Steffen Freund im Interview

"Ja, ich gehe das Risiko ein!"

Von Interview: Haruka Gruber
Montag, 23.07.2012 | 13:17 Uhr
Steffen Freund beendet neben dem U-17-Amt auch die Tätigkeit als "Sky"-Experte
© Imago
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Um auf "absolutem Weltniveau" zu arbeiten, verlässt der erfolgreiche Nachwuchstrainer Steffen Freund den DFB und kehrt überraschend als Assistenzcoach zu Tottenham zurück. Wie ihn Andre Villas-Boas überzegute. Und warum Ginola seine "Hassliebe" ist.

SPOX: Niemand rechnete damit, als Ihr Wechsel vom DFB zu Tottenham bekannt gegeben wurde. War er von langer Hand geplant?

Steffen Freund: Ganz ehrlich, damit rechnete ich genauso wenig. Obwohl über die ganzen Jahre immer ein lockerer Kontakt zu den Spurs bestand, war die Entwicklung so nicht absehbar. Ein solches Angebot erträumte ich mir erst in einigen Jahren, wenn ich vielleicht mehr Erfahrung beim DFB gesammelt und einige Saisons als Cheftrainer gearbeitet habe. Von daher ist der Job bei Tottenham für meine Entwicklung als Trainer wie ein Sechser im Lotto.

SPOX: Können Sie nachzeichnen, wie so ein überraschender Wechsel im Profi-Fußball vonstatten geht?

Freund: Anfang Juli nahm Präsident Daniel Levy den Kontakt zu mir auf und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, als Co-Trainer von Andre Villas-Boas bei den Spurs zu arbeiten. Ich hatte kaum Zeit zum Nachdenken, aber wenn einem so ein Angebot gemacht wird, da kann man nicht einfach nein sagen. Alleine schon aus Respekt vor dem Verein und Andre. Daher beschlossen wir, uns so schnell wie möglich zu treffen und zu schauen, wie wir zusammenpassen.

SPOX: Und?

Freund: Kurz darauf bin ich nach London geflogen und habe mich mit Andre getroffen. Wir unterhielten uns drei, vier Stunden über Fußball und viele andere Dinge und es hat sich da bereits gezeigt, dass die Chemie stimmt. Danach ging es mit der Familie in den Urlaub, den ich dann doch früher als geplant beenden musste. Nachdem feststand, dass Andre mich als Assistent haben möchte, habe ich umgehend den DFB informiert und um Auflösung meines Vertrages gebeten. Ich muss sagen, dass ich dem DFB in Person von Präsident Wolfgang Niersbach und Generalsekretär Helmuth Sandrock sehr dankbar bin, dass sie meiner Bitte so kurzfristig nachgekommen sind. Am 11. Juli verabschiedete ich mich in Frankfurt bei den Mitarbeiten des DFB und am 12. Juli stand ich bereits in London auf dem Trainingsplatz.

SPOX: Sie wurden parallel als möglicher Nachfolger für DFB-Sportdirektor Matthias Sammer gehandelt. Das kam nicht in Betracht?

Freund: Das weiß ich nicht. Fakt ist, bis zu dem Tag, an dem ich um die Auflösung meines Vertrages gebeten hatte, war man von Seiten des DFB nicht an mich herangetreten.

SPOX: Wie wird Ihre Zusammenarbeit mit Villas-Boas aussehen?

Freund: Für Andre ist es wichtig, dass wir uns als Fünferteam verstehen. Mit dabei sind neben Andre als Chef noch Fitnesstrainer Jose Rocha und Daniel Sousa, der als Organisator gefragt ist. Andre kennt beide seit Jahren. Dazu kommt noch Luis Martins, der zuletzt in Saudi-Arabien tätig war. Mit Luis werde ich die Trainings leiten. Nach Andres Vorstellung soll ich sehr eng mit den Spielern arbeiten.

SPOX: Weil Sie als ehemaliger Fan-Liebling der Spurs soziale Fähigkeiten nachgewiesen haben, die Villas-Boas nach dem Scheitern bei Chelsea abgesprochen werden?

Freund: Mich interessiert überhaupt nicht, was über Andre und Chelsea gesagt wird. Für mich zählt einzig sein Knowhow. Es ist faszinierend, wie professionell und top-organisiert alles bei ihm abläuft. Das Trainerteam ist bereits zwei Stunden vor der ersten Einheit bei der Arbeit, um alle Inhalte explizit durchzusprechen. Die Akribie erinnert mich sehr an die Arbeit bei den U-Mannschaften des DFB.

SPOX: In Porto mit Vitor Pereira und bei Chelsea mit Roberto Di Matteo wurden die jeweiligen Co-Trainer zu Villas-Boas' Nachfolger befördert. Denken Sie schon an den Chefposten?

Freund: Überhaupt nicht! Ich habe immer Loyalität verkörpert, daran wird sich bei Tottenham nichts ändern.

SPOX: Sie sind bei den Spurs-Fans mit Ihrer Charakterfestigkeit noch immer sehr beliebt. Ihr Ex-Mitspieler David Ginola geht in einem amüsanten TV-Interview sogar soweit zu sagen, dass Sie der toughste Fußballer seien, mit dem er je in einer Mannschaft stand.

Freund: Jaja, David und ich. Es war immer eine Hassliebe, die uns verbunden hat. Ein großer Spieler, einer der unglaublichsten, die ich je erlebt habe. So eine Qualität sieht man sehr selten. Auch wenn es blasphemisch klingt, er war damals ein bisschen wie Messi heute. Nur: Im Training sind wir immer wieder aneinandergeraten. Er hatte seine Stärken in der Offensive, für die Defensive war wiederum ich zuständig. Daher musste ich ihn immer daran erinnern, dass er mal arbeiten muss, wenn der Ball verloren geht. Deswegen denkt er offenbar immer an den Befehl "Arbeit!", wenn er über mich spricht. (lacht)

Ginola über Freund: Hier geht's zum amüsanten Video-Interview (auf 4:30 Minuten vorspulen)!

SPOX: Seit den Zeiten von Freund und Ginola hat sich Tottenham grundlegend verändert. Es gibt jedoch eine Konstante: Präsident Daniel Levy. Was für ein Typ ist er, der keine Angst vor schweren Entscheidungen hat und selbst vor der Entlassung von Harry Redknapp nicht zurückschreckt?

Freund: Auf jeden Fall ist er ein Präsident mit Visionen. Ein Präsident, der in schwierigen Situationen Verantwortung übernimmt. Er geht immer seinen eigenen Weg. Und das mit Erfolg. Zu meiner Zeit hatten wir den Traum, dass Tottenham jede Saison den Europapokal erreicht. Das gelang uns allerdings nur einmal, obwohl viel investiert wurde. Jetzt sind die Spurs ein Stammgast im internationalen Wettbewerb - und schreiben dabei schwarze Zahlen. Und: Dank Levy wird der Klub ab der kommenden Saison die nächste Dimension erreichen. In Kürze wird die neue Academy der Spurs eingeweiht. Es soll eines der besten, wenn nicht das beste Trainingszentrum in Europa sein. Die Infrastruktur wird von den U-Mannschaften bis zu den Profis absolutes Weltniveau besitzen.

SPOX: Was ist an der White Hart Lane möglich?

Freund: Es wäre vermessen, wenn ich nach wenigen Tagen als Co-Trainer die Ziele für die kommende Saison formulieren würde. Die werden ganz klar von Andre Villas-Boas und Daniel Levy definiert. Sicher ist aber, dass an der White Hart Lane nachhaltig gearbeitet wird. Das gab mir die Sicherheit zu sagen: Ja, ich gehe das Risiko ein!

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