Freitag, 04.11.2016

Tottenham Hotspur: Die beste Spurs-Mannschaft aller Zeiten

Glory Times 'round White Hart Lane

Große Titel konnte Tottenham Hotspur (So., 13 Uhr gegen Arsenal live auf DAZN und im LIVETICKER) schon lange nicht mehr gewinnen. Einst galten die Spurs aber gleichermaßen als Glamour- wie Siegerklub. Unter dem legendären Trainer Bill Nicholson dominierte Tottenham Anfang der 1960er Jahre mit einem neuartigen Spielstil den englischen Fußball. Es ist eine Geschichte aus einer längst vergangenen Fußball-Zeit. Sie erzählt von Freundschaften, Brombeerbüschen, Geistern und einem tragischen Tod.

Sie nannten ihn "The Ghost" und sie taten das aus mehreren Gründen. Da wäre etwa sein Gesicht. Blass und auch matt sah es stets aus, als er einst über den Rasen der White Hart Lane passte und schoss und lief. Geisterhaft machte er auch das, er sah Spiel-Situationen immer früher als alle Anderen. "Er war unscheinbar und so schwer zu fassen wie Wasser", sagt Julie Welch gegenüber SPOX. Als Spurs-Biographin, Journalistin und Autorin mehrerer Bücher muss sie es wissen.

Der 21. Juli 1964 war es dann, als aus einem Spitznamen Realität wurde. John White wurde zum "Ghost of White Hart Lane". Es war der erste Tag der Saisonvorbereitung, leichte Übungen und, klar, das Mannschaftsfoto standen auf dem Programm. White war unausgelastet, er ging im Anschluss mit einem Teamkollegen Tennis spielen und hatte immer noch nicht genug.

Alleine machte er sich auf den Weg zum Golfplatz und spielte seine Runde. Langsam verfinsterte sich der Himmel, es fing an zu regnen, zu donnern und zu blitzen. White suchte Zuflucht unter einem Baum.

Ein Blitz schlug ein und traf ihn. White war sofort tot.

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Und dann wurde es spursy

John White wurde nur 27 Jahre alt. Mit seinem tragischen Lebensende endete gleichzeitig eine Ära der Tottenham Hotspur, die Ära der Tottenham Hotspur. Im Sommer 1964 war Tottenham gleichermaßen glamourös wie erfolgsverwöhnt. 1961 holten die Spurs das Double, als erster englischer Verein des 20. Jahrhunderts, 1962 erneut den FA Cup und 1963 den Europapokal der Pokalsieger. Erstmals triumphierte ein Klub von der Insel in einem europäischen Wettbewerb. Die Spurs waren Vorreiter und Englands Vorzeigeklub.

Vorbei sind diese Zeiten. Die Spurs wurden spursy und von Jahr zu Jahr nur immer noch spursyer. Sie versagen im entscheidenden Moment. "Es ist ein tatsächliches Phänomen, das Tottenham stets knapp vor dem Erreichen eines Ziels heimsucht", erklärt ein Fan klagend den Begriff "spursy".

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Womöglich begann all die Tragik mit dem so kuriosen, so unglücklichen Tod von John White. Sein Ableben war jedenfalls die "ultimativ spursy Art und Weise, diesen Planeten zu verlassen", schrieb sein Sohn Rob später. Beim Ableben seines Vaters war er wenige Monate alt. Er sah seinen Vater und dessen Team nie spielen. Er kennt nur die spursy Spurs.

Gelebte Vision

Geblieben ist den spursy Spurs in den folgenden Jahrzehnten zumeist die sehenswerte, teils spektakuläre Spielweise ihrer Vorfahren. Verloren haben sie aber ihre Zielstrebigkeit und den Erfolgshunger der großen Mannschaft und des großen Trainers, des Bill Nicholson. 1958 übernahm er die Spurs. "Er hatte die Vision, eine wundervolle Angriffs-Mannschaft zu formen", sagt Welch. Er sollte seine Vision leben.

"Es ist besser, hohe Ziele zu haben und zu scheitern, als geringe und diese beim Erreichen als Erfolge zu verkaufen. Und die Ziele der Spurs sind sehr hoch", sagte Nicholson mal, "so hoch, dass uns selbst bei Niederlagen ein Hauch von Ruhm umgibt." Niederlagen erlebte seine Mannschaft in diesen Jahren jedoch ohnehin nur wenige. Die frühen 1960er Jahre waren die Krönung einer Entwicklung.

Der spirituelle Vater dieses Teams war damals schon längst tot. Er hieß Peter McWilliam und schuf als Tottenham-Manager in der Zwischenkriegszeit "The Spurs Way". Sein Motto hieß "pass and move". Kontinentaleuropäisch spielten die Spurs und so gar nicht britisch. "Es war nicht ganz tiki-taka aber ziemlich schnell und flüssig", sagt Welch.

Artur Rowe entwickelte die Spielphilosophie nach dem Krieg weiter, nun hießen die Schlagwörter neben "pass and move" auch "push and run". Eine Feinjustierung des Stils, die auch ein unscheinbarer Defensivspieler ausführte und aufsaugte. Sein Name: Bill Nicholson.

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Nino Duit

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Nino Duit(Redaktion)

Nino Duit, Jahrgang 1994, ist seit 2016 festes Mitglied der Redaktion. Aufgewachsen in Klosterneuburg bei Wien zog es ihn zu seinem Sportjournalismus-Studium nach München. Berichtete nebenbei für den Münchner Merkur und absolvierte Praktika bei der Süddeutschen Zeitung und dem FC Bayern. Arbeitet außerdem als freier Mitarbeiter für das österreichische Fußballmagazin ballesterer. Ist bei SPOX im Fußball-Ressort zuhause.

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