Er ist hier der Boss

Von Stefan Rommel
Mittwoch, 30.07.2014 | 12:30 Uhr
Manchester United ist die erste Station in England für Louis van Gaal
© getty
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Manchester United startet nach einer desaströsen Saison mit Louis van Gaal einen Neuanfang. Der Niederländer ist noch keine zwei Wochen im Old Trafford und hat doch schon für mächtigen Wirbel gesorgt. United soll wieder ganz nach oben - auf die Louis-van-Gaal-Art.

"Es war eine Entscheidung zwischen Karriereende und einem englischen Klub. Meine Frau Truus wollte den Rücktritt. Jetzt ziehen wir nach England." Louis van Gaal ist Trainer bei Manchester United. Einer der größten Trainer der Welt hat sich einem der größten Klubs der Welt verschrieben.

United steckt in ernsthaften Schwierigkeiten nach einer Saison des Grauens und der Fehlentscheidungen, jetzt soll der 62-Jährige den Red Devils den Weg aus der Krise zeigen: Mit seinem Fachwissen, seiner Aura, seinem Charisma und seinem untrüglichen Gespür für junge Talente. Aber auch mit seiner Härte und einer Geradlinigkeit, an die sich einige erst gewöhnen müssen.

Die ersten Eindrücke, die van Gaal in Manchester hinterlassen hat, bestätigten so ziemlich jede Vorahnung, was auf die Verantwortlichen, die Spieler, die Fans und die Medien zukommen würde.

Die Ausgangslage:

Manchester United hat die schwächste Saison seit Jahrzehnten hingelegt. Seit Einführung der Premier League Anfang der 90er holten die Red Devils 13 ihrer 20 Meistertitel und rutschten nie aus den Top drei der Liga. Im Mai beendete United die Saison dann als Tabellensiebter, der entthronte Meister hatte am Ende 24 Punkte Rückstand auf Lokalrivale City.

Innerhalb von zwölf Monaten schien auch der letzte Funke Selbstvertrauen entwichen. Besonders die Heimspiele gerieten selbst gegen kleine Gegner zu angsterfüllten Veranstaltungen einer am Ende komplett verunsicherten Mannschaft. Erstmals überhaupt fuhr United weniger Siege (neun) als Niederlagen und Unentschieden (sieben und drei) im Old Trafford ein. Von der ehemaligen Festung war nicht mehr viel geblieben.

Im Jahr eins nach Ferguson machten die Verantwortlichen jede Menge Fehler, nicht nur Trainer David Moyes. Während ein Vierteljahrhundert um United herum der Trainerzirkus teilweise groteske Züge annahm, hatte Manchester seinen Alex Ferguson. Die Notwendigkeit, sich einen neuen Manager suchen zu müssen, bestand nicht - und beim ersten Griff nach Fergusons Karriereende langte United dann komplett daneben.

Die Wunden, die die letzte Saison hinterließ, sind groß. Auf den ersten Blick ist der Kader im Vergleich zur heimischen und internationalen Konkurrenz nicht auf Top-Level gebastelt, das Selbstverständnis, die "United Attitude", Angst und Schrecken bei Gegner zu verbreiten, muss erst wieder zurückgewonnen werden.

Es dürfte van Gaals erste große Aufgabe sein, dem gesamten Klub dieses Selbstvertrauen wieder einzuimpfen. Davon hat United unter Ferguson auch in schwierigen Phasen gelebt, Moyes wurde dessen Erbe von Woche zu Woche mehr zum Verhängnis. "Ich habe eine kaputte Mannschaft übernommen", sagt van Gaal. "Es gibt keine Balance. Es ist schwerer, in einer solchen Situation Erfolg zu haben, als wenn alles fantastisch ist."

Selbst für den erfahrenen van Gaal, der bei Ajax, in Barcelona und in München einige der größten Klubs der Welt zu Erfolgen geführt hat, ist dieses United ein ganz besonderer Auftrag. Dass United zuletzt weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, sei für ihn eher ein Nachteil, denn ein Vorteil.

"In Barcelona war es einfach auf Bobby Robson zu folgen, der drei Titel geholt hatte. In Holland war es dagegen schwer, Bert van Marwijk zu beerben. Er hat eine zerrissene Mannschaft hinterlassen, das war schwieriger, als man sich vorstellen kann. Ich wurde auch in der Vergangenheit schon von United angefragt, als Ferguson aufhören wollte. Ich denke, es wäre einfacher für mich gewesen, gleich auf ihn zu folgen."

Dennoch ist es keine große Überraschung, dass van Gaal trotz aller Widrigkeiten nach dem Höchsten strebt. "Mein Ziel ist es, Manchester United zurück an die Tabellenspitze zu bringen. Warum? Weil das unter Sir Alex Ferguson auch so war!"

Seite 1: Die Ausgangslage

Seite 2: Der Trainer

Seite 3: Das ist neu bei United

Seite 4: Das Personal

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