Manchester City: Konkurrenzkampf zwischen Sergio Agüero und Gabriel Jesus

Wassermelone, 19, fordert Vereinslegende

Montag, 06.02.2017 | 20:03 Uhr
Seit der Ankunft von Gabriel Jesus (r.) sitzt Sergio Agüero auf der Bank
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Seit fünfeinhalb Jahren ist Sergio Agüero mittlerweile der Platzhalter im Sturm von Manchester City, nun steht seine Rolle erstmals zur Disposition. Trainer Pep Guardiola verpflichtete den jungen Gabriel Jesus, der Agüero in den vergangenen Spielen aus der ersten Elf verdrängte und diese Maßnahme mit seinen Leistungen auch rechtfertigte. Es entbrandet ein wegweisender Konkurrenzkampf.

Es gibt bekanntlich einige Berufsgruppen, von denen der katalanische Fußball-Trainer Pep Guardiola i Sala niemals genug Vertreter in seiner Nähe haben kann: ähnlich Taktik-begeisterte Trainer beispielsweise, mitdenkende Mittelfeldspieler oder auch brasilianische Innenverteidiger mit Afro-Frisur. Mindestens genauso bekanntlich hat Guardiola aber so seine Probleme mit Vertretern einiger anderer Berufsgruppen. Da wären beispielsweise allzu kritisch seine Philosophie hinterfragende Journalisten, konservativ-abwartende Münchner Mediziner oder auch alteingesessene Stammstürmer von Vereinen, die er als Trainer übernimmt.

2008 wurde Guardiola neuer Trainer des FC Barcelona. Samuel Eto'o hieß der Platzhalter im Sturm. Er war Publikumsliebling, auch weil er bis dahin so viele wichtige Tore erzielt hatte. Unter anderem den zwischenzeitlichen Ausgleich im letztlich siegreichen Champions-League-Finale 2006. In seiner ersten Saison unter Guardiola spielte Eto'o statistisch gesehen eine starke Saison, erzielte in 36 Ligaspielen 30 Treffer und verließ den Verein nach dem Saisonende.

2013 wurde Guardiola neuer Trainer des FC Bayern. Mario Mandzukic hieß der Platzhalter im Sturm. Er war Publikumsliebling, auch weil er bis dahin so viele wichtige Tore erzielt hatte. Unter anderem die zwischenzeitliche Führung im letztlich siegreichen Champions-League-Finale 2013. In seiner ersten Saison unter Guardiola spielte Mandzukic statistisch gesehen eine starke Saison, erzielte in 30 Ligaspielen 18 Treffer und verließ den Verein nach dem Saisonende.

2016 wurde Guardiola nun also Trainer von Manchester City. Sergio Agüero hieß der Platzhalter im Sturm und so heißt er immer noch. Er ist Publikumsliebling, auch weil er bis dahin so viele wichtige Tore erzielt hatte. Unter anderem den meisterschaftsentscheidenden Last-Minute-Treffer 2012. Agüero gilt seit seiner Ankunft 2011 als die menschgewordene Lebensversicherung der Citizens. In seiner ersten Saison unter Guardiola spielt Agüero statistisch gesehen eine starke Saison, erzielte in bisher 18 Ligaspielen elf Treffer und muss sich jetzt mit der menschgewordenen Wassermelone herumplagen.

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Und er sah, dass sie gut ist

Und diese Wassermelone nennt sich Gabriel Jesus. Mit Beginn des Wintertransferfensters wechselte der 19-Jährige für 32 Millionen Euro von seinem brasilianischen Heimatverein Palmeiras Sao Paolo zu Manchester City. Junges Alter, neue Sprache, fremde Kultur, kalter Regen, englisches Essen, katalanische Taktik. Viele Unwägbarkeiten barg dieser Wechsel und verleitete Guardiola zu einem kulinarischen Vergleich: "Das ist wie bei einer Wassermelone. Du musst sie öffnen, um zu sehen, ob sie gut ist oder nicht." Und er sah, dass sie gut ist.

Einige Tage lag die Wassermelone nur herum, weil sie in England auf ihre Spielerlaubnis warten musste, gegen Tottenham feierte sie schließlich per Einwechslung ihr Debüt. Dann bat sie zu drei exzessiven Mahlzeiten über die vollen 90 Minuten. Im FA Cup bei Crystal Palace servierte sie einen Assist. In der Liga bei West Ham einen Treffer und einen Assist und dann, beim Gala-Dinner gegen Swansea, zwei Treffer in Form einer frühe Vorspeise und eines Nachtischs in der Nachspielzeit.

Garniert wurden diese fertigen Gerichte mit einigen feinen Geschmacksrichtungen. "Gabriel hat im Strafraum den Torjäger-Instinkt und ein gutes Kombinationsspiel, er hat eine großartige Mentalität, kann für 90 Minuten laufen und auch intensiv gegen den Ball pressen", sagt Guardiola, "er ist ein Kämpfer, physisch stark und kann sich gegen viel größere Verteidiger durchsetzen." Eine Wassermelone ganz nach dem Geschmack von Guardiola.

Kälter und windiger auf der Bank

Zehn seiner Teamkollegen wurden zu den beiden zurückliegenden Mahlzeiten von Guardiola naturgemäß eingeladen, Sergio Agüero gehörte nicht dazu. Der Platzhalter durfte nur zuschauen und daran ist er nicht wirklich gewöhnt. Seit Jahren hat der Argentinier seinen Stammplatz bei City sicher. War Agüero fit und nicht gesperrt, dann spielte er fast immer. War er nicht fit oder gesperrt lautete die bange Frage stets: Klappt es auch ohne den Star?

In dieser Saison wurde Agüero mit einer neuen Situation konfrontiert. Er war fit und nicht gesperrt und saß trotzdem auf der Bank. Erstmals Mitte Oktober in der Liga gegen den FC Everton, dann in der Champions League beim FC Barcelona. Damals war es noch recht warm und das Sitzen auf der Bank zumindest halbwegs erträglich. Guardiola begründete die Maßnahmen mit Schonung respektive taktischen Überlegungen.

Anfang Februar gegen West Ham und Swansea trafen diese beiden Begründungen nicht mehr zu. Es war in Jesus schlicht jemand da, dem Guardiola mehr positiven Einfluss auf das City-Spiel zutraute als Agüero. Auf der Bank war es nun bedeutend kälter, windiger und die Stimmung von Agüero wohl auch entsprechend frostiger. Ein 19-jähriger Brasilianer durfte sich austoben und die Vereinslegende musste dabei zuschauen. Und dann sagte Guardiola auch noch: "Agüero ist unser bester Stürmer, wir brauchen ihn und ohne ihn können wir keinen Erfolg haben."

Sergio A. und seine Zukunft

Es ist das altbekannte Spiel des Pep Guardiola, er kritisiert seine Spieler niemals öffentlich. Je allgemeiner und übertriebener das Lob, desto gefährlicher die Situation des Gelobten. Sollte "der beste Strafraumstürmer der Welt" Mario Mandzukic gerade zufällig Agüeros Situation bei City verfolgen, er wird sich an sein verwirrendes Frühjahr 2014 erinnern. Monatelang viel Lob und am Ende ein schneller Abschied.

"Sergio wird hier bleiben, solange er möchte. Am Ende entscheidet er das und nicht ich", sagt Guardiola. "Ich werde dem Team in den nächsten drei Monaten so gut wie möglich helfen und dann wird der Klub entscheiden, ob ich hier noch einen Platz habe oder nicht", widerspricht Agüero seinem Trainer. Und natürlich ließ es sich auch sein Berater Hernan Reguera nicht nehmen, einen verbalen Beitrag zur Folge-Geschichte "Sergio A. und seine Zukunft" zu leisten: Sein Klient sei jedenfalls "sehr, sehr glücklich" und habe mit der neuen Situation "kein Problem".

Wer auch immer Agüeros Zukunft letztlich entscheidet: Sollte der Bankplatz zu seinem neuem Stammplatz werden, wird er City im Sommer verlassen. Agüero ist nämlich tatsächlich einer der besten Stürmer der Welt, umworben wie wenige andere und noch dazu im besten Fußball-Alter, er ist 28.

Zuschauen und lernen

Derzeit bringt ihm all das aber recht wenig. Derzeit muss Agüero - eine der wenigen Identifikationsfiguren seines relativ identitätslosen Klubs - über einen 19-jährigen Brasilianer, der erst seit einigen Tagen in der Stadt ist, Sätze wie diesen sagen: "Ich muss ihm zuschauen und lernen."

Da Jesus nicht nur fleißig Fußball spielt und Tore schießt, sondern auch fleißig Englisch lernt, wird auch er diese Aussage aufgenommen und (wohl mit einiger Verwunderung) auch verstanden haben. "Er will wissen, was die anderen Spieler sagen", erklärt Guardiola Jesus' multilingualen Antrieb, "und so in die Vorgänge auf dem Platz gänzlich involviert sein."

Mit Agüero war Jesus auf dem Platz bisher nur einige wenige Minuten involviert, jeweils nach dessen späten Einwechslungen. In der Startelf hieß es bisher stets: Agüero oder Jesus, nie aber Agüero und Jesus. Zumindest ausprobieren will Guardiola zweitere Variante aber zeitnah, das bestätigte der Trainer jüngst. Jesus müsste in diesem Fall laut Guardiola auf den linken Flügel weichen, Agüero würde den Posten im Zentrum einnehmen.

Klappt das Zusammenspiel des Duos in dieser Konstellation nicht, verliert das Manchester City unter Pep Guardiola im kommenden Sommer nach Joe Hart womöglich eine zweite große Identifikationsfigur.

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