Ein "Fan-Klub" im Profifußball

Das Wunder von Wimbledon

SID
Montag, 23.05.2011 | 12:48 Uhr
Der entscheiden Elfer sitzt, der AFC Wimbledon feiert den Aufstieg in den Profifußball
© Getty
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Als der FC Wimbledon 2002 aus London wegzog, gründeten die Fans ihren Klub einfach neu. Eine Schnapsidee mit Erfolg: Am Wochenende schaffte der Nachfolgeklub den Sprung in den Profifußball.

Sie feierten wie damals, vor dem Diebstahl ihres geliebten Vereins. "Die Pubs haben geöffnet bis ihr nicht mehr könnt - oder bis das Bier alle ist", versprach der AFC Wimbledon am Sonntag seinen leidgeprüften Fans, als das Fußball-Märchen endlich Realität geworden war: "Und wir sind sicher: Der eine oder andere Spieler wird im Laufe des Abends mit euch feiern."

Wenige Stunden zuvor hatte der wohl ungewöhnlichste Klub Englands den Aufstieg in die Viertklassigkeit und damit in den Profifußball geschafft. 6000 Fans waren nach Manchester gereist, um das Playoff-Finale gegen Luton Town zu sehen.

Endlich wieder den "gestohlenen Status"

Als Kapitän Danny Kedwell im Elfmeterschießen den letzten Schuss versenkte, brachen alle Dämme. "Wimbledon hat endlich wieder den Status, der ihnen vor neun Jahren so schändlich gestohlen wurde", hieß es auf der Vereinshomepage.

Man spürt: Der Mai 2002 hat im Südwesten Londons tiefe Narben hinterlassen. Der Mai - und die vielen Jahre zuvor. Es begann 1991, als Erstligist FC Wimbledon sein marodes Stadion an der Plough Lane verkaufen musste. Fortan spielte der Klub als Untermieter beim Lokalrivalen Crystal Palace. Die Fans wurden Jahr für Jahr mit den Versprechen auf ein neues Stadion vertröstet.

Als das nicht Wirklichkeit wurde, machten Gerüchte von einem Umzug in eine andere Stadt die Runde. Von Cardiff war die Rede, sogar Dublin. Die Fans liefen Sturm, zerstörten Fan-Shops und warfen Hundekot in den Briefkasten des neuen Besitzers.

Umzug nach Milton Keynes

Alles vergeblich: Am 28. Mai 2002 stimmte der englische Verband überraschend einem Umzug nach Milton Keynes zu, einer in den 1960er Jahren am Reißbrett entworfenen Stadt 100 Kilometer nördlich von London.

Die Fans reagierten mit Liebesentzug. Nur noch 849 Zuschauer sahen im Oktober 2002 die Zweitliga-Begegnung gegen Rotherham - bis heute Minusrekord für ein englisches Profispiel.

Im September 2003 spielte der FC Wimbledon dann erstmals im fernen Milton Keynes, neun Monate später folgt die Umbenennung in Milton Keynes Dons. Der FC Wimbledon, mit seiner "Crazy Gang" FA-Cup-Sieger von 1988, existierte nicht mehr. Die Fans in London waren entsetzt - und gründeten ihren eigenen Verein.

4500 Fans beim ersten Freundschaftsspiel

"Erst war es eine Schnapsidee. Dann wollten wir uns das Spiel zurückholen", sagte der erste Präsident Kris Stewart. Der AFC Wimbledon wurde geboren, 500 Fußballer kommen zum Probetraining, zum ersten Freundschaftsspiel des Neuntligisten strömten 4500 Fans.

Der lange Marsch durch die Ligen begann - am Samstag fand er mit dem Aufstieg in die Football League 2 einen kaum für möglich gehaltenen Höhepunkt.

In Wimbledon platzt man förmlich vor Stolz. "Vor neun Jahren hatte dieser Klub nichts. Heute hat er 30 Mannschaften, ein eigenes Stadion, mehrere Fair-Play-Preise, fünf Aufstiege, eine starke Verwurzelung in der Gesellschaft, finanzielle Stabilität - und jetzt auch Profistatus. Ist es nicht genau das, worum es im Fußball geht?", hieß es auf der Vereinsseite. Das Märchen ist wahr geworden.

Einen Traum allerdings haben die Fans des AFC Wimbledon noch: den verhassten Klub aus Milton Keynes auch sportlich einzuholen. Ein Aufstieg noch, dann ist auch dieses Ziel erreicht.

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