Dienstag, 11.03.2014

Serge Gnabry im Porträt

Arsenals kleiner Boxer

Durch seine starken Vorstellungen beim FC Arsenal ist um Serge Gnabry ein regelrechter Hype entstanden. Arsene Wenger, Jogi Löw und nicht zuletzt die Presse loben den Youngster bereits in den Himmel, dabei steht der 18-Jährige noch vor seiner größten Herausforderung.

Serge Gnabry zeigt sich auch von den alten Haudegen der Premier League wenig beeindruckt
© getty
Serge Gnabry zeigt sich auch von den alten Haudegen der Premier League wenig beeindruckt

Die Flut an deutschen Talenten scheint in diesen Tagen kein Ende zu nehmen. Der Konkurrenzkampf beim DFB ist groß wie noch nie und selbst deutsche Fußball-Helden wie Günther Netzer gestehen: "Wir haben wahrscheinlich den besten Kader aller Zeiten. Er hat eine qualitative Dichte, die es so noch nicht gegeben hat."

Trotz der Ansammlung an potenziellen Stammspielern kursiert in Fußball-Deutschland der Wunsch nach einer überraschenden Nominierung der Marke David Odonkor. Wie sonst erklärt sich der Hype um Jungstars wie Maximilian Arnold, Kevin Volland und Co.?

Ein Name der dabei besonders gern genannt wird, ist noch gar nicht unumstößlich an den DFB gebunden: Serge Gnabry. Er sorgte um die Jahreswende mit seinen Leistungen in der Premier League für Furore und brachte nicht nur Arsene Wenger ins Schwärmen.

Löw: "Wir haben ihn im Auge"

"Wir sprechen von einem Jungen, der ein großes individuelles Talent hat, sehr stark im Dribbling ist und Zug zum Tor hat. Es gibt mehr als eine kleine Chance, es gibt eine große Chance", sagte die Trainer-Institution der Gunners angesprochen auf die WM-Chancen seines Schützlings. Ein gefundenes Fressen für die Medien, die unverzüglich den Gnabry-Hype eröffneten.

Selbst Joachim Löw wollte nicht so Recht auf die Euphoriebremse treten: "Der Junge ist richtig gut, er hat außergewöhnliche Qualitäten. Wir haben ihn im Auge", machte er dem 18-Jährigen Hoffnung. Obwohl dieser erst unlängst beteuerte, einzig für den DFB spielen zu wollen, könnte sich der U-17-Nationalspieler auch noch für die Elfenbeinküste entscheiden, da sein Vater Jean-Hermann einst selbst für die Elefanten auflief.

Verdenken kann man weder Wenger noch Löw die Begeisterung über den nächsten deutschen Senkrechtstarter bei Arsenal. Neun Einsätze in der Premier League, bei denen Gnabry fünf Mal von Beginn weg auflaufen durfte und ein Tor erzielte, klingen zunächst nicht sonderlich beeindruckend. Vielmehr war es die Art und Weise mit der sich der Deutsch-Ivorer Ende Dezember in die Startelf spielte.

Der kleine Boxer

Trickreich, ballsicher und torgefährlich präsentierte sich Gnabry, der sich selbst am liebsten auf der Zehn sieht, stets als einer der besten Spieler. Zu beeindrucken wusste er im Match gegen Tottenham, war ein ständiger Unruheherd auf seiner rechten Seite und avancierte mit einer mustergültigen Vorlage zum 2:0 zum Matchwinner.

Selbst nach dem Kreuzbandriss von Theo Walcott schien Wenger nach dem Spiel nicht übermäßig beunruhigt: "Natürlich hat die Verletzung meinen Wunsch nach einem Transfer verstärkt. Aber vergessen wir nicht Serge Gnabry. Er kann in der ersten Elf spielen."

Schnell und mit einer exzellenten Technik gesegnet, ist er tatsächlich wie gemacht für Wengers Philosophie des One-Touch-Fußballs. Hinzu kommt, die für sein Alter bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit und ein überraschend kräftiger Körperbau. Nicht umsonst lobte Mikel Arteta unlängst: "Der Junge hat Qualitäten, die nicht viele Spieler haben. Er ist ein Boxer, ein Kämpfer. Und er hat Charakter. Er lässt sich nicht einschüchtern. Wenn er einen mitbekommt, steht er wieder auf und spielt weiter."

Ziehvater Mertesacker

Schon in der Jugend des VfB Stuttgart ragte Gnabry im traditionell starken Nachwuchs heraus. "Wie ihm der Ball gehorcht und wie er ihm am Fuß klebt, ist unglaublich", schwärmt sein Entdecker Thomas Albeck heute noch. Nach einem Nachwuchsturnier in Bad Ragaz folgte mit gerade einmal 16 Jahren der Wechsel nach London.

Unterstützung erfuhr er seitdem auch von Per Mertesacker: "Per hat immer Zeit für mich. Er ist ein unheimlich netter Kerl und obendrein sehr erfahren. Auch wenn ich vor ihm zu Arsenal wechselte, hilft er mir mehr als ich ihm."

Auch wegen des Wohlfühl-Faktors unterschrieb Gnabry im Herbst vergangenen Jahres einen Vertrag bis 2018. Geschätztes Einkommen: 1,2 Millionen Euro. In nur wenigen Monaten stieg sein Marktwert auf mittlerweile 4 Millionen Euro und auch das angebliche Interesse von Borussia Dortmund wirkt aufgrund seiner Anlagen nicht ganz abwegig.

Gnabrys Problem: Arsenals Monsterprogramm

Trotz allem tut er gut daran, auf dem Boden zu bleiben: "Ich bin überglücklich, bei diesem großen Klub zu sein. Jetzt muss ich weiter hart arbeiten und mein Spiel weiterentwickeln. Die jüngsten Einsätze haben mir noch mehr Selbstvertrauen gegeben, ich werde mich noch verbessern", kündigt er selbstbewusst an.

Das wird auch nötig sein, um in Arsenals Wochen der Wahrheit die nötigen Minuten zu bekommen. Mit der Rückkehr der lange verletzten Lukas Podolski und Alex Oxlade-Chamberlain werden die ausstehenden Plätze auf der Bank, geschweige denn in der Startelf, immer weniger. Kehrt dann Mitte März auch Aaron Ramsey nach seiner Oberschenkelverletzung zurück, sinken die Chancen für den aufstrebenden deutschen Arsenal-Nachwuchs um Thomas Eisfeld, Gedion Zelalem und Co. beträchtlich.

Dem straffen Programm im Februar mit den beiden Duellen gegen Liverpool, Manchester United und dem Achtelfinal-Kracher gegen Bayern musste Gnabry schon Tribut zollen: Im Liga-Alltag saß er mit Ausnahme des Heimspiels gegen Sunderland stets 90 Minuten auf der Bank, gegen Manchester United und Stoke City reichte es nicht einmal für den Kader.

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Nächster Schritt U 21

Damit scheinen auch die WM-Chancen im Keim zu ersticken. Doch gerade der DFB wirkt dem Hype um die nächste Generation an Top-Talenten in letzter Zeit sowieso angenehm besonnen entgegen.

Trotz der medialen Forderungen wird Volland wohl die U-21 als Kapitän durch die EM-Qualifikation führen. Auch Shootingstar und "WM-Kandidat" Arnold macht seine ersten Schritte in der U21. Für Gnabry wird es daher wohl zunächst auch "Hrubesch statt Löw" heißen, was angesichts der vielen hochgelobten und tiefgefallenen Hoffnungsträger auch durchaus vernünftig ist.

So ist auch der Hype um seine Person in den letzten Wochen wieder abgekühlt. Dabei gibt es aus deutscher Sicht allen Grund zur Freude: Mit nur 18 Jahren hat Gnabry eine nachhaltige Empfehlung bei Wenger abgegeben. Wenn es der Spielplan oder ganz einfach die Spielsituation ergibt, wird Arsenals Coach ihn wieder bringen.

Und als hätte es der französische Gentleman schon Anfang Dezember gewusst, schob er den Lobeshymnen folgenden Zusatz nach: "Lasst uns nach einem Spiel keinen Superstar aus ihm machen. Aber er hat alles, was man dazu braucht."

Serge Gnabry im Steckbrief

Marco Kieferl

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