Luis Suarez im Porträt

Messias mit Makel

Von Tim Noller
Donnerstag, 16.01.2014 | 17:11 Uhr
Luis Suarez erzielte in der laufenden Saison bereits 22 Tore und bereitete elt Treffer vor
© getty
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Der Glaube an der Anfield Road ist zurück. Nach 23 Jahren ohne Meistertitel träumen die Anhänger des FC Liverpool wieder. Ihre Hoffnungen ruhen auf Torjäger Luis Suarez, der sich in der laufenden Saison wie von einem anderen Stern präsentiert.

Es war eine Unterschrift im Wert von rund 50 Millionen Euro. Eine Unterschrift, die sich die Fans der Reds mehr als alles andere herbeisehnten. Eine Unterschrift, die für Aufbruchsstimmung rund um den Liverpool FC sorgte.

Luis Suarez erneuerte am 20. Dezember 2013 nicht nur seinen Vertrag. Seine Unterschrift beim Traditionsklub an der Merseyside war gleichzeitig das Versprechen auf eine bessere Zukunft. Seit 1990 warten die Reds auf die 19. Meisterschaft der stolzen Klubgeschichte.

2011 ging sogar der Titel des Rekordmeisters an den Erzrivalen aus Manchester verloren - eine tiefe Kränkung. Kein Wunder, dass man sich in Liverpool sehnlichst einen Messias wünscht, der die alten Erfolge zurückbringt. "Luis ist ein Weltklasse-Talent, seine Vertragsverlängerung ist für das, was wir hier erreichen wollen, unabdingbar", stellt Teammanager Brendan Rodgers die Bedeutung des 26-Jährigen in seinen Planungen heraus.

Suarez als Torres-Ersatz

Das Verlangen nach Titeln vereint die beiden. "Ich bin glücklich, dass wir uns geeinigt haben und meine Zukunft hier gesichert ist. Ich glaube, dass ich hier Titel gewinnen kann. Dies so schnell es geht zu erreichen, ist mein Ziel", kommentierte der Uruguayer seine Verlängerung.

Ein Treuebekenntnis, das wie Musik in den Ohren der Fans klingen muss. Zu präsent sind noch die Erinnerungen an den letzten Heilsbringer: Fernando Torres schlug in der Premier League zwar 65 Mal in dreieinhalb Spielzeiten für Liverpool zu, letztendlich folgte er aber den Lockrufen des FC Chelsea. Zu reizvoll erschien die Aussicht auf dauerhafte Auftritte in der Champions League.

Kurz bevor der Spanier im Januar 2011 nach London wechselte, sicherte sich der damalige Reds-Coach Kenny Dalglish für 25 Millionen Euro die Dienste des niederländischen Fußballer des Jahres. Luis Suarez hatte sich in Holland rasant entwickelt und erzielte in seiner Zeit bei Ajax Amsterdam in 159 Spielen 111 Tore.

Doppelpack bei Comeback

Am Mersey River ging diese Leistungssteigerung im gleichen Tempo weiter. Elf Tore in der ersten Saison, 23 Tore in der zweiten und seine aktuelle Quote sucht weltweit ihresgleichen: In 16 Premier-League-Einsätzen bringt es der Top-Torjäger auf sagenhafte 22 Treffer und fünf Vorlagen. Lediglich in drei Partien ging Suarez ohne Torbeteiligung vom Feld.

Dabei musste die Nummer sieben der Reds in den ersten fünf Spielen noch eine Strafe der FA absitzen. Nach einer Beißattacke gegen Chelseas Branislav Ivanovic in der vergangenen Saison verhängte das Sportgericht eine 10-Spiele-Sperre.

Bei seinem Comeback gegen Sunderland schnürte er sofort einen Doppelpack, was ihm in der laufenden Saison noch fünf weitere Male gelang. Dazu kommen ein Hattrick gegen West Brom und vier Treffer gegen Norwich City.

Luis Suarez: Opta-Vergleich der Spielzeiten 2013/2014 und 2012/2013

Traumtore am Fließband

Nicht wenige Experten bezeichnen den Uruguayer derzeit als besten Mittelstürmer der Welt. Blickt man auf Treffer, wie den unglaublichen 35-Meter-Distanzschuss oder den sehenswerten Dropkick (beide im Spiel gegen Norwich), fällt es schwer Argumente gegen diese These zu finden.

Im neuen 3-5-2-Spielsystem unter Brendan Rodgers scheint Suarez seine Fähigkeiten noch effektiver in das Spiel der Reds einbringen zu können. Dabei profitiert er von seinem Sturmkollegen Daniel Sturridge, der sowohl Räume für ihn aufreißt, als auch mit passgenauen Vorlagen bedient.

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass Suarez Reds-Legende Steven Gerrard als Freistoßschützen abgelöst hat. Seine Treffer aus ruhenden Bällen sprechen jedoch für sich. Doch nicht nur seine Schusstechnik, auch seine Ballbehandlung und seine Dribblings unter hohem Gegnerdruck machen Suarez zu einem der besten Stürmer dieser Tage.

Unbändiger Siegeswille

Auf der Suche nach seiner größten Stärke wird man allerdings in einem anderen Bereich fündig: Der unbändige Siegeswille des 26-Jährigen, der sich in einer geradezu obsessiven Gier nach Toren ausdrückt, sticht ins Auge.

"Luis ist anders als alle anderen. Selbst als 14-Jähriger hat er nie einen Ball aufgegeben. In einem Spiel, das wir 21:0 gewonnen hatten und bei dem er 17 Tore schoss, stoppte er nicht für eine Sekunde. Er glaubt nie, dass er gewonnen hat. Er will immer mehr", beschrieb ihn sein Jugendfreund Mathias Cardacio.

Doch diese Gier nach Erfolg und Toren birgt auch Schattenseiten. Sie führt zu der dunklen Seite des Luis Suarez, der seine beiden Gesichter einst selbst mit einem Schmunzeln beschrieb: "Meine Frau sagt, wenn ich zu Hause so wäre, wie ich spiele, dann wäre sie nicht mehr meine Frau."

Privat charakterisierte ihn auch Nacional-Direktor Alejandro Balbi als "bescheiden, liebenswürdig und ruhig".

Beißattacken und Rassismusvorwurf

Auf dem Rasen jedoch brennen Suarez häufiger die Sicherungen durch. Skandale überschatten sein herausragendes fußballerisches Talent. In den Niederlanden fiel er zum ersten Mal mit einer unrühmlichen Aktion auf, als er seinen Gegenspieler Otman Bakkal bei einer Rudelbildung in die Schulter biss.

Seine rassistischen Äußerungen gegen Manchester Uniteds Patrice Evra bestrafte die FA mit einer Sperre von acht Spielen. Im April 2013 folgte die bereits erwähnte Beißattacke gegen Ivanovic, die ihm den Spitznamen "Kannibale von Anfield" einbrachte.

Hinzu kommt seine sehr umstrittene Aktion im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Südafrika, als er Uruguay gegen Ghana vor einem Ausscheiden bewahrte. Kurz vor dem Ende der Verlängerung klärte er einen Kopfball mit der Hand auf der Linie. Den fälligen Elfmeter setzte Asamoah Gyan an die Latte, Uruguay zog ins Halbfinale ein und Suarez ließ sich nach Spielende als Held feiern.

Genie und Wahnsinn

Das Image als Schwalbenkönig lässt Suarez ebenfalls nicht los. Nach Liverpools 1:2-Niederlage gegen Chelsea am 19. Spieltag äußerte sich Jose Mourinho genervt: "Er hat einen akrobatischen Swimmingpool-Sprung gemacht." Seine theatralische Fallsucht mag ein Grund dafür sein, dass ihm in der laufenden Saison erst ein Strafstoß zugesprochen wurde.

Doch genau dieser Gegensatz, diese Mischung aus Genie und Wahnsinn, macht Suarez zu einem außergewöhnlichen Spieler. "Luis ist unberechenbar. Er ist schwer zu beeinflussen, aber das macht ihn besonders", sagte der frühere Weltklasse-Stürmer Marco van Basten über den damaligen Ajax-Spieler.

So besonders, dass er im Sommer Arsenal und Real Madrid auf den Plan rief. Wochen- und monatelang wurde über einen Abschied aus Liverpool spekuliert. Die Gerüchte heizte der Stürmer durch Aussagen wie "Real Madrid ist ein riesiger Verein und jeder Spieler träumt davon. Etwas Größeres kann Dir als Spieler nicht passieren, das ist immer attraktiv" ("El Pais") selbst an.

240.000 Euro Gehalt pro Woche

Auch Liverpool-Ikone Jamie Carragher befürchtete eine ähnliche Entwicklung wie bei Torres: "Wenn man ehrlich ist, spielt Luis Suarez in einem Team, das die Premier League als Siebter beendet hat, aber er ist einer der besten Spieler der Welt."

Immer neue Spekulationen tauchten in den Medien auf, das Transfertheater schien kein Ende zu nehmen. Umso überraschender platzte die Meldung der Vertragsverlängerung im Dezember herein, die bei genauerem Hinsehen gar keine war. Denn Suarez' Vertragsende blieb unverändert der Juli 2018. Allerdings durfte er sich über eine saftige Gehaltserhöhung freuen, die ihm rund 240.000 Euro pro Woche einbringen soll.

Der Verbleib ihres Lieblings und nur sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer Arsenal veranlassen die Anhänger der Reds wieder zum Träumen. Der Glaube ist zurück. Dank Suarez. Nach seiner Vertragsunterschrift schickte der Messias mit Makel noch eine Botschaft an seine Jünger: "Ohne Zweifel hat der Rückhalt, den ich von den Liverpool-Fans erhalten habe, meine Entscheidung beeinflusst. Ich bin unheimlich stolz, sie zu repräsentieren und werde jedes Mal, wenn ich mein Trikot überziehe, das Beste für sie geben."

Luis Suarez im Steckbrief

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