieder räumen.

Auch Edwin van der Saar, langjähriger Torwart von Manchester United, weiß um die Schwierigkeiten, die bei der Umstellung auf die englische Spielweise auftreten können: "Die englische Liga unterscheidet sich ziemlich stark von der portugiesischen. Es gibt andere Spielertypen, mehr Druck, höhere Intensität.".

Dennoch ist der Niederländer zuversichtlich, dass Ederson nicht das Schicksal von Bravo ereilen wird, sondern sich bei Manchester City durchsetzt: "Er hat das Talent, er muss es nur unter anderen Bedingungen beweisen. Ich habe aber keinen Zweifel daran, dass er über die Qualität verfügt, alles zu überwinden."

Ederson im Steckbrief

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