Leicester City: Onyinye Wilfred Ndidi im Porträt

Der Oktopus am Haken des Meisters

Von Felix Keil
Freitag, 13.01.2017 | 16:00 Uhr
Wilfred Ndidi wechselte für rund 17,5 Millionen Euro von Genk zu Leicester
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Onyinye Wilfred Ndidi tritt bei Leicester City ein schweres Erbe an. Der Neuzugang vom KRC Genk soll N'Golo Kantes Wechsel zum FC Chelsea vergessen machen. Doch reicht sein Talent, das auch dem Hamburger SV nicht verborgen geblieben ist, dafür aus?

Es gibt Fußballer, bei denen man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Da ist zum Beispiel Ze Roberto, der mit 42 Jahren erstmals brasilianischer Meister geworden und trotzdem kein bisschen müde ist. Oder Francesco Totti, dem seit 1993 nicht danach ist, die Roma zu verlassen. Und dann sind da Edwin van der Sar, Ryan Giggs oder Damien Duff, die allesamt keine einzige Rote Karte in der Premier League gesehen haben.

Bei der raueren englischen Gangart ist es nicht immer einfach, einen kühlen Kopf zu bewahren. Einer, der sich die Mitgliedschaft in dieser erlesenen Runde auch sichern will, steht seit dem 3. Januar bei Leicester City unter Vertrag. Onyinye Wilfred Ndidi soll nach der katastrophalen Hinrunde das Mittelfeld der Foxes verstärken.

Dem 20-jährigen Nigerianer soll die Aufgabe zukommen, den Abgang von N'Golo Kante zum FC Chelsea zu kompensieren. Alle bisherigen Versuche, das Malheur zu kitten, gingen schief. Ein Lösungsansatz kam vom OGC Nizza: Nampalys Mendy spielte bisher aber nur 136 Minuten. Denn statt in der Premier League aufzulaufen, plagte er sich gut vier Monate lang mit einer Knöchelverletzung.

Auch Daniel Amartey und Andy King bekamen ihre Chancen im defensiven Mittelfeld, doch Claudio Ranieri suchte vergeblich den passenden Partner für die einzige Konstante im Spiel des amtierenden Meisters, die auf den Namen Danny Drinkwater hört. In den ersten zwölf Saisonspielen verpasste er genau elf Minuten in der Liga. Zuletzt fehlte er aber häufiger verletzt oder gesperrt.

In der abgelaufenen Traum-Saison bildete Drinkwater zusammen mit Kante die Grundlage für den Titel. "Leute denken, dass wir mit zwei Leuten im Mittelfeld spielen. Dann sage ich 'Nein, Danny Drinkwater spielt in der Mitte und Kante spielt auf beiden Seiten, sodass wir immer zwölf Spieler auf dem Platz haben'", unterstrich Leicester-Chefscout Steve Walsh die Wichtigkeit der beiden.

"Wie bei einem Oktopus"

Nun soll also Ndidi, der für rund 17,5 Millionen vom KRC Genk kam, der neue Partner für Drinkwater werden und die anhaltende Misere bei Leicester entschärfen. Doch ist ein 20-Jähriger aus der belgischen Jupiler Pro League der Richtige für diesen Job? "Er ist wie Kante. Er füllt den Raum so, wie Kante es auch tut", bejaht sein Ex-Trainer Alex McLeish diese Frage. Und der Coach muss es wissen. Schließlich war er es, der Ndidi seinen ersten Profivertrag in Europa bescherte und ihn in Genk debütieren ließ.

Der Aufstieg des Wilfred Ndidi begann aber 2013 in seinem Heimatland Nigeria. Dort wurde Roland Janssen, damals Scout in Diensten Genks und heute bei Manchester United angestellt, bei einem Turnier von Nachwuchsleistungszentren auf einen Verteidiger aufmerksam.

"Die Ruhe, die er am Ball zeigte, war untypisch für einen afrikanischen Spieler in diesem Alter", sagte er zu Het Laatste Nieuws. Anders als alle anderen sei er trotz der vielen anwesenden Scouts gelassen geblieben: "Er war erst 16, aber trotzdem konnte man seine Präsenz auf dem Platz spüren."

Weil Janssen so überzeugt von Ndidi war, lud er ihn zum Probetraining nach Genk ein. Zunächst spielte er im Nachwuchsteam, das von Domenico Olivieri trainiert wurde. Dieser hatte auf den ersten Blick nicht den Eindruck, dass er ein Kandidat für eine sofortige Verpflichtung sein würde. Bei einem Testspiel habe er seine Meinung aber schnell geändert: "Er gewann jeden Ball. Seine langen Beine waren überall, wie bei einem Oktopus."

Warten, warten, warten

Nicht nur sportlich, sondern auch auf der sozialen Ebene sei er aufgeschlossen gewesen: "Er hat sich sofort in die Gruppe integriert, war offen für Vorschläge und seine Arbeitsmoral war beeindruckend", erinnert sich Olivieri.

Obwohl ein sofortiger Transfer in jeder Hinsicht Sinn gemacht hätte, kam er nicht zustande. Da Ndidi noch nicht volljährig war und Nicht-EU-Bürger ist, durfte der Klub ihn nicht unter Vertrag nehmen. Deshalb war Warten angesagt.

In dieser Zeit habe Janssen einen Anruf von einer unbekannten Nummer erhalten. Am anderen Ende der Leitung sei Ndidi gewesen, der sich für die Chance bei Genk bedanken wollte. "Zu dieser Zeit wusste er nicht, dass wir ihm einen Vertrag geben würden. Es war das erste Mal, dass ein Gastspieler mich angerufen hat, um Danke zu sagen. Das ist seine Persönlichkeit", so Janssen.

Dieser Charakterzug prägte sich an der Nath Boys Academy in Lagos aus, an der er mit 15 Jahren aufgenommen wurde. Sie sei "eines der besten Trainingszentren Nigerias. Sie bringen dir nicht nur bei, wie man Fußball spielt, sondern bereiten dich auch auf das Leben vor", meint Ndidi.

"Er kommt über die Intelligenz"

So freundlich er abseits des Platzes ist, so bissig ist er während der 90 Minuten. Aber trotzdem bleibt er stets fair. In seiner bisherigen Laufbahn hat er noch nie eine Rote Karte gesehen. Eine Statistik, auf die er stolz ist und die er auch in der physisch betonten Premier League aufrechterhalten will. "Er ist ein sauberer Spieler. Er kommt eher über die Intelligenz als über Kraft. Deshalb hat er wenig Ärger", meint Landsmann Victor Ikpeba.

Neben seinen gut getimten Tacklings hat er mit 1,87 Metern Körpergröße im Kopfballspiel einen Vorteil und beeindruckte in der belgischen Liga mit seiner Ausdauer. Dazu kommt, dass er ein Teamplayer ist, immer uneigennützig handelt und offen für Ratschläge ist. Peter Maes, ein weiterer ehemaliger Trainer, nannte ihn einen "goldenen Jungen". Ndidi hat dem Coach nach eigenem Befinden viel zu verdanken. Maes machte aus dem gelernten Innenverteidiger einen defensiven Mittelfeldspieler.

Nach seinem letzten Spiel antwortete Ndidi auf die Frage, was er in Genk am meisten vermissen würde: "Peter Maes. Er hat mich zu einem besseren Spieler gemacht. Er war streng zu uns, aber er wollte das Beste aus mir herausholen. Ich werde vermissen, wie er mich angeschnauzt hat. Ich widme ihm diesen Transfer."

Der Wechsel zu den Foxes verlief ohne das üblich gewordene Ablöse-Hochtreiben des abgebenden Vereins. Anders hörte sich das im Sommer an, als auch der Hamburger SV Interesse am Nigerianer bekundet hatte. Wie Het Laatste Nieuws berichtete, habe der HSV sechs Millionen Euro für Ndidi geboten, Genk wollte aber deutlich mehr. Deshalb sei der Deal doch nicht zustande gekommen.

In der Bundesliga hätte er gegen den Abstieg gespielt. Bei Leicester soll genau dieser Abstiegskampf durch sein Mitwirken verhindert werden. Ob er der adäquate Nachfolger von N'Golo Kante werden kann, wird sich zeigen müssen. Genauso steht offen, ob er die Aufnahmeprüfung für den Klub der Nie-Verwiesenen besteht.

Onyinye Wilfred Ndidi im Steckbrief

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