Daniel Sturridge im Porträt: Der Castrol Player to watch

Villas-Boas’ nächster Hulk

Von Markus Matjeschk
Dienstag, 21.02.2012 | 11:41 Uhr
Oben auf: Daniel Sturridge (M.) ist Chelseas treffsicherster Stürmer in der Premier League
© Getty
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Während Fernando Torres beim FC Chelsea auch in dieser Saison weiter nicht zu seiner Form findet, wirbelt sich im Blues-Angriff ein 22-jähriger Sprintstar in den Vordergrund. Daniel Sturridge mausert sich an der Stamford Bridge zu Andre Villas-Boas' schärfster Offensiv-Waffe - und erinnert den Coach an einen alten Bekannten. Gegen Neapel (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) soll nun auch der Knoten in der Champions League platzen.

Feuerwehrmann, Polizist, Fußballprofi. Für den sechsjährigen Daniel Andre Sturridge aus Birmingham in Sachen Berufswahl keine ernsthaften Optionen. Schon sehr früh steht für ihn fest: "Wenn ich groß bin, werde ich Wrestler." Jeden Penny gibt er für Figuren aus und trainiert mit seinen Cousins für die große Karriere.

Ein paar Jahre lang hält die Euphorie, dann kommt die Einsicht: "Ich glaube, ich war zwölf, als mir bewusst wurde, dass ich es nicht schaffen würde. Ich hatte einfach nicht die Fähigkeiten."

Zum Stammspieler gereift

Dass Sturridge sein Talent auf ganz anderem Terrain hat, beweist er zehn Jahre später bei einem der Top-Klubs in der Premier League und in Europa, dem FC Chelsea. Unter Andre Villas-Boas ist der 22-Jährige in dieser Saison zum Stammspieler gereift. Mehr noch: Er ist unersetzlich im Sturm. Mit neun Toren und drei Assists ist er in der Premier League gemeinsam mit Frank Lampard (neun Tore, vier Assists) und Juan Mata (fünf Tore, acht Assists) der gefährlichste Offensivspieler der Blues.

Didier Drogba, Fernando Torres oder Florent Malouda mögen prominenter sein - als wesentlich wichtiger erwies sich jedoch Linksfuß Sturridge, der in Chelseas 4-3-3 auf dem rechten Offensiv-Flügel eingesetzt wird. Sein Markenzeichen: Tempodribblings.

"Er ist ein extrem flinker Spieler und verbindet das mit seiner Technik. Schnelle Spieler gibt es wie Sand am Meer, aber wichtig ist, dass so einer auch etwas mit dem Ball anfangen kann. Genau das ist eine Stärke von Daniel", lobt ihn Villas-Boas und hat gleich noch einen ganz besonderen Vergleich parat, "Ich weiß nicht, wie sich seine Karriere entwickeln wird, von seinen Anlagen her kann er auf dem rechten Flügel spielen. Er kann mir dieses Besondere zeigen, wie es Hulk gemacht hat, als ich bei Porto war."

Ein Ritterschlag für einen Youngster, der bei Chelsea erst seit vergangenem Sommer einen Stammplatz innehat. Seitdem hat er sich im Castrol EDGE Ranking, der Weltrangliste der Fußballer, von Rang 1015 auf Rang 19 vorgearbeitet.

Das ist das Castrol EDGE Ranking

Über City an die Stamford Bridge

Seine ersten fußballerischen Schritte geht Sturridge bei Aston Villa und Coventry City, ehe er 2003 in die Manchester City Academy wechselt. Vier Jahre später, im Februar 2007, feiert der damals 17-Jährige sein Premier-League-Debüt. Gegen Reading wird er in der 74. Minute für Georgios Samaras eingewechselt. Mehr als ein weiterer PL-Einsatz springt in jener Spielzeit aber nicht für ihn heraus.

Startelf-Chancen sind auch in den kommenden Jahren weiter rar gesät. Dennoch gelingt es Sturridge in der Saison 2007/2008, als erster Spieler binnen einer Saison im FA Youth Cup, im FA Cup und in der Premier League zu treffen.

2009 klopft dann der große FC Chelsea an. Da Sturridge zu diesem Zeitpunkt noch keine 24 Jahre alt ist und sich beide Klubs nicht auf den finanziellen Rahmen des Wechsels einigen können, entscheidet ein Tribunal über die Ausbildungsentschädigung.

Die Blues müssen dem Ligakonkurrenten zunächst umgerechnet rund vier Millionen überweisen, die, abhängig von Sturridges Entwicklung, in der Folgezeit auf bis zu acht Millionen Euro aufgestockt werden können. Zudem gehen bei einem Weiterverkauf Sturridges an einen anderen Klub 15 Prozent der Ablösesumme an City.

In Bolton platzt der Knoten

An der Stamford Bridge ändert sich an sporadischen Einwechslungen erst einmal nicht viel, einen großen Teil seiner Arbeitszeit verbringt Sturridge mit der zweiten Mannschaft.

Mehr Spielpaxis muss her. "Wenn man dich als Spieler mit Potenzial sieht, man selbst aber nicht die Chance bekommt, regelmäßig zu spielen, hat man natürlich Angst, dass dieses Potenzial niemals wirklich ausgeschöpft wird", sagt Sturridge später dem "Mirror".

So leiht Chelsea sein Talent im Januar 2011 zu den Bolton Wanderers aus. Eine Entscheidung, die sich als Initialzündung entpuppt. Für Sturridge wird das halbe Jahr in der Ironman-Stadt der Schritt auf die große Bühne. Acht Tore schießt er in zwölf Premier-League-Spielen, ehe er im Sommer in die Hauptstadt zurückkehrt.

"Für seinen Reifeprozess war das wichtig. Nicht, weil er vorher nicht die gleichen Fähigkeiten gehabt hätte, sondern weil er sich entwickelt hat, wie es auch jeder andere Spieler gemacht hätte, der ein Jahr bei Bolton verbringt, wo er sein Selbstvertrauen stärken kann. Er hat dort im Wochen-Rhythmus getroffen. An diesem Punkt haben wir ihn von der Qualität her auf Chelsea-Niveau gesehen und das war der Zeitpunkt, zu dem wir ihn zurück haben wollten", freut sich Villas-Boas über die steile Formkurve seines Schützlings, der im November gegen Schweden sein Länderspieldebüt für die englische Nationalmannschaft gab.

"Jeder Klub braucht Konkurrenzkampf"

Angst vor großen Namen wie Fernando Torres, Didier Drogba oder Nicolas Anelka, die sich bei seiner Ankunft um einen Platz in Chelseas forderster Sturmreihe stritten, hatte Sturridge nicht: "Barcelona hatte schon Xavi, Iniesta und Messi, aber das hat sie auch nicht davon abgehalten, Cesc Fabregas zu verpflichten. Auch der beste Klub der Welt braucht Konkurrenzkampf."

Nach mehr als der Hälfte der Saison bleibt festzuhalten: Sturridge hat sich durchgesetzt. Neun Premier-League-Treffer hat der 22-Jährige auf dem Konto - und damit sieben mehr als Millionen-Mann Fernando Torres.

Auch wenn es seit dem 22. Dezember des vergangenen Jahres nicht mehr geklappt hat, gemeinsam mit Frank Lampard ist Sturridge Chelseas erfolgreichster Torschütze in der heimischen Liga, unter den Stürmern ist er im internen Ranking die klare Nummer eins.

Noch kein CL-Treffer 2011/2012

Auf europäischer Ebene stockt Sturridges Motor in dieser Saison jedoch noch gewaltig. Eigentlich verwunderlich, wie die Castrol EDGE Leistungsanalyse zeigt. Bringt Sturridge in der Liga fast die Hälfte seiner Torschüsse aufs gegnerische Gehäuse, sind es in der Champions League satte 82 Prozent.

Einzig die Ausbeute lässt zu wünschen übrig, noch kein einziger Ball fand den Ball ins Netz. Ähnlich sieht es bei seiner Spezialität aus: Während er in der Liga in 19 Spielen in 43 Dribblings ging und fast die Hälfte für sich entschied (47 Prozent), bestritt er in der Champions League in 4 Spielen lediglich 5 Dribblings (40 Prozent gewonnen). Die Zahlen beweisen: Auf höchster Ebene kann sich der 22-Jährige von seinen Kollegen einiges abschauen.

"Bei Chelsea lerne ich von Weltklasse-Spielern. Didier schießt so viele Freistoßtore, weil er das ständig trainiert. Lampard macht seine Tore, weil er an seiner Schustechnik feilt. John Terry ist Rechtsfuß, aber mittlerweile könnte man das gar nicht mehr sagen, weil er seinen linken Fuß dermaßen verbessert hat, dass er vielleicht sogar noch besser ist, als der rechte. So sind sie auf ihr Level gekommen", sagt er dem "Independent".

"Sie haben an ihren Schwächen gearbeitet und das Maximum aus sich herausgeholt. Genau so will ich das auch machen."

Daniel Sturridge im Steckbrief

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