Bastian Schweinsteigers Situation bei Manchester United

Im Stile des Monaco Franze

Montag, 29.08.2016 | 11:00 Uhr
Bastian Schweinsteiger wechselte 2015 vom FC Bayern zu Manchester United
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Der 31. August wird für Bastian Schweinsteiger ein bewegender Tag. Der Weltmeister von 2014 wird zum letzten Mal im Trikot der Nationalmannschaft auflaufen und offiziell verabschiedet. Gleichzeitig schließt aber auch das Transferfenster und seine schwierige Situation bei Manchester United dürfte zementiert werden. Zum Ende seiner Karriere erlebt er die vielleicht schwerste Phase. Was wird jetzt aus dem Helden von Rio?

Bastian Schweinsteigers nächstes Ziel heißt Düsseldorf. Er wechselt natürlich nicht zur dort ansässigen Fortuna, er reist zum Treffpunkt der Nationalspieler. Die DFB-Elf startet dort die Vorbereitung auf den Test gegen Finnland und das WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen.

Für Schweinsteiger ist es der letzte Trip zur Nationalmannschaft, er hat vor einigen Wochen nach dem Halbfinal-Aus bei der EM in Frankreich seinen Rücktritt erklärt. Sein 121. Einsatz für Deutschland wird sein letzter sein. Davor wird Schweinsteiger noch zwei Trainingseinheiten absolvieren, er wird noch einmal zum elitären Kreis der besten deutschen Fußballspieler gehören.

Aber es ist auch klar, dass er nicht mehr wirklich dazu gehört, sondern nur noch einmal kurz vorbeischaut, um am Mittwoch in Mönchengladbach sein Abschiedsspiel zu absolvieren, das unter dem Motto "Servus, Basti" stattfinden wird. Nach Oslo wird der DFB-Tross ohne Schweinsteiger reisen.

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Mourinho sortiert Schweinsteiger aus

Der 32-Jährige wird - so ist zumindest jetzt der Stand - wird dann wieder nach Manchester fliegen. Er steht noch bis 2018 bei United unter Vertrag und hat erst kürzlich via Twitter-Botschaft mitgeteilt, dass er an keinem Wechsel innerhalb Europas mehr interessiert sei.

Das Problem an der Geschichte ist nur, dass Schweinsteiger bei den Red Devils irgendwie auch nicht mehr wirklich dazu gehört. Trainer Jose Mourinho plant nicht mehr mit dem Weltmeister von 2014. "Wir haben eine grundsätzliche Entscheidung über Paul Pogba, Ander Herrera, Morgan Schneiderlin, Marouane Fellaini und Michael Carrick getroffen. Wir haben fünf Spieler für zwei Positionen", sagte Mourinho vergangene Woche.

Ob Schweinsteiger überhaupt nochmal für United zum Einsatz komme in dieser Saison? "Das dürfte sehr schwer werden", sagte Mourinho. Er wolle das zwar nicht kategorisch ausschließen, aber ein echtes Szenario sah der Portugiese nicht.

Die Statistiken von Schweinsteiger und Pogba in der Saison 2015/16

Welche Rolle spielt Ivanovic?

Man kann es nicht anders sagen: Mourinho hat Schweinsteiger aussortiert und das obwohl beide über die Jahre immer wieder ihre gegenseitige Wertschätzung ausgedrückt haben. Ob allein sportliche Gründe für diese Entscheidung herhalten mussten und Mourinho Schweinsteiger schwächer als seine Konkurrenten einschätzt, darüber diskutiert jetzt nicht nur ganz Fußball-England.

Sportlich gestaltet sich die Sache so, dass in den drei Ligaspielen bisher Fellaini auf der Sechs spielte und zunächst von Herrera und nach dem 105-Millionen-Euro-Rekodtransfer von Pogba ergänzt wurde.

Zuletzt gab es aber auch Meldungen, wonach Schweinsteiger in der vergangenen Saison mit seinen Reisen zu Tennisturnieren seiner Frau Ana Ivanovic für Diskussionen innerhalb der Mannschaft gesorgt und den "dressing room" verloren habe. Einige Spieler sollen ihm nahegelegt haben, schneller fit zu werden und nicht auf den Tennisplätzen dieser Welt zu sitzen.

Schnelles Ende des "14-Millionen-Pfund-Rambo"

Die Situation ist also klar, aber nicht ganz einfach. Schweinsteiger wird unter Mourinho nicht mehr für United spielen, aber will innereuropäisch nicht mehr wechseln. Schließlich erfüllte sich Schweinsteiger mit diesem Transfer vor rund 13 Monaten auch einen Traum. Und auch die englische Presse freute sich auf den "14-Millionen-Pfund-Rambo" (Times), der "harte Bastian" werde "pures Gold für United sein" (Sun).

Immer wieder hat Schweinsteiger betont, dass er mit seinem Wechsel sehr zufrieden sei. Er wollte etwas Neues kennenlernen, suchte einen neuen Reiz und Manchester United war ihm schon als Kind nach dem FC Bayern am nächsten.

In der schwierigen Saison unter Louis van Gaal schlug Schweinsteiger nicht ein wie eine Bombe, aber lieferte durchaus anständige Spiele ab. Im November wählten ihn die Fans gar zum Spieler des Monats.

Letzte Option USA? Nur mit United-Hilfe

Was ist jetzt also passiert? Und wie soll es weitergehen? Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Schweinsteiger für den Rest seiner Karriere den Vertrag bei United aussitzt und nach Siegen per Twitter Glückwünsche @ManUtd schickt. Schweinsteiger hat in seiner Karriere zu viel erlebt, zu viel geleistet, um das als annehmbaren Abschied zu betrachten.

Seine Möglichkeiten sind aber vorerst beschränkt. Solange er bei United unter Vertrag steht, dürfte es keinen Wechsel geben. Innerhalb Europas will er nicht wechseln und von den Ligen, in denen Stars ihre Karrieren ausklingen lassen, kommt eigentlich nur die US-amerikanische MLS infrage. China oder die Emirate sind für Schweinsteiger keine interessanten Ziele.

Allerdings hat das Transferfenster der MLS noch bis Februar geschlossen. Der einzige Weg, um diese Hürde zu umgehen wäre eine Vertragsauflösung. Ein FIFA-Sprecher bestätigte, dass jeder vertragslose Fußballer, sich zu jederzeit einem Verein in jeglichem Verband anschließen kann. United würde zwar in diesem Fall auf eine Ablöse verzichten, könnte aber einen der Spitzenverdiener von der Gehaltsliste streichen.

Bleibt noch die Frage, ob sich in den USA überhaupt ein passender Verein findet. Denn in der MLS gibt es einen Salary Cap, wonach alle Spieler zusammen nur 3,49 Millionen US-Dollar verdienen können.

Ausgenommen sind die Designated Player, wovon sich jedes Team drei in den Kader holen kann. Die großen, zugkräftigen Teams wie New York und Los Angeles sind zum jetzigen Zeitpunkt aber schon voll.

Schweinsteiger souverän und zurückhaltend

Schweinsteiger hat nach Jahren des Erfolgs gerade die vielleicht härteste Phase seiner sportlichen Laufbahn durchzustehen. Es wird auch einiges Geschick seiner Berater gefragt sein, um ihn aus dieser Zwickmühle zu befreien.

Aufgrund seiner Erfahrung geht er aber sehr gelassen mit seiner Situation um. Es ist bemerkenswert, wie souverän und zurückhaltend er seine Degradierung verarbeitet und sich nicht öffentlich beklagt. Schweinsteiger hat nach einigen Flegeleien in seiner Anfangszeit relativ früh für sich entschieden, sich nicht vom Boulevard einnehmen zu lassen und sich rar gemacht.

Trotz seiner Beziehungen zu Sarah Brandner und später Ivanovic hat es Schweinsteiger weitestgehend geschafft, sein Privatleben aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Er konnte sich in der Münchner Innenstadt, wo er jahrelang wohnte, ohne großen Rummel bewegen.

Oft war er für einen Führungsspieler in der Öffentlichkeit sogar unterrepräsentiert, in Verbindung mit dem eloquenten Philipp Lahm bildete er bei Bayern und der Nationalmannschaft aber ein gut harmonierendes Führungsduo.

"Das Leben ist wichtiger als der Sport"

Schweinsteiger ist erwachsen geworden. Im Stile des Monaco Franze könnte man sogar sagen, er ist ein ernsthafter, älterer Herr geworden. Dazu passt auch, dass vor seinem Abschiedsspiel schon lange keiner mehr von Schweini spricht.

Schweinsteiger ist mit sich selbst im Reinen. Er hat eine große Karriere hinter sich und was noch kommt, ist im Moment noch offen. Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum ihn das nicht fürchterlich belastet, hilft ein Blick in ein Interview mit der Zeit Ende 2015.

Damals sagte Schweinsteiger auf die Frage, ob er Angst habe, dem Erwartungsdruck bei der EM nicht gewachsen zu sein oder sich bei Manchester United nicht etablieren zu können: "Natürlich habe ich manchmal ein bisschen Angst. Momentan überwiegt allerdings die Freude auf das Neue. Und wenn ich irgendwas von alldem nicht schaffen sollte, dann weiß ich mittlerweile, dass das Leben wichtiger ist als der Sport."

Bastian Schweinsteiger im Steckbrief

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