Dienstag, 28.12.2010

Chelsea-Krise auf dem Höhepunkt

Wie lange schaut Abramowitsch noch zu?

Mit der Pleite beim FC Arsenal hat die Krise des FC Chelsea ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Trainer Carlo Ancelotti reagierte regelrecht geschockt. Muss der Italiener jetzt um seinen Job fürchten?

Ratloses Star-Trio: Chelseas Didier Drogba, Frank Lampard und John Terry (v.l.)
© Getty
Ratloses Star-Trio: Chelseas Didier Drogba, Frank Lampard und John Terry (v.l.)

Dass man sich in einer sportlichen Krise befand, daraus machte man an der Stamford Bridge zuletzt keinen Hehl. Wie auch? Fünf Spiele ohne Sieg, das ist für Chelsea-Verhältnisse eine beinahe epochale Durststrecke.

Doch das war vor dem Montagabend-Kracher im Emirates Stadium beim FC Arsenal. Und die 1:3-Pleite bei den Gunners hat die Serie der Misserfolge nicht einfach nur um ein weiteres Match verlängert, sondern ihr eine neue Dimension gegeben. Denn: Damit haben die Blues nicht in ihren schlimmsten Albträumen gerechnet.

"Damit habe ich nicht gerechnet", sagte Carlo Ancelotti. Enttäuscht, ja konsterniert und beinahe geschockt reagierte der italienische Coach auf die Leistung seiner Mannen, die gegen einen spielfreudigen FC Arsenal nicht den Hauch einer Chance hatten und leicht höher hätten verlieren können.

"Ich war von dieser Vorstellung überrascht, denn ich habe in dieser Woche einige sehr gute Trainingsleistungen gesehen. Wir müssen endlich aufwachen", sagte Ancelotti noch und dann sehr nachdenklich: "Vielleicht bin ich der erste, der aufwachen muss."

11 Tore in 13 Spielen

Nach dem furiosen Saisonstart mit fünf Siegen und 21:1 Toren ist Chelsea in einen merkwürdigen Trott verfallen. Die Bilanz in den 13 Spielen seitdem: 4 Siege, 4 Unentschieden, 5 Niederlagen, 11:14 Tore.

Mit dem Comeback des lange verletzten Frank Lampard vor zwei Wochen beim 1:1 bei den Tottenham Hotspur wähnte man sich am Ende der Misere. Jetzt zweifelt Ancelotti - 20 Spiele vor Saisonende - schon an der Chance auf die Titelverteidigung.

Premier League, 8. Spieltag

"Natürlich mache ich mir Sorgen. Die Mannschaft spielt nicht so, wie wir uns das vorstellen. Man sieht, dass uns das Selbstvertrauen fehlt, um unseren Stil zu spielen. Aber wenn man schläft, dann ist wichtig, schnellstmöglich aufzuwachen", erklärte Ancelotti. Es sei schwierig, in dieser Situation von der Meisterschaft zu sprechen: "Wir haben viele Punkte und unseren Tabellenplatz eingebüßt, aber ich bin noch zuversichtlich."

Das Ende von Scolari

Luiz Felipe Scolari war in einer ähnlichen Situation im Februar 2009. Da fiel Chelsea am 25. Spieltag durch ein grottiges 0:0 gegen Hull City auf den vierten Platz zurück, der Rückstand auf Spitzenreiter Manchester United betrug zehn Punkte und mit Arsenal im Rücken wackelte sogar die Qualifikation für die Champions League.

Klub-Besitzer Roman Abramowitsch feuerte Scolari damals nach nur sieben Monaten und installierte Guus Hiddink, der die Blues wieder auf Kurs brachte.

Ancelotti: "Stehe zu meiner Verantwortung"

Jetzt ist die Situation vergleichbar. Arsenal und Manchester City haben Chelsea (31 Punkte) schon vier Punkte abgenommen und Spitzenreiter United hat bei einem Spiel weniger sechs Zähler Vorsprung. Tottenham (30) pocht mit Macht ans Tor zu den ersten vier Plätzen.

Wie lange sich Abramowitsch noch in Geduld üben werde, wurde Ancelotti am Montagabend zwangsläufig auch noch gefragt. "Das weiß ich nicht, aber vermutlich ist er im Moment nicht zufrieden", gab der 51-Jährige zurück. "Ich stehe zu meiner Verantwortung, aber da müssen Sie schon ihn fragen."

Der FC Chelsea - Porträt in Bildern
Von den Top Four der Premier League durften die Chelsea-Fans bislang am wenigsten über Titel jubeln. Die großen Erfolge setzten erst ab 2003 ein...
© Getty
1/24
Von den Top Four der Premier League durften die Chelsea-Fans bislang am wenigsten über Titel jubeln. Die großen Erfolge setzten erst ab 2003 ein...
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie.html
Der Russe Roman Abramowitsch (M.) ist seit 2003 starker Mann beim FC Chelsea. Er erwarb den Verein für rund 210 Millionen Euro...
© Getty
2/24
Der Russe Roman Abramowitsch (M.) ist seit 2003 starker Mann beim FC Chelsea. Er erwarb den Verein für rund 210 Millionen Euro...
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=2.html
... und pumpte in seinem ersten Jahr hunderte Millionen Euro in den Klub. So kam Adrian Mutu (l.) für knapp 30 Millionen Euro aus Parma...
© Getty
3/24
... und pumpte in seinem ersten Jahr hunderte Millionen Euro in den Klub. So kam Adrian Mutu (l.) für knapp 30 Millionen Euro aus Parma...
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=3.html
... sowie Hernan Crespo für 26 Millionen Euro von Inter Mailand. Es folgten unter anderem Makelele, Cole und Veron. Abramowitsch gab 2003 180 Millionen für Neuzugänge aus
© Getty
4/24
... sowie Hernan Crespo für 26 Millionen Euro von Inter Mailand. Es folgten unter anderem Makelele, Cole und Veron. Abramowitsch gab 2003 180 Millionen für Neuzugänge aus
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=4.html
2004 übernahm "The Special One" Jose Mourinho das Traineramt bei den Blues. Er löste den bisherigen Coach Claudio Ranieri ab
© Getty
5/24
2004 übernahm "The Special One" Jose Mourinho das Traineramt bei den Blues. Er löste den bisherigen Coach Claudio Ranieri ab
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=5.html
Auch 2004 machte Abramowitsch die Kasse auf: Für 37 Millionen Euro holte er Didier Drogba von Olympique Marseille...
© Getty
6/24
Auch 2004 machte Abramowitsch die Kasse auf: Für 37 Millionen Euro holte er Didier Drogba von Olympique Marseille...
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=6.html
... sowie Petr Cech für 13 Millionen Euro von Stade Rennes. Außerdem kamen Ricardo Carvalho und Paolo Ferreira für 50 Millionen von Mourinhos Ex-Klub Porto
© Getty
7/24
... sowie Petr Cech für 13 Millionen Euro von Stade Rennes. Außerdem kamen Ricardo Carvalho und Paolo Ferreira für 50 Millionen von Mourinhos Ex-Klub Porto
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=7.html
Mehr als 380 Millionen Euro für neue Spieler machten sich dann auch bezahlt: 2005 holte Chelsea nach genau 50 Jahren wieder einmal die Meisterschaft
© Getty
8/24
Mehr als 380 Millionen Euro für neue Spieler machten sich dann auch bezahlt: 2005 holte Chelsea nach genau 50 Jahren wieder einmal die Meisterschaft
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=8.html
2006 wiederholten die Blues das Meisterstück. In der Meisterschaft kassierte das Abwehr-Bollwerk nur 22 Gegentore und hatte am Ende acht Punkte Vorsprung auf ManUtd
© Getty
9/24
2006 wiederholten die Blues das Meisterstück. In der Meisterschaft kassierte das Abwehr-Bollwerk nur 22 Gegentore und hatte am Ende acht Punkte Vorsprung auf ManUtd
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=9.html
Großen Anteil an den Erfolgen hatten Chelsea-Urgestein John Terry (l.) und Frank Lampard. Der war 2001 für 13 Millionen Euro von West Ham United gekommen
© Getty
10/24
Großen Anteil an den Erfolgen hatten Chelsea-Urgestein John Terry (l.) und Frank Lampard. Der war 2001 für 13 Millionen Euro von West Ham United gekommen
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=10.html
Um das Projekt Meister-Hattrick zu schaffen, verpflichtete man Andrej Schewtschenko (r.) für 47 Millionen Euro vom AC Milan. Bis dato Chelseas teuerster Transfer
© Getty
11/24
Um das Projekt Meister-Hattrick zu schaffen, verpflichtete man Andrej Schewtschenko (r.) für 47 Millionen Euro vom AC Milan. Bis dato Chelseas teuerster Transfer
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=11.html
Außerdem kam Michael Ballack ablösefrei vom FC Bayern. Das Meister-Triple klappte allerdings nicht, stattdessen holte Manchester United den Titel dreimal in Folge
© Getty
12/24
Außerdem kam Michael Ballack ablösefrei vom FC Bayern. Das Meister-Triple klappte allerdings nicht, stattdessen holte Manchester United den Titel dreimal in Folge
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=12.html
Das Stadion der Blues: Die Stamford Bridge wurde bereits im Jahr 1877 eröffnet und zuletzt 1990 saniert. Heutzutage finden maximal 42.055 Menschen darin Platz
© Getty
13/24
Das Stadion der Blues: Die Stamford Bridge wurde bereits im Jahr 1877 eröffnet und zuletzt 1990 saniert. Heutzutage finden maximal 42.055 Menschen darin Platz
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=13.html
Hier spielten im Laufe der Jahre haufenweise Superstars. Ein paar Beispiele aus der vergangenen Zeit...
© Getty
14/24
Hier spielten im Laufe der Jahre haufenweise Superstars. Ein paar Beispiele aus der vergangenen Zeit...
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=14.html
Dennis Wise (r.) stand zwischen 1990 bis 2001 332 Mal für die Blues auf dem Platz
© Getty
15/24
Dennis Wise (r.) stand zwischen 1990 bis 2001 332 Mal für die Blues auf dem Platz
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=15.html
Ruud Gullit, mit vollständigem Namen Rudi Dil Gullit, war von 1995 bis 1998 bei Chelsea tätig - zuerst als Spieler und anschließend als Trainer
© Getty
16/24
Ruud Gullit, mit vollständigem Namen Rudi Dil Gullit, war von 1995 bis 1998 bei Chelsea tätig - zuerst als Spieler und anschließend als Trainer
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=16.html
Gullit holte 1995 Gianluca Vialli von Juventus Turin. Zwei Jahre später beendete der Stürmer seine Karriere bei den Blues
© Getty
17/24
Gullit holte 1995 Gianluca Vialli von Juventus Turin. Zwei Jahre später beendete der Stürmer seine Karriere bei den Blues
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=17.html
Zwischen 1996 und 2003 erzielte Publikumsliebling Gianfranco Zola (2.v.l.) in der Premier League in 229 Spielen 59 Tore für Chelsea
© Getty
18/24
Zwischen 1996 und 2003 erzielte Publikumsliebling Gianfranco Zola (2.v.l.) in der Premier League in 229 Spielen 59 Tore für Chelsea
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=18.html
George Weah, Weltfußballer des Jahres 1995, spielte nur ein Jahr lang an der Stamford Bridge. Im Jahr 2000 gewann er den FA-Cup
© Getty
19/24
George Weah, Weltfußballer des Jahres 1995, spielte nur ein Jahr lang an der Stamford Bridge. Im Jahr 2000 gewann er den FA-Cup
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=19.html
Im selben Team stand zu dieser Zeit die französische Fußball-Legende Didier Deschamps (l.). Er verließ die Blues nach zwei Jahren in Richtung Valencia
© Getty
20/24
Im selben Team stand zu dieser Zeit die französische Fußball-Legende Didier Deschamps (l.). Er verließ die Blues nach zwei Jahren in Richtung Valencia
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=20.html
Die 1966er Mannschaft der Blues. Vorne rechts: Bobby Tambling, Chelseas Rekordtorjäger. In 302 Spielen traf er 164 Mal und gewann 1965 den League Cup
© Imago
21/24
Die 1966er Mannschaft der Blues. Vorne rechts: Bobby Tambling, Chelseas Rekordtorjäger. In 302 Spielen traf er 164 Mal und gewann 1965 den League Cup
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=21.html
Das Chelsea der Zukunft soll Carlo Ancelotti prägen. Der Italiener kam 2009 und holte auf Anhieb Meisterschaft und FA-Cup
© Getty
22/24
Das Chelsea der Zukunft soll Carlo Ancelotti prägen. Der Italiener kam 2009 und holte auf Anhieb Meisterschaft und FA-Cup
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=22.html
Entscheidenden Anteil daran hatten Frank Lampard (22 Tore/17 Assists) und Didier Drogba (29/13)
© Getty
23/24
Entscheidenden Anteil daran hatten Frank Lampard (22 Tore/17 Assists) und Didier Drogba (29/13)
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=23.html
Doch in der Saison 2010/2011 läuft nichts zusammen. Dabei holte man im Winter Fernando Torres für knapp 60 Millionen Euro aus Liverpool
© Getty
24/24
Doch in der Saison 2010/2011 läuft nichts zusammen. Dabei holte man im Winter Fernando Torres für knapp 60 Millionen Euro aus Liverpool
/de/sport/diashows/fc-chelsea-historie/fc-chelsea-historie,seite=24.html
 

Arsenal: Das große Aufatmen

So niederschmetternd das Ergebnis des Derbys im Emirates für Ancelotti und Chelsea war, so befreiend war es für den FC Arsenal.

Zwölf Spiele in Folge hatten die Gunners gegen die großen Zwei, ManUnited und eben Chelsea, nicht mehr gewonnen und sich die immer gleichen Schmähungen anhören müssen.

"Man hat uns infrage gestellt. Es hieß, wir können keine großen Spiele gewinnen", sagte Arsenal-Coach Arsene Wenger. "Dieser Sieg könnte richtungsweisenden Charakter haben. Cesc Fabregas hat gesagt, dass wir Angst davor hätten zu gewinnen. Das war vielleicht etwas krass ausgedrückt, aber von Angst war heute nichts zu sehen."

FC Chelsea: Alle Spiele, alle Ergebnisse

Oliver Wittenburg

Diskutieren Drucken Startseite
ENG

Premier League, 14. Spieltag

ENG
SPA
ITA
FRA
TUR

Premier League, 14. Spieltag

Primera Division, 14. Spieltag

Serie A, 15. Spieltag

Ligue 1, 16. Spieltag

Süper Lig, 13. Spieltag


www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.