"Oh nein! Lehmann versaut es schon wieder!"

SID
"Mad Jens" bei seinem Comeback für die Arsenal-Reserve kurz vor dem Gegentor zum 0:1
© Getty

Jens Lehmann ist zurück: 325 Tage nach seinem letzten Bundesligaspiel hat der frühere Nationalkeeper in der Reserve des FC Arsenal sein Comeback gegeben - und seinem Spitznamen "Mad Jens", verrückter Jens, alle Ehre gemacht.

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Das Urteil der Experten war vernichtend. Wacklig, nervös, alptraumhaft: Nach Meinung der englischen Presse hätte sich Jens Lehmann sein Comeback besser sparen sollen.

Den ehemaligen Nationaltorhüter focht die beißende Kritik an seinem ersten Pflichtspiel nach 325 Tagen Pause aber nicht an. "Es ist wunderbar, wieder zurück zu sein", sagte er nach dem 1:2 mit der Reserve des FC Arsenal bei der 2. Mannschaft von Wigan Athletic.

Comeback bei Sportplatzatmosphäre

Am 8. Mai 2010 war Lehmann von der großen Fußball-Bühne abgetreten. Am 34. Spieltag der Bundesliga waren über 30.000 Zuschauer nach Hoffenheim gekommen, um ihn ein letztes Mal spielen zu sehen.

Am Dienstagnachmittag sahen im Robin Park in Wigan bei Manchester einige Dutzend Fans zu, wie sich der mittlerweile 41 Jahre alte Torwart wieder nach Bällen und in Schüsse warf. Es herrschte Sportplatzatmosphäre. Lehmanns lautstarkes Dirigieren war gut zu hören.

Doch nicht nur Lehmanns gewohnt deutliche Anweisungen an seine Vorderleute fielen auf. Der 61-malige Nationaltorwart machte auch deutlich, warum er auf der Insel Mad Jens, der verrückte Jens, genannt wird. Beim Versuch, einen Rückpass zu klären, schlug er ein Luftloch - und die englische Presse fühlte sich an den Patzer von Nationalkeeper Paul Robinson gegen Kroatien erinnert, der England die EM-Teilnahme 2008 kostete. Anders als Robinson hatte Lehmann aber Glück: Der Ball hoppelte Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

"Oh nein! Jens versaut es schon wieder!"

Dennoch: Selbst der Reporter von Lehmanns altem und neuen Klub fand diese Aktion "haarsträubend". Mitte der zweiten Hälfte hielten die Fans abermals den Atem an: Lehmann versuchte sich an einem Dribbling, verlor den Ball und musste sich bei seinem Mitspieler Daniel Boateng bedanken, der auf der Linie klärte.

"Es gibt in einem Spiel eben Situationen, die man im Training nicht simulieren kann", sagte Lehmann der Internetseite der Gunners über sein Comeback, und es sei ja immer gut "zu lernen, was ich hätte besser machen können".

Lehmann sprach von einer "guten Erfahrung", nach den harten Einheiten der vergangenen beiden Wochen habe er sich "frisch" gefühlt. Die Presse aber sah einen alten Mann. Der  "Daily Express" sprach von einem "wackeligen Comeback" und einem "Albtraum" für Lehmann. Die "Sun" schrieb: "Oh nein! Jens versaut es schon wieder!"

Respekt vom Gegner

Die "Daily Mail" fragte Teammanager Arsene Wenger, der Lehmann angesichts der Verletztenmisere zum Comeback überredet hatte: "Ist das echt dein Ernst, Arsene?" Lehmann habe kaum Argumente für einen Einsatz am Samstag gegen die Blackburn Rovers geliefert.

Dennoch denkt Wenger angeblich über einen Torwarttausch nach, weil Manuel Almunia zuletzt nicht gut hielt. Immerhin: An den Gegentreffern war Lehmann schuldlos. Und er hatte es auch nicht leicht, spielte seine Mannschaft doch seit der 20. Minute in Unterzahl.

Zudem machte Lehmann mit einer starken Parade klar, dass er auf der Linie noch immer zu den besseren Vertretern seines Fachs zählt. Die "BBC" sprach deshalb von einer "sicheren Vorstellung trotz einiger Aufreger" und spekulierte bereits über einen Einsatz Lehmanns am Wochenende.

Zumindest bei seinen Kollegen genießt Lehmann noch höchsten Respekt. "Es war großartig, gegen Lehmann zu treffen", sagte Callum McManaman, der das 1:0 für Wigan erzielte: "Er ist noch immer ein großer Torwart."

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