Roque Santa Cruz im Interview

"Am schlimmsten ist Carlos Tevez"

Von Interview: Haruka Gruber
Dienstag, 14.12.2010 | 13:25 Uhr
Roque Santa Cruz spielt seit 2009 für Manchester City
© Getty
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Bei Manchester City ist er nur Reservist und plant einen Wechsel im Winter, womöglich sogar die Rückkehr in die Bundesliga. Aber Roque Santa Cruz war früher auch die Inspiration für einen der besten Fußball-Songs aller Zeiten. Jetzt wagt Santa Cruz ein zweites Musik-Experiment - und spricht über seine Stiftung, seinen neuen Song, Alternativ-Mentor Mehmet Scholl und einen halbnackten Olli Kahn.

SPOX: Sechs Jahre nach Ihrer Zusammenarbeit mit Sportfreunde Stiller für "Ich, Roque!" wagen Sie ihr zweites musikalisches Experiment: ein Duett mit der niederländischen Sängerin Beate Alexandra. Wird "Let Your Love Shine" ein ähnlich großer Hit?

Roque Santa Cruz: Wenn es so kommen sollte, hätte ich nichts dagegen. Aber in erster Linie soll das Lied dabei helfen, meine Stiftung bekannter zu machen und mehr Spenden für die Kinder in Paraguay zu sammeln. Die Foundation gibt es seit acht Jahren und hat bereits viele Kinder unterstützt, aber ich möchte zukünftig noch mehr Menschen helfen. Von daher hoffe ich, dass durch "Let Your Love Shine" vor allem die Aufmerksamkeit der Fußball-Fans in Europa auf die Stiftung gelenkt wird.

SPOX: Wenn man böse ist, könnte man Ihnen unterstellen, dass Sie sich verstärkt für Ihre Stiftung engagieren, weil Sie auch die Zeit dazu haben. Bei Manchester City sitzen Sie die Saison über nur auf der Bank oder der Tribüne.

Santa Cruz: Auf einer gewissen Art und Weise stimme ich dem sogar zu. Wenn man als Profi kaum zum Einsatz kommt, muss man sich mit etwas beschäftigen - und ich habe mich dazu entschlossen, die Arbeit mit der Stiftung noch weiter zu forcieren. Sie gibt mir einen Sinn im Leben.

SPOX: Und Sie sagen das nicht einfach nur so?

Santa Cruz: Ich fahre ein schönes Auto, führe ein super Leben und spiele bei einem tollen Verein. Aber ich kann all das nicht genießen, wenn ich nach Paraguay zurückkehre und sehe, wie viel Armut vorherrscht. 200 Meter von meinem Haus entfernt leben die Kinder auf der Straße. Wenn ich mir dann überlege, wie viel Glück ich hatte, bekomme ich ein sehr schlechtes Gefühl. Deswegen ist es mir ein Bedürfnis, so viele Kinder wie möglich von der Straße zu holen, damit sie zur Schule und später vielleicht sogar zur Universität gehen können.

SPOX: Mussten Sie sich dennoch überwinden, als Amateur ins Gesangsstudio zu gehen und mit einer professionellen Sängerin ein Lied aufzunehmen?

Santa Cruz: Ich war unglaublich nervös. Ich bin mit Beate Alexandra seit langem befreundet und weiß, welch gute und professionelle Sängerin sie ist. Außerdem wurde das Lied von Tjeerd van Zannen, einem der bekanntesten Produzenten der Niederlande, geschrieben und arrangiert. Entsprechend groß war die Angst, sich als Hobby-Sänger sich lächerlich zu machen. Aber am Ende war das alles nur halb so schlimm und es hat sogar richtig Spaß gemacht.

SPOX: Haben Ihre Mitspieler bei Manchester City den Song schon gehört?

Santa Cruz: Die meisten mögen ihn, auch wenn es immer Kollegen gibt, die sich über so etwas lustig machen. Am schlimmsten ist Carlos Tevez, der mich aufzieht und Sachen sagt wie: "Werde lieber Popstar, das kannst du besser als Fußball." Aber mir macht es nichts aus, bei den Bayern habe ich nach "Ich, Roque!" genau die gleichen Witze gehört und bin entsprechend abgehärtet. (lacht)

SPOX: Sie sind bekennender Alternativ-Hörer. Was bevorzugen Tevez, Mario Balotelli oder Jerome Boateng?

Santa Cruz: Carlos steht vor allem auf argentinische Musik und hat mit seinem Bruder ja auch eine eigene Band, die in Argentinien offenbar schon den einen oder anderen Hit hatte. Die anderen hören fast ausnahmslos Hip-Hop und R'n'B, deswegen werden solche Lieder auch am häufigsten im Teambus gespielt. Ich hingegen kann damit aber nicht so viel anfangen und bin daher eher ein Exot in der Mannschaft.

SPOX: Das müsste Ihnen bekannt vorkommen: Mehmet Scholl erzählte einmal, dass bei den Bayern nur Markus Feulner und Sie den gleichen Geschmack hatten wie er.

Santa Cruz: Das stimmt, wir waren die einzigen, die zur Richtung Alternativ/Independent tendiert haben - wobei Mehmet eindeutig der Experte bei uns war. Er kannte immer die neusten Alben und hat Markus und mir Mixed-CDs gebrannt, damit wir auch auf dem Laufenden blieben.

SPOX: Und stimmt es auch, dass die Alternativ-Minderheit einmal versucht hat, das gesamte Team zu bekehren?

Santa Cruz: Mehmet ging zum Mannschaftsbus und hat eine CD mit den bekanntesten Alternativ-Hits eingelegt. Coldplay, Travis, so etwas eben. Aber der Schuss ging nach hinten los. Nach ein, zwei Liedern haben sich alle lautstark beschwert, dass die Lieder schlecht seien und wieder gescheite Musik eingelegt werden soll.

SPOX: Kam über Scholl auch der Kontakt zu Sportfreunde Stiller zustande?

Santa Cruz: Genau, Mehmet war mit der Band befreundet und hat mir irgendwann erzählt, dass die Sportfreunde ein Lied mit mir machen wollen, weil sie wüssten, dass ich auf die gleiche Musik stehe. Dann ging es zügig: Sie haben mir die Rohversion von "Ich, Roque!" vorgespielt, mir gefiel es, wir nahmen noch ein Video auf - und schon war die Single fast fertig.

SPOX: Zuvor gab es jedoch eine unangenehme Begegnung mit einem halbnackten Oliver Kahn.

Santa Cruz: Ja, der Olli, so war er eben. Das Einzige, was für den Song gefehlt hatte, war der eigentliche "Ich, Roque!"-Gesangspart von mir. Also besuchte mich Peter, der Sänger der Sportfreunde, mit dem Laptop im Arm nach dem Training in der Bayern-Umkleidekabine, damit ich kurz "Ich, Roque!" ins Mirkofon sage. Aber plötzlich kam Olli aus der Dusche, nur mit einem Handtuch bekleidet, und hat richtig böse geguckt. So hat er damals zwar fast jeden angeschaut, aber wir verzogen uns lieber und haben die Aufnahme dann in einem Raum im zweiten Stock nachgeholt, wo wir ungestört waren.

SPOX: Sportfreunde-Sänger Peter Brugger ist bekennender Bayern-Fan. Wie aber ticken die Gallagher-Brüder von der Gruppe "Oasis", die fast schon fanatische Anhänger von Manchester City sind?

Santa Cruz: Am krassesten ist Noel Gallagher. Er kommt zu jedem Spiel und ist total City-verrückt. Es gibt wahrscheinlich keinen, der so nahe am Verein und der Mannschaft ist wie er. Ich habe mich natürlich schon häufig mit ihm unterhalten - aber noch immer kann ich den Respekt vor ihm nicht ganz ablegen. Wenn ich Noel treffe, bin ich kein Fußball-Profi, sondern einfach nur ein Fan von Oasis.

SPOX: Welches Lied gefällt Ihnen am besten?

Santa Cruz: Vor jedem City-Spiel laufen Oasis-Lieder. "Champagne Supernova" ist super, aber eines der besten Lieder aller Zeit ist und bleibt "Don't Look Back in Anger". Ich kriege jedes Mal Gänsehaut, wenn ich es im Stadion höre.

SPOX: In England ist es üblich, dass ein Neuzugang zum Einstand ein Ständchen singen muss. Haben Sie sich für "Don't Look Back in Anger" entschieden? Oder eher etwas Ungewöhnliches wie Michael Ballack, der in der Chelsea-Kabine die Schlager: "Du entschuldige, i kenn Di" von Peter Cornelius zum Besten gab?

Santa Cruz: Das war aber mutig von Michael. Ich bin lieber eine Nummer sicher gegangen und habe es mir in Blackburn und in Manchester einfach gemacht und das gleiche Lied gesungen: Juanes mit "La Camisa Negra". Ich werde einfach nicht so schnell rot, wenn ich in Spanisch und nicht in Englisch oder Deutsch singe. Dennoch brach danach großes Gelächter in der Kabine aus.

"Let Your Love Shine": SellaBand & Santa Cruz roquen für Kinder

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