Freitag, 24.10.2014

Raheem Sterling im Porträt

Nationalspieler oder Knast

Raheem Sterling gilt als eines der größten Talente auf der Insel. Der gebürtige Jamaikaner ist beim FC Liverpool zum Stammspieler gereift und hat mittlerweile auch in der Nationalmannschaft eine tragende Rolle inne. Dass der 19-Jährige einen dermaßen erfolgreichen Weg einschlägt, war jedoch nicht vorherzusehen.

Chelsea, Real, PSG oder Vertragsverlängerung? Sterling ist ein viel umworbener Spieler
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Chelsea, Real, PSG oder Vertragsverlängerung? Sterling ist ein viel umworbener Spieler

Raheem Sterling war erst neun Jahre alt, als seine Welt ins Wanken und der Traum vom Fußballprofi in weite Ferne geriet. Sein Vater verstarb, er wurde bei einem Überfall ermordet. Schon früh wurde der junge Raheem Sterling mit Gewalt und Kriminalität konfrontiert. Er kam selbst auf die schiefe Bahn und wurde zum Problemkind.

Die ersten fünf Jahre seines Lebens wuchs er in Marverley auf, einem der gefährlichsten Viertel der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Aus Angst, ihr Sohn könnte sich einer Gang anschließen, zog seine Mutter mit ihm nach London, wo er mit sieben Jahren der Jugendabteilung der Queens Park Rangers beitrat.

Nachdem er von der Schule verwiesen wurde, musste er sogar in eine Lehreinrichtung für Schwererziehbare. Im Alter von zehn fand sein Lehrer Chris Beschi drastische Worte: "Wenn du so weiter machst wie bisher, bist du mit 17 entweder im Gefängnis oder in der Nationalmannschaft." Zum Glück für Sterling traf Letzteres aus der Prophezeiung seines Lehrers zu.

Symbol für den Umbruch der Three Lions

Neun Jahre später stehen Hochkaräter wie Chelesa, PSG oder Real Madrid Schlange, die Liste der angeblichen Interessenten an Raheem Sterling ist lang und prominent.

Kein Wunder, so gilt der Flügelspieler als einer der vielversprechendsten Nachwuchsspieler Englands, vielleicht sogar Europas. Sterling ist dabei schon weit mehr als nur ein Talent, mit 19 Jahren ist er sowohl bei den Three Lions als auch beim Champions-League-Teilnehmer FC Liverpool gesetzt.

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Über 70 Pflichtspieleinsätze stehen bereits zu Buche, dazu zehn für die englische Nationalmannschaft, für die er auch in Brasilien in allen drei Spielen zum Einsatz kam. Kaum einer verkörpert den Umbruch bei den Three Lions weg von Terry, Lampard, Gerrard und Co. hin zu einem jungen, ambitionierten Team um Oxlade-Chamberlain, Welbeck und Wilshere wie Sterling, einer der Jüngsten im aktuellen Kader.

Scharfe Kritik von Rio

Zuletzt befeuerte er die Diskussion um die Mehrfachbelastung der Nationalspieler. Vor dem Qualifikationsspiel gegen Estland bat Sterling Roy Hodgson darum, ihn nicht von Anfang an zu bringen, da er sich zu müde fühle.

Mit seiner Aktion spaltet er die englische Fußballwelt. Während sein Trainer Verständnis zeigte ("Wäre falsch, wenn Spieler versuchen, mich zu täuschen"), kritisierte ihn der 81-malige Nationalspieler Rio Ferdinand scharf über Twitter. "Englische Spieler sind normalerweise zu stolz um so etwas zu tun."

Zu allem Überfluss kam heraus, dass er am nächsten Abend offenbar fit genug war, um mit Nationalmannschaftskollegen das Londoner Nachtleben zu genießen. Naturgemäß droht Sterling jetzt sowohl vom Verein als auch Verband Ärger.

Zweitjüngster Debütant der Reds

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Doch auch auf dem Platz sorgt Sterling regelmäßig für Aufsehen. Schon in der Jugend war er nicht zu halten und lehrte mit seiner Technik, Schnelligkeit und Stärke im eins gegen eins schon damals seinen Gegnern das Fürchten.

Durch seine starken Auftritte bei QPR hatte er unter anderem Chelsea und Arsenal auf sich aufmerksam gemacht. Das Rennen um das Megatalent machte aber der FC Liverpool, für die er mit 17 Jahren und 107 Tagen der zweitjüngste Debütant im Trikot der Reds wurde. Gleichzeitig wurde er zum fünftjüngsten Spieler der Geschichte Englands, nur acht Monate später debütierte er unter Roy Hodgson in der Nationalmannschaft.

Alter 19 - Kinder fünf?

Für Schlagzeilen abseits des Rasens sorgte Sterling aber weiterhin - auch bei Liverpool. Immer wieder wurde in den englischen Medien über seine nächtlichen Feierlichkeiten berichtet. Sterling solle genau so viel Zeit in Nachtklubs wie auf dem Trainingsplatz verbringen. In seiner persönlichen Prioritätenliste lagen Discobesuche und die Ausarbeitung seiner fußballerischen Qualitäten lange gleich auf.

Nach einer kurzweiligen Romanze wurde Sterling Vater - mit 16 Jahren. Es kursieren heute noch Meldungen im Internet, dass Sterling mehrere Kinder habe - vier, fünf oder sogar mehr? Bestätigt hat er nur das eine. Von "BBC" danach gefragt, was ihn an der Berichterstattung über seine Person am meisten ärgert, antwortete er: "Dass ich acht oder neun Kinder haben soll."

Wegen seines schlechten Rufs abseits des Platzes wurde Sterling monatelang nicht in den Kader berufen. Erst unter Brendan Rodgers fand Sterling wieder in die Spur. "Er muss sein Leben stabilisieren, verstehen, was er bei einem der größten Klubs der Welt für eine Chance hat und alles auf seine Karriere ausrichten", mahnte der Coach.

Erst kurz zuvor war das nächste unrühmliche Kapitel aus Sterlings Privatleben bekannt geworden. Seine Ex-Freundin Shana Halliday hatte ihn wegen versuchter Körperverletzung angezeigt. Zwar wurde er vom Gericht frei gesprochen, versöhnte sich sogar mit dem Model und kam wieder mit ihr zusammen - sein Image in der Öffentlichkeit hatte dennoch unter der Geschichte gelitten.

"Mama denkt, sie sei Jose Mourinho"

Doch irgendwann folgte Sterling den Ratschlägen seines Trainers und zog ins ruhigere Southport. Als sich der Wirbel um seine Person beruhigt hatte, setzte Rodgers voll auf den Nachwuchsspieler. In der Saison 2013/14 absolvierte Sterling 33 Spiele und wurde einer der Garanten für eine der erfolgreichsten Saisons, die die Fans an der Anfield Road seit der Meisterschaft 1990 bejubeln durften.

Gemeinsam mit Sturridge und Suarez sorgte Sterling in der Reds-Offensive in der Premier League für Aufsehen und hatte entscheidenden Anteil an den 101 erzielten Toren. Nach vier Jahren Abstinenz spielt der FC Liverpool nun endlich wieder Champions League.

Seinen Erfolg hat Sterling aber neben Rodgers auch seiner Mutter zu verdanken. "Sie regelt mein Leben. Sie ist der wichtigste Mensch für mich, aber manchmal kann sie auch ein echter Albtraum sein." Seit Mama Nadine weiß, wie wichtig ihrem Sohn Fußball ist, hat sie sich selbst mit dem Sport befasst. "Sie denkt, sie sei Jose Mourinho", scherzt der Angreifer.

Auf dem Platz hingegen ist Steven Gerrard für Sterling Mentor und Bodyguard zugleich. "Er passt immer auf mich auf und wenn mir im Spiel einer blöd kommt. Dann geht Steven hin und grätscht ihn einfach weg.", erzählt Sterling über seinen Kapitän.

Vielseitiger Angreifer - viele Angebote

Sterling selbst glänzt auch durch seine Vielseitigkeit in der Offensive. Sowohl auf den Außen als auch in der Mitte wurde der 19-Jähirge in der letzten Saison von Rodgers eingesetzt. Am liebsten spielt er aber auf dem rechten Flügel.

Die Top-Torjäger der Premier League 2014/15
Rang 1: Sergio Agüero von Manchester City (26 Tore) ist Torschützenkönig!
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Rang 1: Sergio Agüero von Manchester City (26 Tore) ist Torschützenkönig!
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Platz 2: Harry Kane von Tottenham Hotspur (21 Tore)
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Platz 2: Harry Kane von Tottenham Hotspur (21 Tore)
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Platz 3: Diego Costa vom FC Chelsea (20 Tore)
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Platz 3: Diego Costa vom FC Chelsea (20 Tore)
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Platz 4: Charlie Austin von den Queens Park Rangers (18 Tore)
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Platz 4: Charlie Austin von den Queens Park Rangers (18 Tore)
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Platz 5: Alexis Sanchez von Arsenal (16 Tore)
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Platz 5: Alexis Sanchez von Arsenal (16 Tore)
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Platz 6: u.a. Olivier Giroud vom FC Arsenal (14 Tore)
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Platz 6: u.a. Olivier Giroud vom FC Arsenal (14 Tore)
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Platz 6: u.a. Eden Hazard vom FC Chelsea (14 Tore)
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Platz 6: u.a. Eden Hazard vom FC Chelsea (14 Tore)
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Platz 6: u.a. Saido Berahino von West Bromwich Albion (14 Tore)
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Platz 6: u.a. Saido Berahino von West Bromwich Albion (14 Tore)
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Platz 9: Christian Benteke von Aston Villa (13 Tore)
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Platz 9: Christian Benteke von Aston Villa (13 Tore)
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Platz 10: u.a. David Silva von Manchester City (12 Tore)
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Platz 10: u.a. David Silva von Manchester City (12 Tore)
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Platz 10: u.a. Wayne Rooney von Manchester United (12 Tore)
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Platz 10: u.a. Wayne Rooney von Manchester United (12 Tore)
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In der laufenden Spielzeit kommen die Reds dennoch nicht richtig ins Rollen und versinken im Mittelfeld. Nach dem Weggang von Suarez zu Barca ist auch Sterling gefragt, den Verlust des Superstars zu kompensieren. Angesichts der Situation stellt Sterling hohe Ansprüche an sich selbst: "Ich will mich nicht zu sehr unter Druck setzen, aber ich will mein Verhältnis von Spielen zu Toren verbessern und mich mehr für das Team einbringen."

Sein großes Vorbild ist Christiano Ronaldo, den er bewundert und zu dessen Qualitäten er aufschließen will. "Er war immer jemand, der ein Idol für mich war. Natürlich blicke ich zu den Besten auf. Jeder möchte doch einer der besten Spieler der Welt werden."

Vielleicht dauert es gar nicht mehr lange, bis Sterling sich Tricks bei seinem Vorbild aus nächster Nähe abschauen kann. Angeblich ist Real Madrid auf den Engländer aufmerksam geworden und an einer Verpflichtung interessiert. Aber auch der echte Mourinho klopft an und soll bereit sein, 61 Millionen Euro für Sterling zu investieren. Ebenso das neureiche PSG, das mit einem Salär von 165.000 Euro in der Woche locken soll. Ganz nebenbei wäre Liverpool an einer Verlängerung des bis 2017 laufenden Vertrags mit eingehender Gehaltserhöhung interessiert sein. Wer die Wahl hat...

Raheem Sterling im Steckbrief

Adrian Fink

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