Die historische Rivalität zwischen Manchester United und dem FC Liverpool

Der Kampf um den verdammten Sockel

Mittwoch, 12.10.2016 | 19:00 Uhr
Manchester United (20 Meistertitel) und der FC Liverpool (18) sind die erfolgreichsten Klubs Englands
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FC Liverpool gegen Manchester United - am Montag (21 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER) steigt eines der traditionsreichsten Spiele des englischen Fußballs. Die Rivalität zwischen Reds und Red Devils ist alt wie intensiv. Sie erzählt Geschichten von umstrittenen Schiffskanälen, makaberen Gesängen und gemeinsamen Klassenerhalts-Missionen, sie erzählt von verbindenden Abendprogrammen und spaltenden Gehässigkeiten.

Alex Ferguson hat in seiner Karriere als Fußball-Manager viel gewonnen, verdammt viel sogar. Zweimal holte er mit Manchester United die Champions League, 1999 und 2008 war das. Er triumphierte fünf Mal im FA Cup und gewann mehr Meisterschaften (13), als es in Manchester Sonnentage pro Monat, vielleicht sogar pro Quartal zu genießen gibt. Acht dieser Titel gewann er nicht als Alex Ferguson, sondern als Sir Alex Ferguson. 1999 wurde der Schotte zum Ritter geschlagen.

Ferguson ist Namensgeber eines Bauwerks (Sir Alex Ferguson Stand, Nordtribüne des Old Trafford), erstaunlich langer Nachspielzeiten bei eigenem Rückstand (Fergie Time) und einer mit eigens ausgebildeten Spielern gespickten Mannschaft (Fergie's Fledglings). Darüber hinaus finanziert er die englische Kaugummi-Industrie. Kurz: Ferguson hat in seiner Karriere Einiges erreicht, worauf er stolz sein kann.

Eines gibt es aber, was all das übertrifft. "Meine größte Herausforderung ist es, Liverpool von seinem verdammten Sockel zu stoßen", sagte Ferguson 2002. 16 Jahre zuvor übernahm er Manchester United, der amtierende Meister hieß FC Liverpool. Genau wie in sieben der elf vorangegangenen Jahre. Rekordmeister waren die Reds damals auch, logisch. Ferguson machte sich also auf, die Dominanz der westlichen Nachbarn zu durchbrechen. Es sollte gelingen.

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Blaues Wasser statt grüner Rasen

All das gab es schon einmal, über hundert Jahre früher und nicht auf grünem Rasen sondern blauem Wasser. Die Protagonisten waren nicht revolutionäre Trainer und talentierte Kicker, sondern gewiefte Ingenieure und verdreckte Arbeiter. Die Rivalität zwischen den Städten, die heute im Fußball weitergelebt wird, hat ihren Ursprung während der Industriellen Revolution. Sie hat ihren Ursprung im Bau eines 58 Kilometer langen Schiffskanals.

Liverpools Hafen, das war lange Manchesters Zugang zur großen, weiten Welt. Das wussten die Liverpudlians natürlich und nutzten es schamlos aus. Während in Manchester die "niederen Arbeiten", vor allem in der Textilindustrie, vollbracht wurden, finanzierte sich Liverpool schlicht durch hohe Hafengebühren für Lieferungen nach Manchester. "The Liverpool gentleman and the Manchester man", hieß es abschätzig von West nach Ost.

1894 war Schluss damit. Trotz heftigen Protesten aus Liverpool wurde nach sechs Jahren Bauzeit der Manchester Ship Canal, eine direkte Verbindung zwischen Meer und Manchester, eröffnet. Manchester hatte sich also emanzipiert, Liverpool verlor in der Folge gleichermaßen an Einkünften wie an Einfluss. Das Blatt hatte sich gewendet.

"You told us to come back"

Den englischen Fußball dominierten zu dieser Zeit um die Jahrhundertwende Vereine wie Preston North End, Sunderland oder Aston Villa. Manchester United und der FC Liverpool waren noch Klubs wie viele andere. Noch. Ändern sollte sich das in den 1960er Jahren. Dank zweier schottischen Manager: Uniteds Matt Busby und Liverpools Bill Shankly formten ihre Klubs gleichermaßen zu englischen Aushängeschildern wie europäischen Titelträgern und begründeten die fußballerische Rivalität.

Bald zogen die Reds hinsichtlich ihrer Erfolge jedoch davon. Ab 1976 durften sie sich Rekordmeister nennen. "Come back when you have won 18", richteten Liverpool-Fans Mitte der 90er Jahre aus, "kommt zurück, wenn ihr 18 Titel habt". United stand zu diesem Zeitpunkt noch bei einer einstelligen Anzahl an Triumphen.

Geht es um die Ehre, vergisst der Fußball-Fan nicht. "You told us to come back when we won 18 - we are back", hieß es 2009, als United mit dem alten Rivalen gleichzog, auf einem Banner. Zwei Spielzeiten später übertrumpften die Red Devils die Reds gänzlich. Alex Ferguson hatte sein Lebensziel erreicht, er hatte Liverpool "von seinem verdammten Sockel gestoßen".

Geht es nach den Fans, ist die Geschichte mit dem Sockel jedoch unerheblich. Wer die Nummer eins ist, steht ohnehin fest. "Bei beiden Vereinen glaubt man, der größte Klub der Welt zu sein", erzählte Autor Kevin Sampson, der sich mit der Rivalität auseinandersetzt, mal gegenüber CNN, "United hinsichtlich der Anhängerschaft und den Einnahmen, Liverpool hinsichtlich der Folklore und den historischen Erfolgen."

Tragödien, die zu Mythen wurden

Geprägt sind die Historien der beiden Vereine jedoch nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Tragödien. Tragödien, die zu Mythen wurden und tief verwurzelt sind in der DNA des jeweiligen Klubs: Uniteds Flugzeugunglück von 1958 und Liverpools Hillsborough-Katastrophe von 1989.

Gemeinsam haben die beiden Klubs aber nicht nur die schmerzhaften Episoden selbst, sondern auch, dass sie regelmäßig daran erinnert werden. Meist zweimal im Jahr, dann nämlich, wenn es gegen den Erzrivalen geht. Kleine Gruppen beider Fanlager besingen hämisch die Tragödie des Kontrahenten. "Sie haben viel mehr gemeinsam, als sie jemals zugeben würden. Vielleicht ist diese Rivalität deshalb so beständig", sagt Sampson.

Als das Flugzeug von United aber einst tatsächlich verunglückte, war an makabere Schmähgesänge noch nicht zu denken. Ganz im Gegenteil. Acht United-Kicker kamen ums Leben und der Erzrivale - damals gerade in der zweiten Liga - bot United die Dienste eigener Spieler an, damit die Saison zu Ende gespielt werden konnte.

Pint im Feindesland

Es ist eine dieser rührenden Episoden aus einer anderen, längst vergangenen Zeit. Einer Zeit, in der Fußballer in ihrem Privatleben noch privat und Freundschaften zwischen Liverpool- und United-Spielern so normal waren, wie als Profi im Pub ein Pint zu kippen. "Wir sind alle gemeinsam ausgegangen", erinnert sich Uniteds Pat Crerand im Guardian an gemeinsame Unternehmungen mit Spielern des Rivalen, "ich weiß nicht wie oft Ian St. John und seine Frau bei mir zu Besuch waren."

Gegenbesuche in Liverpool absolvierte Crerand selbstverständlich auch, jedoch nicht im häuslichen sondern im fußballerischen Wohnzimmer von Reds-Stürmer St. John. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich hinter dem Tor auf dem Kop stand, um Liverpool zu sehen", sagt Crerand.

Demütigungen im Programm

Wäre Crerand auch beim FA-Cup-Spiel der beiden Teams 2006 dort gestanden, er wäre ziemlich angewidert und eher weniger erfreut gewesen. Und gestanden wäre er in Wahrheit wohl auch nicht, das ist mittlerweile offiziell nicht mehr erlaubt. United-Spieler Alan Smith brach sich ein Bein, was den Kop dazu animierte, Rettungssirenen nachzuahmen.

Es passte ins Bild einer Rivalität, die sich gewandelt hatte. Einer Rivalität, die hässlich geworden war. United-Star Eric Cantona wurde von Fans bespuckt, Ferguson beinahe tätlich angegriffen, Luis Suarez beleidigte Patrice Evra vermeintlich rassistisch und Spieler beider Teams wurden von Fans mit Münzen und Essensresten beworfen.

Demütigungen standen auf der Tagesordnung, an Anekdoten mangelt es nicht. Ryan Giggs etwa wurde in Anfield einst von einem Reds-Fan nach einem Autogramm gefragt. Der United-Spieler erbarmte sich. Ein Fehler. "Ich gab es ihm, und er zerriss es vor meinen Augen", erinnert sich Giggs.

Gary Neville liefert die verbale Zusammenfassung der Auswüchse, die die Rivalität genommen hatte: "Ich kann Liverpool nicht leiden, ich kann die Leute nicht leiden, ich kann nichts leiden, was damit zu tun hat." Erfolg konnte damit nicht gemeint sein, denn der geht Liverpool seit langem ab. "Das Tolle ist: Unsere jungen Fans erinnern sich überhaupt nicht mehr daran, dass Liverpool mal erfolgreich war", sagte Ferguson.

Gemeinsam zum Klassenerhalt

Nichts mehr zu sehen also von Verbrüderungen zwischen United und Liverpool, die einst Normalität waren. 1915, die Blackburn Rovers gerade amtierender Meister, steckte United tief im Abstiegskampf. Die Red Devils, die diesen teuflischen Spitznamen, den sie später bekommen sollten, damals noch gar nicht kannten, brauchten dringend einen Sieg, um ihre Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.

Kurzerhand "einigten" sich die Spieler der Rivalen auf ein Ergebnis und setzten, wenn schon dabei, auch das eine oder andere Pfund auf das entsprechende Resultat. United siegte 2:0. Der Manchester Football Chronicle war davon "überrascht und angewidert". United hielt die Klasse.

Von düster bis rührend, von hässlich bis humorvoll - Liverpool gegen United ist etwas Besonderes. "Diese Rivalität ist einzigartig in Großbritannien, deswegen brauchen wir uns gegenseitig", sagte Ferguson mal. Die Jagd auf Liverpools Rekorde war stets ein Antrieb seiner Karriere.

"You'll Never Walk Alone" ist Liverpools Hymne gleichermaßen wie eine treffende Beschreibung einer der intensivsten Rivalitäten des englischen Fußballs. Jahrzehntelang dominierten Liverpool und United den englischen Fußball, aber zur eigenen Bestätigung und Erfüllung braucht es stets nicht nur Titel, sondern auch den großen Rivalen. Und am besten dessen Versagen.

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