Chelseas Erfolgslauf unter Antonio Conte

Wendepunkt Hull

Donnerstag, 01.12.2016 | 15:00 Uhr
Antonio Conte und der FC Chelsea sind nach 13 Spieltagen Premier-League-Tabellenführer
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Trotz der Star-Trainer Pep Guardiola, Jose Mourinho und Jürgen Klopp ist Antonio Contes FC Chelsea Tabellenführer der Premier League. Taktische Kniffe und überraschend wie kluge Personalentscheidungen brachten dem Italiener Erfolg. Beim Auswärtsspiel gegen Manchester City (Sa., 13.30 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER) steht die eingespielte Elf vor ihrer zwischenzeitlichen Reifeprüfung.

Wäre Antonio Conte ein selbstverliebter, egozentrischer und medienfokussierter Fußballtrainer, er wäre derzeit wohl ein sehr, sehr trauriger Fußballtrainer. Da kommt er aus beruflichen Gründen extra aus Italien nach England, erfüllt durch Siege allwöchentlich seinen Arbeitsauftrag, hievt seinen Klub sogar an die Tabellenspitze, aber am interessantesten sind immer noch die anderen. Schon bitter.

Da wäre etwa Jose Mourinho, der bei Manchester United gefühlt öfter auf der Tribüne sitzt als auf der Bank und der sich ernsthafte Gedanken machen könnte, das Gehalt seines Arbeitgebers zwecks Bürokratieminimierung per Dauerauftrag direkt an den englischen Fußballverband FA weiterzuleiten. Da wäre auch Pep Guardiola, Mourinhos stadtinterner Widersacher, der auch mehrere Monate nach seiner Ankunft in Manchester als der Fußballprophet schlechthin gilt. Und da wäre natürlich Jürgen Klopp, der gerade dabei ist, den FC Liverpool zu dem zu machen, was er mal war. Und zwar nicht vor einem, fünf oder zehn Jahren, sondern eher vor 40. Damals, als die Reds Europa dominierten.

Sie alle sind zwar präsenter, medial durchleuchteter und irgendwie auch greifbarer als Conte, sie alle liegen in der Tabelle aber auch hinter ihm. Der Italiener hat es geschafft, innerhalb von fünf Monaten aus einem völlig verunsicherten und ausrichtungslosen Kader eine Siegesmaschine zu kreieren. Der FC Chelsea ist nach mehr als einem Drittel der Saison Tabellenführer der Premier League.

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Damals, im KCOM Stadium

Der Anfang dieser Entwicklung trug sich am 1. Oktober und etwa 250 Kilometer Luftlinie nördlich von Chelseas Heimatstadt London, in Kingston Upon Hull zu. Chelsea war damals Tabellenachter, zwei Punkte hinter FA-Financier Mourinho, drei hinter Liverpool-Erneuerer Klopp und gar acht hinter dem bis dahin verlustpunktfreien Propheten Guardiola.

Etwa 25 Minuten vor dem Abpfiff im KCOM Stadium, dem Arbeitsplatz des ortsansässigen Klubs Hull City, hatte Conte also eine Idee und es sollte eine gute sein: 3-4-2-1 statt 4-1-4-1 dachte er und verschob seine Spieler entsprechend auf dem Platz. "Und mit dieser Idee haben wir dann einfach weitergemacht", sagt Conte heute.

An diesem Abend haben seine Blues weitergemacht, indem sie die 2:0-Führung über die Zeit brachten. In den kommenden Wochen haben seine Blues weitergemacht, indem sie mit einer Tordifferenz von 17:1 sechs Ligasiege in Folge einfuhren. "Die Umstellung ließ uns die Offensivkraft nicht verlieren und verschaffte uns gleichzeitig mehr defensive Stabilität", sagt Verteidiger David Luiz. Könnten Zahlen Tatsachen nicht nur sprichwörtlich, sondern auch real unterstreichen, sie würden es in diesem Fall tun.

Alternative wird zur Realität

Gesichert ist beim Umgang mit Zahlen dagegen, dass es bei der Bestückung des Defensivverbunds einer Fußballmannschaft lange nur eine richtige gab: Vier. Die Viererkette, sie galt als die vermeintliche Vollendung aller taktischer Entwicklungen des Abwehrspiels. Auf internationalem Topniveau wollte sich damit lange einzig Conte nicht abfinden. Sein 3-5-2-System, mit dem er Juventus Anfang des Jahrzehnts zu Italiens Serienmeister machte, war lange erfrischende Abwechslung. Er hübschte die verstaubte Dreierkette auf, machte sie salonfähig und stellte sie dann auch als italienischer Nationaltrainer ins Schaufenster.

Getragen wurde sie sowohl bei Contes Juve als auch später bei der Squadra Azzurra aber vor allem vom exquisiten Spielermaterial. Als Conte im Sommer Chelsea übernahm, grinsten ihm beim Training zum ersten Mal seit einer Ewigkeit nicht mehr die grimmigen Gesichter eines Andrea Barzagli, Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci entgegen. Zumindest Letzteren wollte Conte sogar unbedingt mit auf die Insel mitnehmen. Vergeblich.

Seine neuen Abwehrrecken musste Conte erst kennenlernen, also ließ er sie zu Beginn mit der für sie gewohnten Viererkette agieren. "Ich kannte die Charakteristika der Spieler und als ich mit den anderen Verantwortlichen die Saison plante, war dieses neue System schon auch eine Alternative", sagt Conte. Beim Spiel gegen Hull wurde die Alternative dann zur Realität. Und Conte selbst war "überrascht, wie schnell die Spieler die Umstellung verstanden haben".

1,77 Meter große System-Personifizierung

Zur Personifizierung des neuen Systems wurde in den folgenden Spielen ein 1,77 Meter großer Nigerianer namens Victor Moses. So inkonstant wie seine Leistungen in den vergangenen Jahren waren, so konstant war stets sein Anstellungsverhältnis: Leihspieler. Chronisch unterschätzt wurde Moses von Chelsea an Liverpool, Stoke und West Ham weitergereicht.

Doch dann kam Conte, machte ihn zum Stammspieler auf der rechten Außenbahn und zum Spieler des Monats November in der englischen Liga. "Ich konnte sein Potenzial vom ersten Trainingstag an sehen", sagt Conte und beginnt die Fähigkeiten Moses aufzuzählen: "Seine Technik. Seine physische Kraft. Seine Fähigkeit, 70 Meter des Platzes zu beherrschen."

Letzteres ist der Schlüssel zum Erfolg für Contes 3-4-2-1, das sich etwas offensiver darstellt als sein 3-5-2 aus Juve- und Italien-Zeiten. Die Außenpositionen im Mittelfeld sind bei der abgeänderten Version noch mehr die neuralgischen Punkte, die Achillesfersen dieses ansonsten kompakten Systems. Marcos Alonso, den Conte für 23 Millionen Euro vom AC Florenz verpflichtete, und eben Moses erfüllen die Anforderungsprofile perfekt. Offensiv umtriebig und unruhestiftend, defensiv bissig und stabil.

Belgische und brasilianische Referenzpunkte

Durch das üppige Lungenvolumen und ausgeprägte Spielverständnis dieses Duos können sich ihre Mitspieler erst entfalten. Allen voran Eden Hazard. Keiner profitiert von der Systemumstellung so extrem wie der Belgier. In der vergangenen Saison unter Mourinho verunsichert und auf dem linken Flügel isoliert, lässt ihn der neue linke Außenspieler Alonso ins Herz des Spiels rücken. Hazard spielt, trifft und begeistert wieder wie Hazard eigentlich spielt, trifft und begeistert. "Er ist immer ein Referenzpunkt für seine Mitspieler", lobt Conte.

Hazard ist also der offensive Referenzpunkt der Mannschaft, David Luiz der defensive. Als zentrales Element der Dreierkette, zwischen Cesar Azpilicueta und Gary Cahill, ist der 35 Millionen Euro teure Rückkehrer von Paris Saint-Germain der Organisator des blauen Defensivverbundes.

Berührte Luiz einst als letzter Mann den Ball, erschauderten die eigenen Fans wohl wie ein Friseurlehrling mit dem Auftrag, dessen Mähne zu bändigen. Vorbei sind diese Zeiten aber, Luiz ist mit seinen 29 Jahren mittlerweile bedachter. Tiefenentspannt können Fans an ihrem Bier nippen, wenn der Brasilianer Chelseas Aufbauspiel einleitet.

Ungelüftete Geheimnisse

So wild umherstiefelnd Conte seine Coachingzone beherrscht, so bedacht beherrscht seine Mannschaft das Feld. "Er sorgt dafür, dass jeder Spieler perfekt Bescheid weiß, wie er sich auf dem Platz verhalten muss", sagt Luiz. Ein größeres Lob kann ein Trainer kaum bekommen. Wobei, vielleicht doch.

Nämlich dann, wenn der Mann, der vermeintlich alle Tiefen des Fußballs bereits durchgraben, zugeschüttet und noch einmal durchgraben hat, vor dem Duell mit Contes Chelsea so etwas sagt wie: "Wir müssen versuchen, Contes Geheimnis zu lüften." Pep Guardiola fühlt sich herausgefordert, sein Respekt vor Contes taktischem Verständnis ist enorm - der Ritterschlag schlechthin für den Italiener.

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