Dienstag, 03.03.2015

Steffen Freund im Interview

"Can wird Gerrards Nachfolger"

Das ist mal ein Statement: Steffen Freund, ehemaliger DFB-Nationalspieler und Junioren-Bundestrainer, zeigt sich begeistert von Emre Can - und sieht in ihm den nächsten Liverpool-Superstar. Zu Felix Magath hält er sich nach der "Katastrophe" lieber zurück. Freund über die Faszination England, das legendäre Spurs-Team um den unterschätzten David Ginola und Harry Kane, die Sensation der Premier League.

Emre Can kämpft beim FC Liverpool an der Seite von Steven Gerrard
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Emre Can kämpft beim FC Liverpool an der Seite von Steven Gerrard

SPOX: Herr Freund, zum Jahreswechsel traten Sie einen kleinen Internet-Hype los, nachdem Sie bei der Darts-WM in London im Teletubby-Kostüm zu sehen waren. Sind Sie ein echter Darts-Fan?

Steffen Freund: Schon vor zehn Jahren, als ich bei den Tottenham Hotspur war, wollte ich unbedingt zur Darts-WM. Leider hat es damals nie geklappt, aber ich verfolgte die Darts-WM seither im Fernsehen und war begeistert von der Stimmung und der positiven Art, wie jeder Spieler gefeiert wurde. Zu der Zeit wurde Darts in Deutschland noch belächelt, doch mittlerweile versteht auch hier jeder, wie professionell diese Sportart ist und welchen Druck die Spieler aushalten müssen. Daher hatte ich es seit Jahren im Hinterkopf, mit der Familie den Ally Pally zu besuchen - und wir wurden nicht enttäuscht. Wir waren live dabei, als Adrian Lewis den Neun-Darter warf und das Dach beim Jubel fast abhob. Dabei ist Darts im Ally Pally mehr als nur Spitzensport. Es ist gleichzeitig eine riesige Party! Eigentlich in Deutschland nur mit dem Karneval zu vergleichen.

SPOX: Ihre Darts-Leidenschaft spiegelt Ihre Affinität zu England wider?

Freund: Deutsche können auch gut feiern, wobei die englische Mentalität etwas ganz Besonderes ist. Die Engländer nehmen es insgesamt lockerer. Die Darts-WM steht stellvertretend für ein Lebensgefühl, das mir gefällt. Deswegen bin ich so gerne in England.

Steffen Freund (r.) arbeitet als Internationaler Technischer Koordinator bei den Tottenham Hotspur
Steffen Freund (r.) arbeitet als Internationaler Technischer Koordinator bei den Tottenham Hotspur
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SPOX: Sie sind weiterhin für die Tottenham Hotspur tätig, obwohl der komplette Trainerstab vom neuen Teammanager Mauricio Pochettino ausgetauscht wurde. Was machen Sie genau?

Freund: Der Alltag ist mittlerweile ruhiger. Als Co-Trainer unter Andre Villas-Boas und Tim Sherwood war ich ins tägliche Training voll eingebunden. Mauricio hingegen hat sein eigenes Trainerteam mitgebracht, was verständlich und legitim ist. Seitdem bin ich weg vom ersten Team und habe den Posten "Internationaler technischer Koordinator" übernommen. Ich bin viel unterwegs und repräsentiere die Spurs. Ich war bereits zweimal in China, um dort die Toptalente des Landes zu scouten und die Zusammenarbeit mit unserem Hautsponsor AIA zu intensivieren. Es gibt in China auch ein gemeinsames TV-Projekt, bei dem die Spurs gemeinsam mit Inter Mailand die Talente von morgen suchen. Der Markt in Asien ist ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts.

SPOX: Sie wurden in die Hall of Fame des Klubs berufen und sind Kult bei den Spurs-Fans, weil Sie ein Vorbild an Einsatz waren. Halb scherzend, halb ehrfurchtsvoll sprach Sie Ihr damaliger Teamkollege David Ginola immer mit "Arbeit" an. Wie war Ihr Verhältnis?

Freund: Ich habe David zuletzt in China wiedergesehen. Er ist ein extremer Individualist, aber mit großem Herz und gutem Charakter. Er nannte mich immer "Arbeit", weil ich immer von ihm wollte, dass er defensiv mehr investiert. Auf der anderen Seite habe ich offensiv nicht so viel beigetragen, wie es sich David gewünscht hat. Wir haben uns bei allen Unterschieden immer sehr respektiert.

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SPOX: Was dachten Sie sich, als Ginola seine Kandidatur für das FIFA-Präsidentenamt bekanntgab, nur um zwei Wochen später wieder zurückzuziehen?

David Ginola: Seine beste Rolle

Freund: Er hatte zwei Wochen Zeit, die Unterstützung von fünf nationalen Fußball-Verbänden nachzuweisen. Dass das nicht gelingt, war absehbar, daher musste er auch zurückziehen. Anders als einige andere Beobachter glaube ich schon, dass es David mit der Kandidatur dennoch ernstgemeint hat. Es zeigt gleichzeitig, dass David weiter seinen Platz im Fußball sucht. Er muss sich Gedanken machen, was er wirklich will, und das konsequent verfolgen. Dann wird er seinen Platz finden, sei es bei einem Verein oder bei einem Verband.

SPOX: Ginolas Rastlosigkeit nach der Karriere: Ist sie ein Spiegel für seine aktive Laufbahn? Er galt immer als äußerst talentiert, trotzdem spielte er nie für einen großen Klub und zählte nie zu den Superstars.

Freund: Nein, das darf man nicht vermischen. Er war zu seinen aktiven Zeiten schon ein Typ, der mit vielen aneinandergeriet. Doch was viele unterschätzen: Er war ein wirklich grandioser Fußballer. Er war der Größte, mit dem ich je zusammengespielt habe. Es war unfassbar, wie er mühelos eine Begegnung komplett alleine entscheiden konnte. Das, was Cristiano Ronaldo und Lionel Messi heute sind, war damals David. Ich sehe ihn auf dem gleichen Niveau wie die beiden. Einige können sich das nicht mehr vorstellen, aber er war zu seinen besten Zeiten nicht nur ein Techniker, sondern auch ein physisch unglaublich robuster und starker Spieler, der locker an fünf Leuten vorbeiging. Ich bewunderte an ihm gar nicht so die Technik, sondern die Dynamik, die er entwickeln konnte.

David Ginola: Vom Sunnyboy zum Funktionär
Bei Paris St. Germain wurde David Ginola zum Star. In 115 Spielen für den Haupstadtklub gelangen ihm 33 Treffer
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Bei Paris St. Germain wurde David Ginola zum Star. In 115 Spielen für den Haupstadtklub gelangen ihm 33 Treffer
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Doch obwohl seine Leistungen stetig gut waren, kam er in der Equipe Tricolore kaum zum Einsatz. Sein Fehler war mitentscheidend für das Nicht-Erreichen der WM 1994
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Doch obwohl seine Leistungen stetig gut waren, kam er in der Equipe Tricolore kaum zum Einsatz. Sein Fehler war mitentscheidend für das Nicht-Erreichen der WM 1994
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Abseits des Rasens wusste Ginola jedoch immer zu überzeugen. Oft ließ sich der Lebemann zwischen hübschen Frauen oder auf Booten ablichten
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Abseits des Rasens wusste Ginola jedoch immer zu überzeugen. Oft ließ sich der Lebemann zwischen hübschen Frauen oder auf Booten ablichten
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Zur Saison 1995/1996 wechselte der Flügelstürmer nach England. Unter Kevin Keagan spielte er bei den Magpies in Newcastle
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Zur Saison 1995/1996 wechselte der Flügelstürmer nach England. Unter Kevin Keagan spielte er bei den Magpies in Newcastle
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Wie es sich für einen Beau gehört, war Ginola auch als Model auf den Laufstegen dieser Welt unterwegs
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Wie es sich für einen Beau gehört, war Ginola auch als Model auf den Laufstegen dieser Welt unterwegs
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Nach zwei Jahren in Newcastle zog es den Wandervogel zu den Tottenham Hotspurs. Hier erlebte er seine erfolgreichsten Jahre als Spieler
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Nach zwei Jahren in Newcastle zog es den Wandervogel zu den Tottenham Hotspurs. Hier erlebte er seine erfolgreichsten Jahre als Spieler
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Als Spieler des Jahres in der Saison 1998/1999 steht er in einer Reihe mit Legenden wie Roy Keane, Cristiano Ronaldo oder Landsmann Thierry Henry
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Auf der Höhe seines Schaffens veröffentlichte der Junge aus Gassin seine Autobiographie mit dem Titel "David Ginola: Le Magnifique - My Autobiography"
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Auf der Höhe seines Schaffens veröffentlichte der Junge aus Gassin seine Autobiographie mit dem Titel "David Ginola: Le Magnifique - My Autobiography"
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Zum Ende seiner Karriere wirkt der Franzose gesetzter. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ist er im Disneyland Paris zu Gast
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Zum Ende seiner Karriere wirkt der Franzose gesetzter. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ist er im Disneyland Paris zu Gast
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Von Tottenham ging es für den Wahl-Engländer weiter zu Aston Villa. In zwei Saisons spielt er 33 Mal und erzielt drei Treffer
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Von Tottenham ging es für den Wahl-Engländer weiter zu Aston Villa. In zwei Saisons spielt er 33 Mal und erzielt drei Treffer
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Aber nicht nur als Fußballer, Model und Frauenheld gibt Ginola eine gute Figur ab: Hier besucht er die Premiere vom Kurzfilm "Mr. Firecul", in dem er die Hauptrolle spielte
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Aber nicht nur als Fußballer, Model und Frauenheld gibt Ginola eine gute Figur ab: Hier besucht er die Premiere vom Kurzfilm "Mr. Firecul", in dem er die Hauptrolle spielte
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Als Ehemaliger ist Ginola heutzutage auf vielen Events und Preisverleihungen unterwegs. Für Späße mit Zlatan bleibt da natürlich immer Zeit
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Als Ehemaliger ist Ginola heutzutage auf vielen Events und Preisverleihungen unterwegs. Für Späße mit Zlatan bleibt da natürlich immer Zeit
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Als möglicher FIFA-Präsident würde nicht mehr viel Zeit für Golf bleiben. Aktuell betreibt Ginola den Sport sehr ambitioniert und hat ein Handicap von 4
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Als möglicher FIFA-Präsident würde nicht mehr viel Zeit für Golf bleiben. Aktuell betreibt Ginola den Sport sehr ambitioniert und hat ein Handicap von 4
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Aktuell sorgt Ginola mit der Ankündigung für Aufregung für das Amt des FIFA-Präsidenten zu kandidieren. Ob die Kandidatur jedoch ernst gemeint ist bleibt abzuwarten
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Aktuell sorgt Ginola mit der Ankündigung für Aufregung für das Amt des FIFA-Präsidenten zu kandidieren. Ob die Kandidatur jedoch ernst gemeint ist bleibt abzuwarten
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SPOX: Ein weiterer Exot, den Sie bei Tottenham kennenlernten, war der Schweizer Innenverteidiger Ramon Vega. Ähnlich exzentrisch wie Ginola, dafür fußballerisch nicht so begnadet.

Freund: Ich weiß noch, wie ich ihm 1995 erstmals begegnet bin, lange bevor wir uns bei Tottenham wiedersahen: Es war ein Freundschaftsspiel zwischen der Schweiz und Deutschland und da wurde dieser langhaarige Koloss eingewechselt und ich dachte nur: "Der kann niemals ein Schweizer sein!" Dann trafen wir uns bei den Spurs wieder - und ich werde Ramon für immer dankbar sein, wie er in der schwierigen Anfangszeit immer zu mir stand. Ich konnte nur wenige Brocken Englisch, weil ich ja in Ostdeutschland aufgewachsen war, entsprechend hart war es, in London Fuß zu fassen. Ramon half mir in der Zeit als Übersetzer und wir hatten viel Spaß. Und fußballerisch sollte man ihn nicht unter Wert verkaufen: Seine Karriere war vielleicht nicht so glanzvoll wie die von David oder so erfolgreich wie meine - trotzdem war er ein sehr guter Innenverteidiger.

Ramon Vega im Interview: Der Milliarden-Mann

SPOX: Was bei Vega ungewöhnlich war: sein breit gefächertes Interesse. Als Fußballer modelte er für Vivienne Westwood und bildete sich als Wirtschaftsexperte fort. Seit dem Rücktritt arbeitet er erfolgreich als Investmentbanker.

Freund: Ich freue mich riesig, dass er ein zweites Standbein gefunden hat. Das ist mit das Schwierigste überhaupt für einen Fußballprofi. Was jeder wissen muss: Man muss bereit sein zu lernen, egal wie erfolgreich man früher war. Daher ist Ramon ein gutes Vorbild für alle. Ich habe auch relativ früh die B-, und A-Trainerlizenz in Angriff genommen, weil ich wusste, dass ich im Trainer-Bereich wieder ein Anfänger bin und die Erfolge als Spieler nur begrenzt zählen.

Seite 1: Freund über seine Darts-Leidenschaft, seinen neuen Job und David Ginola

Seite 2: Freund über Magaths Scheitern, Cans Zukunft und Kanes Qualitäten

Interview: Haruka Gruber

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Haruka Gruber(Chefredakteur)

Haruka Gruber, Jahrgang 1980, ist als Content Director des Mutterkonzerns PERFORM Deutschland verantwortlich für die redaktionellen Inhalte bei SPOX.com. Geboren und aufgewachsen in Tokio, Umzug als Achtjähriger mit der Familie in die Nähe von Frankfurt. Nach dem Abschluss des Politikwissenschafts-Studiums in Mainz und Stationen in Köln und Hamburg folgte 2006 der Umzug nach München zu Sport1.de. 2007 der Wechsel zum neugegründeten SPOX.com. Kernressorts: Fußball, Basketball und Boxen.

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