Donnerstag, 30.12.2010

Liverpool in der Krise

Mit der Geduld am Ende

Der FC Liverpool steht nach 20 Spieltagen so schlecht da, wie seit über 50 Jahren nicht mehr. Trainer Roy Hodgson wirkt angeknockt und legt sich mit den eigenen Fans an. Die verhöhnen ihren Coach und wissen schon, wen sie als Nachfolger wollen.

Liverpool liegt nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz
© Getty
Liverpool liegt nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz

In den letzten Jahren sprach man gerne von den Fab Four, wenn es um Manchester United, Chelsea, Arsenal und Liverpool ging. Das Quartett dominierte die Premier League, machte die ersten vier Plätze meist unter sich aus und spielte quasi in einer eigenen Liga.

Mittlerweile hat sich das allerdings geändert. Was zwei der vier Klubs in den letzten Wochen zeigten, ist alles andere als fabelhaft oder fantastisch. Der eine von beiden, der FC Chelsea, hat mit einem mühsamen 1:0-Erfolg gegen die Bolton Wanderers nach sechs sieglosen Spielen immerhin einen ersten Schritt aus der Krise gemacht. Der andere, der FC Liverpool, hat dagegen nach dem 20. Spieltag mehr Probleme denn je.

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Die Reds verloren vor heimischen Kulisse gegen das zuvor auswärts noch sieglose Schlusslicht Wolverhampton Wanderers mit 0:1. Es war bereits die vierte Niederlage in den letzten sechs Partien.

Nur drei Punkte vor Abstiegsplatz

Mit 22 Punkten rangiert das Team von Coach Roy Hodgson nur noch drei Zähler vor einem Abstiegsplatz und steht nach 20 Spieltagen so schlecht da, wie seit der Saison 1953/54 nicht mehr.

"Wir hatten uns viel vorgenommen, aber herausgekommen ist die schwächste Leistung in dieser Saison", gestand Hogdson ein. Dabei hatten die Reds in diesem Jahr schon zahlreiche dürftige Vorstellungen abgeliefert.

"Kenny-Dalglish"-Sprechchöre

Auch deshalb scheint die Geduld der Fans nun aufgebraucht. Als Hauptgrund für die Misere haben die Anhänger den Trainer ausgemacht. "Hogdson für England" hallte es bereits beim Stand von 0:0 höhnisch durch das Anfield Stadium. Benitez-Banner wurden ausgebreitet. Und immer wieder skandierten die Fans: "Kenny Dalglish!"

Die Liverpool-Legende hatte sich im Sommer für die Nachfolge von Rafael Benitez ins Gespräch gebracht, den Zuschlag erhielt allerdings Hodgson, den die Fans nun gerne durch Dalglish ersetzt sehen würden.

"Natürlich höre ich das nicht gerne, denn ich gebe für den Verein alles, was möglich ist. Ich nehme die Rufe und Gesänge einfach so hin, weil ich nichts dagegen machen kann", so der Reds-Coach.

Hodgson attackiert Fans

Der 63-Jährige versucht sich gelassen zu geben, den Frust über die Reaktion der Fans kann er allerdings nicht verbergen: "Ich warte noch immer auf den berühmten Anfield-Support, von dem ich noch nichts gespürt habe, seit ich hier bin."

Jeder wisse, wozu seine Mannschaft imstande ist, so Hodgson, aber momentan fehle es an Qualität und Selbstvertrauen - und an der Unterstützung der Anhänger. "Es wäre an der Zeit, dass uns die Fans auch mal helfen. Diese andauernde negative Haltung bringt uns nicht weiter. Wir verlieren die Spiele ja nicht absichtlich."

Hodgson will nicht aufgeben

Das erste halbe Jahr in Liverpool und die von Beginn an reservierte Haltung der Fans ihm gegenüber scheint seine Spuren bei Hodgson hinterlassen zu haben. Er wirkt angeknockt. Dennoch gibt er sich kämpferisch. "Als Trainer trägst du die Verantwortung, also werde ich das einstecken."

Aufgeben will Hodgson nicht: "Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten und weiß, dass die Situation in den Griff bekommen kann." Fabelhaft wäre das zwar noch nicht, aber immerhin ein Anfang.

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Daniel Börlein

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