Die Probleme des FC Chelsea

Carlo Ancelotti: Mehr Macht dem Knuddelbär

Von Thomas Gaber
Freitag, 10.12.2010 | 12:38 Uhr
Carlo Ancelotti gewann als Trainer und Spieler mit Milan vier Mal die Champions League
© Getty
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Der FC Chelsea macht momentan die schlimmste sportliche Krise durch, seit Roman Abramowitsch die Blues 2003 übernahm. Trainer Carlo Ancelotti zeigt sich dünnhäutig und beklagt sich über zu wenige Kompetenzen. Das Hauptproblem sind aber der Kader und fehlende Mittel.

Carlo Ancelotti sieht immer etwas verschlafen oder zerknittert aus. Den Eindruck verstärkt noch die meist hoch gezogene linke Augenbraue. "Der Knuddelbär kommt", titelte der "Mirror" nach Ancelottis Zusage an den FC Chelsea im Frühjahr 2009.

Der Knuddelbär hat den AC Milan zu zwei Champions-League-Titeln geführt und sich einen Namen als akribischer Fachmann gemacht, der obendrein die Benimmregeln verstanden und Vorgesetzte, Spieler, Trainer-Kollegen und Journalisten gleichermaßen stets mit Respekt behandelt hat.

Kein leichtes Unterfangen, wenn man den allmächtigen Silvio Berlusconi täglich im Nacken spürt und nie vor garstigen Kommentaren über Aufstellung oder Taktik gefeit ist.

"Ich sah ein verängstigtes Team"

Ancelotti musste nicht lange überlegen, als der Ruf aus London kam. Wer Berlusconi ohne bleibende Schäden überlebt hat, kann es auch mit Roman Abramowitsch aufnehmen.

Das erste Jahr in London lief gut für Ancelotti. Chelsea wurde englischer Meister und schoss in der Liga sagenhafte 103 Tore. Das Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen den späteren Champion Inter war nicht weiter tragisch, schließlich hat man sich bei Chelsea daran gewöhnt, in der Königsklasse anderen beim Jubeln zuzuschauen.

Ancelotti ist sich auch auf der Insel lange treu geblieben. Distanziert, aber freundlich, bestimmt, aber nie aufbrausend hat sich der 51-Jährige in London präsentiert. In den letzten Wochen ist jedoch eine wesentliche Veränderung erkennbar. Immer häufiger spricht Ancelotti offen die sportliche Schieflage der Blues an und macht auch nicht vor Einzelkritik halt.

Nach dem 1:1 am vergangenen Wochenende gegen Everton sagte er: "Was wir zeigen, reicht nicht. Ich sah ein verängstigtes Team, das nicht in der Lage war, unseren gewohnten Fußball zu spielen. Keine einfachen Pässe, sondern nur lange Bälle nach vorne. Das kann nicht unser Ziel sein."

Ancelotti beklagt mangelnde Kompetenzen

Nach dem 0:1 in der Champions League unter der Woche in Marseille ging er auf Distanz zu Didier Drogba: "Er hat nicht gut gespielt. Vielleicht hat er sich von den Emotionen beeinflussen lassen." Bevor er zu Chelsea kam, spielte Drogba lange an der französischen Mittelmeerküste.

Auch zu seiner Rolle und den Strukturen bei den Blues äußerte sich Ancelotti zuletzt kritisch. "Manchester und Chelsea kann man nicht vergleichen. Alex Ferguson hat die totale Kontrolle übers Team, ich gebe nur Anweisungen."

Dort der übermächtige Fergie, hier der in seinen Kompetenzen beschnittene Carlo.

Ancelotti fühlt sich vom Klub übergangen. Die Entlassung seines Co-Trainers Ray Wilkins, der Anfang Dezember in der Halbzeitpause eines Reservespiels gefeuert wurde, bewertete er als Vertrauensbruch.

Dass Chelsea Abramowitsch-Intimus Michael Emenalo zu Wilkins Nachfolger machte, ohne den Cheftrainer zu informieren, trug nicht gerade zur Entspannung bei.

Schwerer Einbruch nach überragendem Start

Ancelotti kämpft derzeit an allen möglichen Fronten, dabei hat er mit der Mannschaft genug zu tun. Nach einem beeindruckenden Start in die Premier League (25 Punkte und 27:3 Tore aus 10 Spielen) und die Champions League ist Chelsea schwer eingebrochen.

Nur drei Tore schossen die Blauen in den letzte sechs Ligaspielen und holten damit klägliche fünf Punkte - eine ähnlich negative Serie gab es noch nie, seit Abramowitsch den Klub 2003 übernahm.

Die Mannschaft ist von einer rätselhaften Trägheit befallen. Das Offensivspiel ist statisch, ohne Überraschungsmomente und ohne Power, für die Chelsea in den letzten Jahren bekannt und gefürchtet war.

Spielplan und Ergebnis der Blues

Cech übt Kritik

Gegen Everton hingen die Blues in den Schlussminuten in den Seilen und warteten sehnsüchtig auf den Abpfiff, um wenigstens einen Punkt zu behalten.

"Unser Problem ist, dass wir unsere Leistung nicht über 90 Minuten halten. Es gibt Phasen, in denen wir überhaupt nicht da sind. So geht das schon die ganze Saison", bemängelt Torhüter Petr Cech.

Torgarant Drogba gibt zu, noch nie in einer körperlich schlechteren Verfassung gewesen zu sein, seit er für Chelsea spielt. Die Nachwehen einer Malariaerkrankung.

Zu dünner Kader

Der Ausfall von Stammspielern ist Chelseas größtes Problem. John Terry, Alex (beide Muskelverletzung), Frank Lampard (Leiste) und Michael Essien (Rot-Sperre) konnten oder können nicht adäquat ersetzt werden.

Dem Kader fehlt die Tiefe. Fünf Spieler (Michael Ballack, Deco, Joe Cole, Juliano Belletti und Ricardo Carvalho) gingen, nur zwei kamen (Ramires und Yossi Benayoun). Gegen Everton saßen die Youngster Jeffrey Bruma, Joshua McEachran, Gael Kakuta und Daniel Sturridge auf der Bank.

Nur Außenseiter gegen Spurs

Ancelotti muss mit dem vorhandenen Spielermaterial zurechtkommen. Bei Klub-Besitzer Abramowitsch sitzen die Rubel nicht mehr so locker und das von der UEFA geschnürte Financial-Fairplay-Paket, das die Klubs zwingt, vernünftiger mit ihrem Geld zu haushalten, lässt bei den klammen Blues ohnehin keine Millionen-Transfers mehr zu.

Der Name David Luiz von Benfica Lissabon, brasilianischer Nationalverteidiger, wieder immer wieder als potentieller Neuzugang an der Stamford Bridge gehandelt. Unter einem Angebot von 40 Millionen Euro lässt Benfica aber nicht mit sich diskutieren.

Die nächsten drei Spiele werden Chelsea den Weg weisen. Die Gegner heißen Tottenham, Manchester United und Arsenal.

"Das Spiel gegen die Spurs ist das erste in meiner Amtszeit bei Chelsea, in das wir nicht als Favorit gehen. Tottenham ist gut drauf und jeder denkt, dass wir wieder verlieren", sagte Ancelotti nach dem 0:1 in Marseille.

Absolute Entschlossenheit

Ancelottis Aussage klingt kleinlaut, an Aufgabe denkt der Trainer aber keineswegs. "Über meine Position mache ich mir keine Gedanken, sondern nur über unsere Leistung auf dem Platz. Alles andere kann ich nicht beeinflussen. Aber ich bin entschlossen, mit Chelsea die Erfolge zu feiern, die von mir erwartet werden."

"Der Knuddelbär kommt" hieß es vor knapp anderthalb Jahren in der englischen Presse. Und er ist gekommen, um zu bleiben.

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