Southampton nach dem Ausverkauf im Sommer

Als wäre nichts gewesen

Von Kevin Niekamp
Montag, 08.09.2014 | 17:20 Uhr
Das Stühlerücken bei den Saints war in diesem Sommer enorm
© getty
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Der FC Southampton erlebte in diesem Sommer einen Ausverkauf, der den Südengländern über 100 Millionen Euro einbrachte. Trotz der Abgänge von fünf Stammspielern stehen die Saints derzeit auf dem dritten Tabellenplatz. Ein Produkt langfristiger Planung und überlegter Handlungen im Sommer.

Beim FC Southampton waren es die Verantwortlichen gewohnt, ihre besten Talente frühzeitig an die namhafte und zahlungskräftige Konkurrenz aus der Premier League zu verlieren. Beginnend mit Wayne Bridge, der den Verein im Sommer 2003 verließ, folgten in den darauffolgenden neun Jahren Spieler wie Theo Walcott, Peter Crouch, Gareth Bale und Alex Oxlade-Chamberlain. Knapp 60 Millionen Euro wurden durch diese Verkäufe eingenommen.

Anders stellte sich die Situation in diesem Sommer dar. Mit dem achten Platz in der abgelaufenen Saison erreichten die Saints nach 2003 ihre beste Platzierung in der höchsten englischen Spielklasse. Dieser Erfolg ist weit weg vom Zufall, sondern das Ergebnis eines 2009 gestarteten Plans.

La Masia, Ballett und Musik

Der ehemalige Besitzer, Nicola Cortese, der zwischen August 2009 und Januar 2014 die Geschicke im Süden Englands leitete, hatte in seiner Amtszeit eine Vision und wollte den zeitweise bis in die dritte Liga abgestürzten Verein zurück in die Premier League führen. Allerdings nicht mit millionenschweren Investitionen in schon fertig ausgebildete Spieler, sondern mit einer sportlichen Infrastruktur und einem ausgeklügelten Nachwuchskonzept.

Gegenüber dem "Telegraph" erklärte Cortese eines seiner Ziele: "Die Akademie ist sehr wichtig für uns, um ein nachhaltiges Unternehmen zu werden. Wir wollen eine Startformation haben, die nur aus Spielern aus unserer eigenen Jugend besteht."

Les Reed, Southamptons Head of Football, schaute sich mit seinem Scouting-Team dazu die besten Nachwuchszentren der Welt an und beschränkten sich dabei nicht nur auf den Bereich Fußball. La Masia in Barcelona war ebenso eine Adresse wie eine Tennis-Schule in Florida. Es wurden auch die besten Ballett- und Musik-Schulen der Welt besucht.

Bauen für die Zukunft

Ex-Spieler Calum Chambers erklärte gegenüber dem "Mirror" das "Prinzip Southampton": "Sie nennen es den Southampton-Weg. Junge talentierte Spieler kommen in die Akademie und dort wird ihnen der richtige Weg gezeigt. Dort bekamen wir die ersten Eindrücke, was es heißt, professionell Tag für Tag zu arbeiten. Wir waren jung und sahen die Wege, die Bale, Walcott und Lallana gegangen sind. Das gab uns die Hoffnung, dass wir ähnliches schaffen können. Jeder, der in der Akademie ist, weiß, dass er eine Chance bekommt. Die Vereinsführung und die Art, wie der Klub geführt ist, sind perfekt für junge Spieler."

Um weitere Spieler wie Chambers zu formen, wurden im Süden Englands bereits in der Vergangenheit die nächsten Schritte eingeleitet. Im nächsten Jahr ist das neue 30 Millionen Euro teure Trainingsgelände mit zwölf Plätzen fertiggestellt. Inklusive neuester Platztechnik mit Hybridrasen wie es der FC Bayern bereits an der Säbener Straße und im Stadion eingebaut hat.

Die nächste Rutsche an Talenten aus der eigenen Schmiede steht mit Matt Target, Harrison Reed und Omar Rowe aus dem aktuellen U21-Kader schon bereit. Die ausgeliehenen Jordan Turnbull und Jake Sinclair sammeln bereits erste Erfahrungen im Profibereich und können bei ihrer Rückkehr dann unter besten Bedingungen arbeiten.

Diese Fünf zählen mit den bereits zum Profikader und der Startelf gehörenden James Ward-Prowse und Nathaniel Clyne zu den nächsten Kandidaten, die in absehbarer Zeit von den Großen abgeworben werden könnten.

Vorläufiger Höhepunkt im letzten Jahr

Die gute letzte Saison war dabei einer der vorläufigen Höhepunkte der Entwicklung und wurde dem FC Southampton dabei in gewisser Hinsicht zum Verhängnis. Durch die attraktive und taktisch ansprechende Spielweise mit jungen, gut ausgebildeten und größtenteils englischen Fußballern begann im Sommer der große Ausverkauf.

Da die Preise für britische Talente auf der Insel spätestens mit den Walcott- und Chamberlain-Verkäufen von Southampton selbst explodiert sind, stand auf der Einnahmenseite zum Ende der Transferperiode eine Summe von knapp 120 Millionen Euro.

Eingespült hatten diese die Außenverteidigertalente Chambers und Luke Shaw sowie Innenverteidiger Dejan Lovren. Der Kroate zog nur ein Jahr nach seinem Wechsel aus Lyon weiter an die Anfield Road und folgte damit Adam Lallana und Rickie Lambert. Drei von vier Spielern aus der sechsbesten Verteidigung sind damit ebenso gegangen wie 51 Scorerpunkte aus der Offensive. Der Reingewinn betrug mit Abzug der vorher gezahlten Ablöse für Lovren und Lambert 108 Millionen Euro, da Chambers, Shaw und Lallana der eigenen Jugend entstammen.

Zudem verließ auch der Trainer Mauricio Pochettino den Verein in Richtung Tottenham. Dieser hätte Morgan Schneiderlin und Jay Rodriguez gerne an die White Hart Lane mitgenommen, dagegen sträubten sich jedoch die Verantwortlichen und der neue Coach Ronald Koeman. Es wären die Abgänge Nummer sechs und sieben der Stammfeldspieler der letzten Saison gewesen.

Niederländisch-britischer Humor

Der Deutsch-Kanadier und ehemalige Eishockey-Nationalspieler Ralph Krüger, aktuell im Management-Team des Klubs, mahnte schon vor der Saison zu Geduld mit dem Team. "Diese Mannschaft wird nicht über Nacht entstehen."

Der neue niederländische Coach nahm die anfängliche Kadersituation mit Galgenhumor. Auf "Twitter" veröffentlichte der Coach ein Bild mit der Überschrift "Ready for training". Es war lediglich der Platz mit Bällen und Trainingshüttchen zu sehen.

Neben den humorvollen Tweets und Fotos von Koeman hatten auch die Anhänger ihren britischen Humor zu Beginn des Transferfensters nicht verloren. So hofften die Anhänger scherzhaft auf die Rückkehr der verlorenen Söhne Walcott, Chamberlain und Bale. Genau in diesen Scherzen liegt aber die Krux. Zum einen wissen die Vereine, von der durch Ablösesummen entstandenen finanziellen Schlagkraft der Saints und passen ihre Forderungen dementsprechend an. Zum anderen ist Southampton nicht die Top-Adresse im englischen oder europäischen Vergleich.

Sportlich begrenzte Perspektive

So waren für Dusan Tadic von Twente und Graziano Pelle aus Rotterdam, die Koeman aus seiner heimischen Liga mitbrachte, 23 Millionen Euro Ablöse fällig.

Ähnlich verhielt es sich bei den weiteren Neuzugängen. Fraser Forster kostet die Saints 12,5 Millionen Euro und in der Offensive waren für Shane Long und den erst am Deadline-Day von Red Bull Salzburg verpflichteten Sadio Mane weitere 30 Millionen Euro fällig. Hinzu kamen drei Leihgeschäfte mit den Verteidigern Toby Alderweireld und Ryan Bertrand sowie Mittelfeldmann Saphir Taider von Inter Mailand. Die letzte Leihe wurde jedoch aufgrund unterschiedlicher Erwartungen im sportlichen Bereich nach drei Wochen wieder aufgelöst.

Southampton blieb bei den Transfers seiner Linie treu und verpflichteten neben gestandenen Spieler aus der zweiten Reihe auch junge Spieler, die sich entwickeln sollen. Große Namen waren aufgrund der begrenzten sportlichen Perspektive ohnehin nur schwer möglich. Die Top-5 und die damit verbundene Teilnahme am europäischen Wettbewerb auf dem Ligaweg scheint nach der Rückkehr Liverpools in die PL-Spitze und den Investitionen bei United nahezu unmöglich. Somit bleibt der achte Platz hinter Everton und Tottenham vorerst das höchste der Gefühle.

Starker Start, Härtetest stehen aus

Der Start in die aktuelle Saison verlief dennoch erstaunlich gut. Nach der undankbaren Aufgabe am ersten Spieltag mit dem Auswärtsspiel an der Anfield Road folgten in fünf Partien vier Siege. Das bedeutet nach sieben Spieltagen den dritten Tabellenplatz. Zudem gelang der Einzug ins Achtelfinale im League Cup nach Siegen gegen Arsenal und Millwalll.

Koeman ließ dabei auswärts im typisch holländischen 4-3-3 spielen und baute in den Heimspielen auf die sichere und aus der vergangenen Saison bekannte Variante mit zwei Sechsern um.

Die Gegner, gegen die bisher Punkte gesammelt wurden, ließ Southampton bereits im vergangenen Jahr hinter sich und dürfte auch in dieser Saison eher wenig Probleme mit ihnen bekommen. Die knappen Niederlagen gegen die Top-Teams von Liverpool und Tottenham waren zudem vermeidbar und zeigten, wie weit die Saints aktuell schon sind.

Die letzten beiden Monate des Jahres sowie der Beginn ins neue Jahr, in denen der Spielplan den Saints die Topteams der Liga der Reihe nach beschert, werden dabei zum Härtetest. Dann wird sich herausstellen, ob die bisher gezeigte Leistungen dauerhaft aufrecht erhalten werden können.

Der FC Southampton im Überblick

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