FC Chelsea unter Jose Mourinho

Identität für die Erinnerung

Dienstag, 20.01.2015 | 14:33 Uhr
Diego Costa in der Premier League in 19 Spielen 17 Tore für den FC Chelsea erzielt
© getty
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Der FC Chelsea hat sich in der Premier League wieder ein Polster auf die Verfolger erarbeitet, in den Pokalwettbewerben sieht es gut aus und auch in der Champions League gehören die Blues zu den Favoriten. Jose Mourinho hat einen neuen Spielstil an der Stamford Bridge entwickelt und kommt damit einer alten Sehnsucht von Roman Abramowitsch näher. Der Leidtragende: Andre Schürrle.

Das fantastische 5:0 des FC Chelsea gegen Swansea City war schnell abgehakt, der Blick richtete sich nach vorne auf das nächste Spiel. Am Dienstag gastierten die Blues im Hinspiel des Halbfinals im League Cup beim FC Liverpool und nahmen ein 1:1 mit an die Stamford Bridge.

Eine Reise an die Anfield Road löst bei Jose Mourinho noch immer gemischte Gefühle aus. Der portugiesische Manager des FC Chelsea wurde schon mit vielen Attributen versehen, aber nachtragend ist er ganz sicher.

Historisch sei Anfield, klar, und jeder möge es, dort zu spielen. "Aber ein Champions-League-Halbfinale verloren zu haben aufgrund eines Treffers, bei dem der Ball die Linie nicht überquert hat, wird immer in meinem Gedächtnis bleiben. Das kann ich nicht vergessen, natürlich tut es immer noch weh", sagte Mourinho.

Ein Makel in der Bilanz

Liverpools Luis Garcia hatte vor rund zehn Jahren das entscheidende 1:0 erzielt. Ob der Ball wirklich hinter der Linie war, konnten die Fernsehbilder nie beweisen. Mourinho, der Verschwörungstheorien grundsätzlich nicht abgeneigt ist, hat bisher kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um diese - aus seiner Sicht - Ungerechtigkeit anzuprangern.

Auch deshalb ist er ein Befürworter der Torlinientechnologie, die es zwar in der Premier League, aber nicht im League Cup gibt. "Also sind wir nicht davor gefeit, dass es wieder passiert." Luis Garcia spielt mittlerweile in Indien, Mourinho ist wieder Trainer beim FC Chelsea.

Mourinho hat mit den Blues die Meisterschaft, den FA Cup, den League Cup und den Supercup gewonnen. Noch immer rennt er aber dem Henkelpott der Champions League hinterher. Neben seinem ebenfalls verpassten Triumph in der Königsklasse mit Real Madrid ist dies der einzige Makel in seiner enorm erfolgreichen Bilanz.

Anders als zur ersten Amtszeit

Chelsea hat die Champions League gewonnen, als die Suche nach einem passenden Nachfolger für Mourinho schon gescheitert und die Generation um Frank Lampard und Didier Drogba ihren Zenit schon überschritten zu haben schien.

Jetzt ist der bald 52-jährige Mourinho dabei, ein neues Team aufzubauen und mit seinen neuen Schülern, seine Idee vom Spiel umzusetzen. Es ist ein anderes Chelsea als zu seiner ersten Amtszeit. Es ist ein grazileres, feinfüßigers Spiel, das die Blues mittlerweile pflegen, ohne dabei die kraftvolle Dominanz von Mourinho-Teams zu verlieren.

"Das Team hat eine klare Identität", sagte Mourinho. "Manchmal gibt es gute Mannschaften, die gut spielen, aber keine Identität haben. Aber dieses Team verfolgt eine klare Richtung mit klarer Identität."

Flexibilität und spielerische Leichtigkeit

Der Trainer hat zu Beginn des Jahres 2015 seine Mannschaft gefunden. In der Defensive bevorzugt er nach wie vor die rustikalen Typen John Terry, Gary Cahill und Branislav Ivanovic und im Angriff einen kräftigen Vollstrecker wie Diego Costa.

Aber dazwischen hat er ein Mittelfeld komponiert, das atypisch zum Chelsea-Fußball der jüngeren Vergangenheit steht und endgültig die Post-Frank-Lampard-Ära eingeläutet hat. Angeleitet von Cesc Fabregas ist Flexibilität und spielerische Leichtigkeit ein neues Markenzeichen der Blues.

Die ständigen Positionswechsel von Fabregas, Nemanja Matic und Oscar waren für Swansea von Beginn ein undurchschaubares Rätsel. Nicht immer werden die Gegner so desorientiert über den Platz irren wie die Waliser, aber in dieser 1-A-Besetzung ist Chelsea für jeden Gegner schwer zu greifen.

Dazu funktionierte die schnelle Rückeroberung der Bälle ausgezeichnet. "Gary Cahill und ich hatten das Gefühl, als müssten wir gar nichts tun. Wir konnten nur dem applaudieren, was vor uns geschah", sagte Kapitän John Terry.

Auch weil sich Mourinho von den klassischen Außenspielern verabschiedet hat und sowohl Eden Hazard und Willian in der Mitte am Kombinationsfußball und am Gegenpressing teilnehmen. Das 2:0 in Swansea war ein Tor, das der FC Barcelona nicht besser hätte herausspielen können.

Swansea City - FC Chelsea 0:5
Die Pass-Matrix der Chelsea-Spieler Fabregas, Matic, Oscar, Hazard und Willian

Titel oder Versenkung

Mit Spielzügen wie diesem kommt die Mannschaft auch einer alten Sehnsucht von Besitzer Roman Abramowitsch wieder näher. Der russische Oligarch wollte den maschinengleichen Kraftfußball abschaffen, träumte von attraktivem, offensivem Fußball wie ihn der FC Barcelona zu seiner Hochzeit spielte und wollte deshalb auch Pep Guardiola nach London holen.

Alleine deshalb wirkt es schon wie eine ungewollte Pointe, dass ihm dieses Vorhaben ausgerechnet mit Guardiolas Antagonist Mourinho zu gelingen scheint.

Mourinho hat sich immer dagegen gewehrt, dass seine Mannschaften defensiven Fußball spielen würden. Sowohl Porto, Chelsea, Inter als auch Real hätten unter ihm die meisten Tore erzielt. Aber sein Image konnte er damit nicht korrigieren.

Auch jetzt hat Chelsea mit 51 Treffern nach 22 Spielen die mit Abstand beste Offensive der Premier League. Mourinho sprach von einer "perfekten Leistung" in Swansea. Aber: "Ich bleibe dabei. Wenn du fantastisch spielst, aber keine Titel gewinnst, wird sich in 20 Jahren keiner mehr an dich erinnern."

Schürrle nur eine Spezialkraft

Einer der Verlierer dieser kleinen Revolution bei Chelsea ist momentan Andre Schürrle. Der deutsche Nationalspieler bevorzugt die dynamischen Vorstöße gegenüber dem Kurzpassspiel im Mittelfeld, seine Stärken kommen als klassischer Außenspieler am besten zum Tragen.

Zwar durfte auch er sich in Swansea in die Torschützenliste eintragen, von einem Stammplatz ist Schürrle aber ein gutes Stück entfernt. Stand er an den ersten sieben Spieltagen noch vier Mal in der Startelf, durfte er seitdem nur noch einmal von Beginn an ran. Durchspielen ließ ihn Mourinho noch gar nicht.

Schürrle kommt auch an der Stamford Bridge die Rolle zu, die er im Kader des DFB-Teams bei der WM 2014 innehatte. Er ist eine Spezialkraft, die von der Bank schnell für neue Impulse sorgen kann und in bestimmten Situationen gebraucht wird. Ob ihn das auf Dauer zufriedenstellen kann, ist zweifelhaft.

Aber Schürrle hat in Brasilien gezeigt, wozu eine Spezialkraft gebraucht wird. Er hat im WM-Finale das Tor von Mario Götze vorbereitet.

Der Kader des FC Chelsea

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